Berlin setzt nach zwei schweren Brandanschlägen auf ein bundesweit einmaliges Sicherheitskonzept für seine Strommasten. Alle 120 Standorte von Freileitungen wurden mit Alarm-Sensoren nachgerüstet, die auf Geräusche und Schwingungen von Flex oder Schweißbrennern reagieren. Bei einem Alarm springen sofort Videokameras an und die Polizei wird alarmiert. „Das ist einmalig in Deutschland“, sagt Erik Landeck (59), Chef der attackierten Stromnetz Berlin.
Die schlimmsten Stromausfälle der Nachkriegszeit
Zwei Brandanschläge von Linksradikalen innerhalb von vier Monaten verursachten die längsten Stromausfälle der Nachkriegszeit. Besonders bitter war der letzte Anschlag im Januar, als bei vielen der 50.000 betroffenen Haushalte auch die Heizung ausfiel. Landeck betont: „Wir wissen, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht geben kann. Aber wir tun das technisch und Menschenmögliche.“
Schutzmaßnahmen: Höhere Zäune und Überwachung
Die bisherigen Zäune um Umspannwerke und Netzknoten waren mit zwei Metern zu niedrig. Auf einer Länge von 20 Kilometern werden sie bis Juni auf 2,40 Meter erhöht. Zusätzlich kommen Stacheldraht und – wo genehmigt – Nato-Draht zum Einsatz. Alle Bauwerke wurden mit einbruchshemmenden Türen und Fenstern ausgestattet.
Videotechnik und Wachschutz rund um die Uhr
Die Berliner CDU/SPD-Koalition passte den Datenschutz an, sodass jetzt auch im öffentlichen Straßenland gefährdete Anlagen per Video überwacht werden können. Inzwischen wurden 200 Kameras installiert. „Ich kenne keinen Betreiber, der so auf Videotechnik setzt“, sagt Aufsichtsratschef Severin Fischer (42, SPD). Wo der Schutz noch nicht aufgerüstet ist, patrouillieren 120 Wachschützer rund um die Uhr.
Kosten und Auswirkungen
Die Reparatur des ersten Anschlags verursachte 3 Millionen Euro Schaden. Beim zweiten sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, die Kosten liegen ebenfalls im einstelligen Millionenbereich. Statistisch gesehen wurde die Stromversorgung in Berlin bislang immer zuverlässiger: 2023 fiel sie insgesamt 9,7 Minuten aus (bundesweit 12,8) und 2024 noch 8,6 Minuten (11,7).
Empfehlung für Photovoltaik-Besitzer
Den Nutzern von Photovoltaikanlagen empfehlen die Experten nach den bitteren Erfahrungen des Blackouts: einen Netztrennschalter installieren, damit man seine eigenerzeugte Energie auch bei Stromausfall nutzen kann. Derzeit haben ihn nur fünf Prozent der PV-Anlagen in Berlin.



