Flugsicherheitsstudie: Sitzordnung älterer Passagiere beeinflusst Evakuierungszeiten
Studie: Sitzordnung älterer Passagiere beeinflusst Evakuierung

Flugsicherheitsstudie deckt auf: Sitzordnung älterer Passagiere kann Evakuierung verzögern

Im Notfall zählt jede Sekunde, wenn Passagiere ein Flugzeug verlassen müssen. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung zeigt nun, dass bereits die Sitzordnung an Bord entscheidenden Einfluss auf die Evakuierungsgeschwindigkeit nehmen kann. Besonders die Platzierung älterer Reisender über 60 Jahren spielt dabei eine zentrale Rolle.

Detaillierte Simulationen mit Airbus A320 Modell

Forscher haben für ihre Studie die Kabine eines Airbus A320 als präzises Computermodell nachgebaut und verschiedene Notfallszenarien simuliert. Im Fokus stand ein Extremszenario mit Brand an beiden Triebwerken, bei dem die Notausgänge über den Tragflächen geschlossen bleiben. Mithilfe spezieller Software wurden insgesamt 27 verschiedene Varianten durchgespielt, bei denen die Wissenschaftler die Sitzanordnung, das Verhältnis von jüngeren zu älteren Passagieren und deren Verteilung in der Kabine systematisch variierten.

Ältere Passagiere als Bremse in der Evakuierungskette

Als „ältere“ Passagiere definierte die Studie Personen über 60 Jahre. Das Modell berücksichtigte dabei typische altersbedingte Unterschiede wie reduzierte Gehgeschwindigkeit, eingeschränkte Beweglichkeit und mögliche kognitive Einschränkungen, die in Stresssituationen zu langsameren Reaktionen führen können. Die Ergebnisse waren eindeutig: In keiner der 27 Simulationen konnte die gesetzliche Vorgabe erreicht werden, nach der alle Fluggäste das Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden verlassen müssen müssen.

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Selbst im günstigsten Fall – mit nur wenigen Passagieren über 60 Jahren in der Nähe der Ausgänge – dauerte die Evakuierung bereits 141 Sekunden. Bei einem hohen Anteil älterer Reisender stiegen die Zeiten teilweise auf über 200 Sekunden an. Interessanterweise war dabei weniger die Gesamtzahl der Senioren an Bord entscheidend, sondern vielmehr deren konkrete Platzierung in der Kabine.

Engpässe durch ungleichmäßige Verteilung

Die Studie zeigt deutlich: Wenn sich viele ältere Fluggäste in bestimmten Bereichen konzentrieren, insbesondere in der Nähe der Notausgänge, entstehen schnell Engpässe. In solchen Situationen stauen sich auch jüngere Reisende hinter den langsameren Passagieren, was die gesamte Evakuierungskette verzögert. Neben der geringeren Bewegungsgeschwindigkeit und eingeschränkten Feinmotorik nennen die Forscher auch mögliche Orientierungsschwierigkeiten in der Stresssituation als zusätzliche Verzögerungsfaktoren.

Empfehlungen für sicherere Kabinenkonzepte

Die Wissenschaftler betonen ausdrücklich, dass ältere Menschen selbstverständlich nicht vom Fliegen ausgeschlossen werden sollen. Stattdessen empfehlen sie praktische Maßnahmen zur Verbesserung der Flugsicherheit. Dazu gehört vor allem eine möglichst gleichmäßige Verteilung älterer Passagiere in der gesamten Kabine, um Gruppenbildungen und Engpässe an neuralgischen Punkten zu vermeiden.

Die Studie zeigt zudem deutlichen Anpassungsbedarf bei bestehenden Sicherheitsregularien auf. Bisherige Vorschriften seien stark auf „junge“ Passagiere zugeschnitten und gingen von schnellen Reaktionen sowie freien Fluchtwegen aus. Die Realität in modernen Passagiermaschinen mit einer zunehmend älter werdenden Fluggastpopulation erfordere jedoch angepasste Sicherheitskonzepte, die den veränderten demografischen Bedingungen Rechnung tragen.

Die Erkenntnisse der Untersuchung könnten künftig sowohl bei der Kabinenplanung neuer Flugzeugmodelle als auch bei der Sitzplatzvergabe und Sicherheitsunterweisungen Berücksichtigung finden. Damit ließe sich die Sicherheit für alle Passagiere – unabhängig von ihrem Alter – weiter erhöhen.

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