Schrott-Busse im Ersatzverkehr: Schüler aus Prignitz berichten über unhaltbare Zustände
Schrott-Busse im Ersatzverkehr: Schüler berichten

Schrott-Busse im Ersatzverkehr: Schüler aus Prignitz berichten über unhaltbare Zustände

Der von Ecovista betriebene Bus-Ersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin steckt in einer tiefen Krise. Seit August des vergangenen Jahres sind Zugreisende aufgrund der Sanierung der Bahnstrecke auf Ersatzbusse angewiesen. Das Unternehmen aus Augsburg sollte eigentlich für zuverlässige Verbindungen in die Metropolen sowie nach Schwerin und Osterburg sorgen. Doch die anhaltende Kritik an den Fahrzeugen reißt nicht ab. Mittlerweile wird dem Unternehmen vorgeworfen, vertraglich vereinbarte Qualitätsstandards nicht mehr einzuhalten.

Schüler schildern bedenkliche Zustände in maroden Bussen

Der Hintergrund der Misere ist ein Konflikt mit dem Kapitalgeber, der Ecovista in den vergangenen Wochen zum kurzfristigen Austausch der gesamten Busflotte zwang. Das Unternehmen suchte in ganz Europa nach Ersatzfahrzeugen und wurde unter anderem in Osteuropa fündig. Allerdings ist der Zustand mancher Busse mehr als bedenklich. Verärgerte Pendler meldeten sich und berichteten von verschimmelten Sitzen, abgefahrenen Reifen sowie klappernden, alten und maroden Bussen, die im Ersatzverkehr im Einsatz seien.

Auch in der Prignitz haben Pendler bereits negative Erfahrungen mit den Ecovista-Bussen gemacht. Der 17-jährige Schüler Moritz Löwe und seine Schwester fahren jeden Schultag von Perleberg nach Wittenberge. Seit rund einer Woche ist auf der Rückfahrt am Mittag immer ein Bus aus Ungarn unterwegs, erzählt der Jugendliche im Gespräch mit unserer Redaktion.

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„Man sieht, dass der ein wenig marode ist“, berichtet er. In der Decke gebe es einen langen Riss, Knöpfe seien abgebrochen und Kabel hingen heraus. Die Warnhinweise seien alle auf Ungarisch und teilweise auf Englisch. Außerdem seien die beiden hinteren Türen defekt. „Das sind ja auch Notausgänge“, schildert der Jugendliche besorgt. Auch die vordere Scheibe würde leicht klappern, wie seine Schwester berichtet habe.

Sein Vater Ronny Löwe macht sich daher ernsthafte Gedanken über die Sicherheit seiner Kinder. „Man macht sich schon Sorgen, in welchem technischen Zustand hier die Busse unterwegs sind“, beklagt er im Gespräch. „Als Eltern müssen wir uns darauf verlassen können, dass die Fahrzeuge vom TÜV abgenommen sind.“

Pendlerin lobt neue Busse – doch die Bahn droht mit Kündigung

Doch nicht alle Busse sind in einem derart schlechten Zustand. Birgit Karstädt aus Wittenberge pendelt mehrmals die Woche zu ihrem Arbeitsort nach Berlin und kann die negativen Erfahrungen bislang nicht bestätigen. „Ich finde, die Reisebusse sind sehr bequem“, sagt sie. „Man kann morgens im Bus schlafen. Und als es noch so kalt war, wurden die Busse wenigstens warm.“ Auch am Wochenende war Karstädt über Quitzow nach Schwerin unterwegs – ohne Beanstandungen.

Dennoch steht Ecovista unter massivem Druck. Am Mittwoch hatte das Bahn-Infrastrukturunternehmen DB InfraGO bekannt gegeben, dass sich aufgrund des wochenlangen Frostwetters die Bauarbeiten bis Juni verzögern werden. Am 15. Mai soll der Abschnitt zwischen Hamburg und Hagenow Land wiedereröffnet werden. Erst am 14. Juni soll die restliche Strecke über Ludwigslust, Wittenberge und Nauen Richtung Berlin wieder ans Netz gehen.

So lange müssen die Prignitzer weiterhin mit Ersatzbussen vorliebnehmen. Ob diese weiter von Ecovista gestellt werden, ließ die Bahn am Mittwoch indes offen. Aufgrund der nicht eingehaltenen Qualitätsstandards drohte Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte der DB InfraGO, mit einer Kündigung des Vertrags. Demnach stehen ersatzweise andere Busunternehmen bereit.

Ecovista sei jetzt zweimal abgemahnt worden, hieß es. Man setze „alle juristischen Mittel ein, um wieder den ursprünglichen Vertragszustand zu erreichen“, unterstrich Bolte. Viele Pendler, auch aus der Prignitz, hoffen darauf, dass sich die Situation bald verbessert.

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