Ronaldinho wird 46: Der seltsame Abstieg eines Fußballgenies
Kaum ein Fußballer hat jemals so begeistert wie Ronaldinho. Seine Karriere war einzigartig, doch die Zeit danach ist ebenso speziell: Wilde PR-Auftritte, politische Fehltritte und eine Haftstrafe in Paraguay prägen das Bild des einstigen Weltstars. Heute feiert "Gaúcho" seinen 46. Geburtstag.
Vom Weltmeister zum Gefängnisinsassen
Für viele Fans weltweit gilt Ronaldo de Assis Moreira als der begnadetste Fußballer aller Zeiten. Als Weltfußballer 2004 und 2005, Champions-League-Sieger mit dem FC Barcelona 2006 und Weltmeister mit Brasilien 2002 hat Ronaldinho alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Er wurde zum Vorbild ganzer Generationen, von den Favelas in Rio de Janeiro bis zu den Ascheplätzen in Ostwestfalen.
Als Spieler schien Ronaldinho stets über den Dingen zu schweben. Der Ball gehorchte ihm ehrfürchtig, und seine Eleganz auf dem Platz war legendär. Doch der Glanz, der ihn umgab, ist seit seinem Karriereende 2018 verblasst. An diesem Samstag feiert der Brasilianer seinen 46. Geburtstag – begleitet von den Erinnerungen an seine Triumphe, aber auch von den Schatten seiner jüngeren Vergangenheit.
Skandale und juristische Probleme
Seit Ronaldinho im Sommer 2015 bei Fluminense seine Karriere beendete, machte er vor allem abseits des Fußballs negative Schlagzeilen. Bereits 2018 wurden ihm und seinem Bruder Roberto die Reisepässe entzogen, nachdem sie Umweltschäden in Höhe von 2,25 Millionen Euro verursacht und nicht bezahlt hatten. Sie hatten mitten in einem Naturschutzgebiet einen Steg zum Angeln errichtet.
Im März 2020 versuchte Ronaldinho dann mit einem gefälschten Reisepass nach Paraguay einzureisen, um eine Werbekampagne für ein Gesundheitsprojekt zu unterstützen. Der Schwindel flog auf, und Ronaldinho wurde wegen Dokumentenfälschung verhaftet. Er verbrachte seinen 40. Geburtstag im Gefängnis.
Nach gut einem Monat kaufte er sich für eine Kaution von knapp 1,6 Millionen Euro frei und verbrachte die restliche Haftzeit im Hausarrest – in einem Luxushotel für 350 Euro pro Nacht. Es war der Tiefpunkt seines Abstiegs.
Netzwerk aus Geldwäsche und Betrug
Im Zuge seiner Verhaftung wurden damals 15 weitere Personen festgenommen, die mit dem Brasilianer in Verbindung gestanden haben sollen. "Es handelt sich um eine schwere Straftat gegen die Interessen der Republik", sagte die damalige Richterin Clara Ruiz Díaz.
Es ging um ein Netzwerk aus Geldwäsche, Betrug und Drogenhandel. Die Hauptverdächtige, Dalia Lopez, soll insgesamt 400 Millionen US-Dollar umgesetzt haben. Sie war es auch, die dem Fußballer die gefälschten Pässe besorgt und ihn zur Werbekampagne eingeladen hatte. Lopez konnte flüchten und wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Ihre Beziehung zu Ronaldinho bleibt bis heute ungeklärt.
Politische Kontroversen und PR-Auftritte
Eingefädelt hatte den seltsamen Paraguay-Besuch wie so oft Ronaldinhos älterer Bruder Roberto, der auch sein Manager ist. Seit Jahren zerrt er den ehemaligen Weltfußballer durch Werbestudios weltweit. Kaum ein PR-Auftritt scheint zu obskur: Mal kickte Ronaldinho in Indien in einer Halle, dann nahm er in Saudi-Arabien an einer TV-Show teil oder bewarb seine eigene Krypto-Währung "18kRonaldinho".
In Brasilien bleibt Ronaldinho trotz aller Skandale ein verehrter Künstler am Ball. Doch selbst dieser Heiligenschein bekam Risse, als er 2018 begann, den als Rechtspopulist geltenden Jair Bolsonaro öffentlich zu unterstützen. Bolsonaro war von 2019 bis 2023 brasilianischer Präsident und hatte in der Bevölkerung viele Gegner. Viele Brasilianer nehmen Ronaldinho diese Unterstützung bis heute übel.
Unter der Bolsonaro-Regierung wurde Ronaldinho sogar zum "Sonderbotschafter" des Tourismusministeriums ernannt – ironischerweise zu einer Zeit, als er keinen Reisepass mehr besaß.
Rückkehr zum Fußball und neue Dokumentation
Natürlich kann Ronaldinho dem Fußball nie ganz den Rücken kehren. Seit kurzem steht er als Team-Manager in der US-Ausgabe der Kleinfeldliga "Baller League" an der Seitenlinie. Die erste Partie der neuen Saison gewannen seine "Midnight Wizards" am Donnerstag mit 3:0. Gelegentlich kickt der 46-Jährige auch noch im Legenden-Team des FC Barcelona mit, stets mit seinem charakteristischen Stirnband.
Am 16. April erscheint auf Netflix die Dokumentation "Ronaldinho Gaúcho". Die Beschreibung verspricht Einblicke in das Leben des Fußballgenies: "Van Gogh liebte Gelb nur, weil er das Weiß von R10’s Lächeln nicht kannte." Sein Lächeln hat Ronaldinho auch 2026 nicht verloren.
Fast täglich grinst er seine 78 Millionen Instagram-Follower an – in Werbeclips, auf Urlaubsfotos oder bei alten Highlights seiner Karriere. Als müsste er sie daran erinnern, welch genialer Fußballer er einst war. Die Eleganz war sein bester Mitspieler – und das verkauft sich bis heute.



