Verdi-Streik in München: U-Bahnen nur für Fußballfans - Pendler bleiben außen vor
Streik: U-Bahnen nur für Fußballfans, Pendler sauer

Verdi-Streik in München: U-Bahnen nur für Fußballfans - Pendler bleiben außen vor

An diesem Mittwoch herrscht in München erneut ein Verkehrschaos aufgrund des Verdi-Streiks bei Tram, Bus und U-Bahn. Während Schüler, Pendler und viele andere Münchner auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten müssen, gibt es eine bemerkenswerte Ausnahme: Für das Fußballspiel in der Allianz Arena fahren die U-Bahnen trotz Streik.

Priorität für Fußballfans statt Pendler

Ab Mittwochnachmittag verkehren an der Münchner Freiheit U-Bahnen – allerdings ausschließlich in Richtung Allianz Arena und nur zum Einstieg für Fußballfans. Die MVG plant, die U6 zwischen Marienplatz und Fröttmaning in engem Takt fahren zu lassen, jedoch mit der ausdrücklichen Einschränkung, dass dieser Service ausschließlich den Fußballfans vorbehalten ist.

Haris Softic von Verdi äußert sich kritisch zu dieser Entscheidung: „Die MVG zeigt klar, wo für sie die Prioritäten liegen. Priorität haben nicht etwa die Pendler – sondern die Fußballfans.“ Der Gewerkschafter betont, dass mit derselben Kraftanstrengung, die für den Fußballverkehr aufgebracht wird, auch ein teilweiser Betrieb im Berufsverkehr möglich gewesen wäre.

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Politische Kritik und alternative Lösungen

Stefan Jagel, Linken-OB-Kandidat, übt scharfe Kritik nicht nur an der MVG, sondern auch am FC Bayern: „Der FC Bayern bietet nicht einmal ein Kombiticket zur Nutzung der Öffentlichen an. Und dann erwartet er, dass die öffentliche Infrastruktur funktioniert, sogar wenn Beschäftigte zurecht für mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten streiken.“ Jagel wirft der Stadtspitze vor, diese Praxis zu decken.

Neben der U6 sollen während des Streiks auch zusätzliche Busse von der Donnersbergerbrücke sowie vom Stachus, Kieferngarten und Bayern-Campus verkehren. Diese Maßnahmen wurden in Absprachen zwischen MVG, Polizei und FC Bayern seit dem Wochenende koordiniert, wobei sogar eine Absage des Spiels im Raum stand.

MVG rechtfertigt Sonderverkehr mit Personalmangel

Auf die Frage, ob mit demselben Personaleinsatz nicht ein ausgedünnter Takt auf allen U-Bahn-Linien den ganzen Tag möglich gewesen wäre, antwortet ein MVG-Sprecher mit einem klaren Nein. „Im Fahrdienst und in der Leitstelle stehen wegen des Streiks nur sehr wenige Mitarbeiter zur Verfügung“, argumentiert er. „Damit kann nur ein kurzer Abschnitt für einen begrenzten Zeitraum sicher betrieben werden.“

Der Sprecher führt weiter aus, dass die U-Bahn nur in Betrieb gehen könne, wenn gesichert sei, dass der Betrieb auch wieder geregelt eingestellt werden könne oder bis Betriebsende weiterlaufe. Daher sei leider nur Sonderverkehr am Abend möglich. In Verdi-Kreisen wird berichtet, dass die MVG sogar Mitarbeiter mit Fahrerlaubnis einsetzt, die normalerweise keine U-Bahnen fahren, um das Fußballspiel zu ermöglichen.

Soziale Medien brodeln vor Unmut

In den sozialen Medien zeigt sich breite Empörung über die einseitige Priorisierung. Viele Nutzer kritisieren, dass während des Streiks Schüler und Berufspendler komplett außen vor bleiben, während für ein Fußballspiel Sonderlösungen gefunden werden. Die Diskussion wirft grundsätzliche Fragen zur Verteilung öffentlicher Ressourcen und zur sozialen Gerechtigkeit im Verkehrswesen auf.

Während die Fußballfans den Sonderverkehr begrüßen dürften, ärgert sich der Großteil der Münchner Bevölkerung über diese Ungleichbehandlung. Die Situation verdeutlicht die Spannungen zwischen kommerziellen Interessen, öffentlicher Daseinsvorsorge und den berechtigten Forderungen streikender Beschäftigter nach besseren Arbeitsbedingungen.

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