Tempo 30 in Dessau-Roßlau: Einführung mit sofortigem Blitzer sorgt für Kontroverse
Nach jahrelangen Kämpfen der Anwohner, Demonstrationen und zahlreichen Artikeln in der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) wurde in der Ziebigker Straße in Dessau-Roßlau am Montag, dem 2. März 2026, überraschend Tempo 30 eingeführt. Die Freude war groß, doch sie währte nur kurz. Bereits am Dienstagmorgen, noch vor der offiziellen Bestätigung der neuen Geschwindigkeitsbegrenzung, stellte die Stadtverwaltung einen Blitzer in der Straße auf. Dieser Schritt löste sofortige Empörung aus und führte zu heftigen Diskussionen über Fairness und Verkehrspolitik.
Frust bei Autofahrern und politische Reaktionen
Uwe Lingner beschwerte sich in einer E-Mail an die MZ und bezeichnete die Aktion als „Abzocke“. Marcus Hillwig, stellvertretender FDP-Chef in Dessau-Roßlau und bekennender Kritiker der Tempo-30-Maßnahme, kommentierte sarkastisch: „Herzlichen Glückwunsch, das hat die Akzeptanz dieser Maßnahme erheblich gesteigert.“ Selbst der bündnisgrüne Stadtrat Christoph Kaßner äußerte auf der Facebook-Seite der Stadt Bedenken: „Direkt zu blitzen ist nicht fair. Da erwarte ich deutlich mehr Fingerspitzengefühl. Jeder Mensch ist ein Gewohnheitstier. Lasern, Fahrer anhalten und belehren wäre auch eine Möglichkeit gewesen.“
Stadtverwaltung rudert zurück und spricht von Probemessungen
Die Stadtverwaltung benötigte zwei Tage, um auf eine einfache Nachfrage der MZ zu antworten, und korrigierte ihre Position. Ralf Schüler aus der Pressestelle erklärte, dass es sich bei dem Blitzer-Einsatz am Dienstag ausdrücklich um Probemessungen gehandelt habe. Ziel sei es gewesen, „belastbare Erkenntnisse über das tatsächliche Geschwindigkeitsniveau zu gewinnen und die Wirksamkeit der Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sachlich zu bewerten.“ Auf Basis der ermittelten Daten werde nun geprüft, ob weiterer Handlungsbedarf bestehe. Schüler betonte: „Nach Abschluss der Probemessungen wird die Stadt künftig reguläre Geschwindigkeitsüberwachungen im Bereich der neuen Tempo-30-Regelung in der Ziebigker Straße durchführen.“
Forderungen nach ganzheitlichem Verkehrskonzept
Für Marcus Hillwig ist die Angelegenheit damit nicht abgeschlossen. Er fordert ein ganzheitliches Konzept zur Verkehrs- und Parksituation im gesamten Quartier, das alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. „Der neue Parkplatz am MVZ Standort Gropiusallee ist ein Anfang, der unbedingt weiter gedacht werden muss. Auch ein Einbahnstraßenring wäre sicherlich eine Überlegung wert“, so der FDP-Politiker. Auch die Bürgerinitiative aus Ziebigk hat bereits ein nächstes Ziel: eine eigene Tempo-Anzeige, um die Geschwindigkeitskontrolle transparenter zu gestalten.
Weitere Themen aus Dessau-Roßlau
Neben der Verkehrsdebatte gibt es weitere lokale Nachrichten. Der Musiker Frank Wedler, alias Hardy, kündigt sein neues Album „Für immer schön“ an, das am 1. Mai 2026 erscheinen soll. Es enthält 16 Titel, darunter Neuinterpretationen von Ost- und Westhits sowie zwei eigene Songs. Im Industriehafen Roßlau wurde zudem erstmals seit einem Jahr wieder ein Schiff mit Getreide beladen, was Hoffnung auf eine Belebung des Hafens weckt. Für die Jubiläumsausstellung des Dessauer Bauhauses wurde eine große Hainbuche als besonderes Exponat geliefert, und die Werkssiedlung in der Roßlauer Biethe könnte ein Referenzobjekt für die Bundesgartenschau 2035 werden.
Die Diskussion um Tempo 30 in der Ziebigker Straße zeigt, wie emotional Verkehrsthemen in Dessau-Roßlau aufgenommen werden. Während die Stadtverwaltung auf Sicherheit und Daten basierte Entscheidungen setzt, fordern Bürger und Politiker mehr Sensibilität und umfassende Lösungen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und ob ein Konsens gefunden werden kann.



