Tanktourismus boomt: Deutsche fahren nach Polen, um hohe Spritpreise zu umgehen
Tanktourismus: Deutsche flüchten vor hohen Spritpreisen nach Polen

Tanktourismus boomt: Deutsche flüchten vor hohen Spritpreisen nach Polen

In Polen sind Benzin und Diesel deutlich billiger als in Deutschland, was zu einem regelrechten Boom des Tanktourismus in der Grenzregion führt. Bei manchen Autofahrern mutet die Jagd nach Sprit-Schnäppchen allerdings skurril an, wie aktuelle Berichte zeigen.

Preisunterschiede treiben Deutsche über die Grenze

Ein Liter Diesel kostet diese Woche im polnischen Słubice umgerechnet etwa 1,81 Euro, während die Preise in Deutschland deutlich höher liegen. Dieser Unterschied von bis zu 50 Cent führt zu langen Schlangen vor den Zapfsäulen. „50 Cent Unterschied ist nicht normal“, klagt ein Autofahrer. Deutsche Tanktouristen gibt es in der Region zwar schon lange, aber seit Beginn des Irankriegs hat ihre Zahl stark zugenommen.

Eine Autofahrerin erklärt: „Wenn ich überlege, was es mittlerweile in Deutschland kostet, dann fährt man eigentlich nur noch arbeiten, um auf Arbeit kommen zu können. Also man kann sich nichts mehr leisten, deswegen fahren wir nach Polen tanken.“ Viele Brandenburger nutzen die Gelegenheit, um 30 Euro oder mehr pro Tankfüllung zu sparen, besonders im ländlichen Bereich, wo die Menschen auf das Auto angewiesen sind.

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Skurrile Methoden: Vom Zug bis zum Benzinkanister

Max Hahn, ein Student aus Berlin, hat eine ungewöhnliche Rechnung aufgemacht. Er ist mit dem Zug nach Frankfurt/Oder gefahren und dann zu Fuß über die Grenze gegangen. „Das Deutschland-Ticket ist ja wahrscheinlich im Endeffekt günstiger als dann die Strecke im Auto noch rüber zu fahren, also man muss heute wirklich Sprit sparen, bis der Arzt kommt“, sagt er. Nächste Woche will er in den Skiurlaub – mit dem Auto, weshalb er den Kurztrip nach Polen unternimmt.

Der Zoll könnte Fragen haben, spätestens aber der Schaffner im Regionalexpress, wenn Benzinkanister in der Bahn transportiert werden. Bitte nicht nachmachen. Im Extra-Kanister im Auto sind dagegen bis zu 20 Liter erlaubt, und viele deutsche Tanktouristen nutzen diese Möglichkeit. Auch in Polen sind die Spritpreise seit Kriegsbeginn gestiegen, um rund neun Prozent, aber im Vergleich zu Deutschland lässt sich immer noch viel sparen.

Ärger über Konzerne und Politik

Viele Autofahrer ärgern sich, dass der Kraftstoff für beide Seiten der Grenze teilweise aus denselben Raffinerien kommt. Selbst wenn man die unterschiedlichen Steuern und Abgaben der beiden Länder herausrechnet, zahlen die Kunden in Deutschland netto trotzdem mehr. Ein Autofahrer meint: „Die Konzerne. Die stecken natürlich das meiste Geld ein.“ Eine Autofahrerin fordert mehr Einsatz von der Politik: „Da muss mehr von der Politik kommen, weil die Politik möchte ja, dass wir arbeiten gehen, damit wir Steuern zahlen. Und das können wir halt nur, wenn wir arbeiten gehen und mit günstigen Spritpreisen.“

Einige wünschen sich einen Preisdeckel wie in Ungarn, wo der Spritpreis auf maximal 1,65 Euro begrenzt ist. „Ein Deckel wie in Ungarn, ein Preisdeckel, wo einfach mal gesagt wird: ab 1,65 Euro, höher geht es nicht. Fertig“, sagt ein Autofahrer. Bei den bisher geplanten Maßnahmen der Bundesregierung, wie Preiserhöhungen nur noch einmal täglich zu erlauben, sind sich die Tanktouristen jedoch nicht einig.

Geteilte Meinungen zu politischen Maßnahmen

Eine Autofahrerin begrüßt die Idee: „Würde ich aber auch begrüßen, wenn sie es nur einmal am Tag ändern. So hat auch wirklich jeder mal die Chance, günstig tanken zu fahren. Gerade die, die jetzt arbeiten sind, haben halt nicht die Möglichkeit, die müssen dann zu den noch teureren Preisen fahren.“ Eine andere hält dagegen nichts davon: „Davon halte ich gar nichts. Was soll denn das bringen? Dann machen sie das mit einem Mal hoch. Das ist eigentlich Quatsch.“ Ein Autofahrer verweist auf Österreich, wo diese Regelung seit Jahren besteht: „Das machen die in Österreich schon seit Jahren, also da hat sich bewährt und warum soll es nicht bei uns auch so sein? Find ich gut.“ Ein anderer nennt es Blödsinn: „Also das ist einfach Blödsinn. Sicherlich werden die dann einmal am Tag den Preis immens erhöhen und dann vielleicht schrittweise nochmal runter, aber das können sie dann jeden Tag wieder machen. Das ist kompletter Blödsinn.“

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