Schweriner Nahverkehr startet innovatives Sicherheitskonzept mit Wunschhalten ab 20 Uhr
Der Nahverkehr Schwerin (NVS) hat am Donnerstag ein umfassendes neues Sicherheitskonzept vorgestellt, das ab sofort in der Landeshauptstadt umgesetzt wird. Eine der sichtbarsten Neuerungen: Ab 20 Uhr können Fahrgäste auf allen Buslinien zwischen regulären Haltestellen aussteigen – sofern die Verkehrssituation dies zulässt. Dieses sogenannte "Halten auf Wunsch" wird durch zusätzliche Sicherheitskräfte in Bussen, Straßenbahnen und an Haltestellen ergänzt.
Mehr Sicherheit für 55.000 tägliche Fahrgäste
"Wir wollen den Nahverkehr modern und zukunftsfähig gestalten", erklärt Geschäftsführer Thomas Schlüter. Neben technischen Modernisierungen und digitalen Angeboten wie "IDA" gehöre dazu ein klarer Fokus auf Sicherheitsaspekte. Täglich nutzen etwa 55.000 Menschen den Schweriner Nahverkehr – eine Zahl, die regelmäßig zu beengten Verhältnissen und gelegentlichen Spannungen führen kann.
"Wo viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, lassen sich Konflikte manchmal nicht vermeiden", so Schlüter weiter. "Genau hier setzen wir mit unserem erweiterten Sicherheitskonzept an: Wir stärken gezielt Schutz, Präsenz und Prävention – für mehr Vertrauen und ein besseres Gefühl bei unseren Fahrgästen und Mitarbeitenden."
Persönliche Erfahrungen der Fahrer
Die persönlichen Erfahrungen von Fahrpersonal wie Bastian Dahlmann und Anja Becker unterstreichen die Notwendigkeit solcher Maßnahmen. Bastian Dahlmann, der seit 15 Jahren Busse, Straßenbahnen und die Fähre "Petermännchen" steuert, berichtet von regelmäßigen verbalen Übergriffen: "Ich musste mir schon öfter Beleidigungen anhören." Ernsthafte Vorfälle seien zwar selten geblieben, doch das Risiko fahre besonders nachts immer mit.
Anja Becker, die ebenfalls im Schweriner Nahverkehr tätig ist, bestätigt diese Einschätzung: "Da hat man schon im Hinterkopf, es könnte etwas passieren." Besonders bei Fahrscheinkontrollen komme es häufiger vor, dass der Ton rauer werde. Beide begrüßen daher die neuen Maßnahmen, insbesondere das Wunschhalten nach 20 Uhr.
Deeskalation statt Abschreckung
Für die zusätzliche Präsenz in Fahrzeugen und an Haltestellen setzt der NVS auf die BIP Dienstleistungen GmbH, die bereits in der Fahrscheinkontrolle aktiv ist. Geschäftsführer Christian Blümel betont den deeskalativen Ansatz: "Wir wollen nicht die Sheriffs in der Bahn sein", sagt er. Stattdessen setze man auf Kommunikation und frühe Konfliktlösung: "Wir suchen das Gespräch mit den Fahrgästen." Ziel sei es, Auseinandersetzungen bereits im Ansatz zu verhindern.
Breite Unterstützung aus Politik und Polizei
Das Sicherheitskonzept erhält Rückhalt von verschiedenen Seiten:
- Die Polizeiinspektion Schwerin unter Leitung von Kriminaldirektor Mattes Pienkoß bezeichnet das Vorhaben als "sinnvolle Erweiterung der Sicherheitsarchitektur im öffentlichen Raum".
- Aus der Stadtpolitik kommt breite Zustimmung, wie der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) betont: "Ich bin überzeugt, dass zeitgemäße Maßnahmen wie die Sicherheitskräfte oder der Bedarfshalt von Bussen in den Abendstunden bei den Schwerinerinnen und Schwerinern große Zustimmung finden werden."
Konkrete Änderungen im Alltag
Das gesamte Sicherheitskonzept startet ab sofort und wird zunächst für ein Jahr getestet. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Wunschhalte nach 20 Uhr: Fahrgäste können ihren Ausstiegswunsch anmelden, der Fahrer entscheidet je nach Verkehrslage und Sicherheit.
- Zugang über alle Türen: Die bisherige Regelung, nur vorn einzusteigen, entfällt – dies soll den Fahrgastfluss beschleunigen.
- Zusätzliche Sicherheitskräfte: Mehr Präsenz von geschultem Personal in Fahrzeugen und an Haltestellen.
- Kooperation mit Polizei: Enge Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden.
Besonders in den Randgebieten Schwerins, wo Haltestellen weiter auseinander liegen, könnte das Wunschhalten nach Einschätzung von Fahrer Bastian Dahlmann für ein deutlich besseres Sicherheitsgefühl sorgen: "Es gibt den Fahrgästen schon ein sicheres Gefühl, wenn sie nachts nicht mehr so weit laufen müssen."



