Mehrtägiger Verdi-Streik paralysiert Münchner Nahverkehr
Die Gewerkschaft Verdi hat erneut zu umfangreichen Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen, die München besonders hart treffen. Anders als zunächst angenommen, beschränkt sich der Arbeitskampf nicht nur auf einen Tag, sondern erstreckt sich über mehrere Tage mit unterschiedlichen Auswirkungen auf das Verkehrsnetz der Landeshauptstadt.
Streikphasen und betroffene Verkehrsmittel
Bereits am Dienstag, den 17. März 2026, begannen erste Streikmaßnahmen, die sich auf Mitarbeiter der MVG-Leitstelle und des Fahrgastservice konzentrierten. Die Münchner Verkehrsgesellschaft gab jedoch Entwarnung für den regulären Fahrbetrieb an diesem Tag: "Es ist davon auszugehen, dass Bus und Tram den ganzen Tag über wie gewohnt fahren. Auch die U-Bahn wird voraussichtlich den Betrieb am frühen Morgen aufnehmen", teilte die MVG mit, räumte aber mögliche Einschränkungen im Tagesverlauf ein.
Die Hauptstreikphase beginnt am Mittwoch, 18. März, um 11 Uhr und dauert bis Freitag, 20. März, 4 Uhr. In diesem Zeitraum sind alle Tarifbeschäftigten der Münchner Verkehrsgesellschaft und der Stadtwerke München im Ressort Mobilität zum Arbeitskampf aufgerufen. Davon betroffen sind:
- Das gesamte U-Bahn-Netz
- Alle Trambahn-Linien
- Buslinien bis zur Nummer 199
Nicht bestreikt werden dagegen die S-Bahn, Regionalzüge und MVV-Regionalbuslinien. Ein regulärer Betrieb soll voraussichtlich ab Betriebsbeginn am Freitag wieder möglich sein, "wenn der Streik beendet ist".
Notfahrplan und Alternativen für Pendler
Die MVG bereitet sich mit einem Notfahrplan auf die Streiktage vor. Die Priorität liegt auf einer möglichst gleichmäßigen Verteilung der einsatzbereiten Busse im Netz, um eine stadtweite Grundversorgung abzusichern. Je nach Personalverfügbarkeit sollen außerdem einzelne Tram- und U-Bahn-Linien ganz oder abschnittsweise in Betrieb gehen.
Besondere Berücksichtigung finden dabei die Tram-Linie 20 und die U-Bahn-Linie U6, die bereits bei früheren Streiktagen priorisiert wurden. Auch Großveranstaltungen wie das Champions-League-Spiel des FC Bayern am Mittwochabend in der Allianz Arena werden bei den Planungen berücksichtigt.
Die MVG empfiehlt Fahrgästen dringend, auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice einzuplanen, sofern dies möglich ist. Aktuelle Informationen zur Betriebslage finden sich unter "Aktuelle Störungen" auf mvg.de, in der MVGO-App sowie über Anzeigen und Ansagen in den Verkehrsmitteln.
Gewerkschaftliche Forderungen und Kundgebung
Haris Softic, Bezirksfachbereichssekretär bei Verdi München, bat um Verständnis bei den Fahrgästen: "Die Beschäftigten im ÖPNV sind selbst auf Busse und Bahnen angewiesen und können den Frust über einen erneuten Streik nachvollziehen. Um die Fahrgäste nicht unnötig hart zu treffen, beginnen wir mit den Streikmaßnahmen erst, nachdem der Großteil der Pendlerinnen und Schülerinnen am Mittwoch ihr Ziel erreicht haben."
Die Gewerkschaft begründet die erneuten Streikmaßnahmen mit ausbleibenden Fortschritten in den Tarifverhandlungen. "Die Beschäftigten dringend spürbare Verbesserungen sowohl beim Entgelt als auch bei den Arbeitsbedingungen benötigen", erklärte die Verdi-Verhandlungsführung. Man sehe keine andere Möglichkeit, als den Druck vor der nächsten Verhandlungsrunde am 23. März deutlich zu erhöhen.
Am Donnerstag, 19. März, um 13.30 Uhr plant Verdi eine Kundgebung am Marienplatz. Claudia Weber, Bezirksgeschäftsführerin von Verdi München, betonte: "Wer in der größten Stadt Bayerns auch in Zukunft einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr will, muss jetzt in das Personal investieren."
Bundesweite Streikaktionen und Verhandlungslage
Die aktuellen Warnstreiks beschränken sich nicht nur auf München, sondern erfassen mindestens sechs Bundesländer. Neben Bayern sind das Saarland, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg betroffen. In Nordrhein-Westfalen kommt es bereits am Dienstag zusätzlich zu Donnerstag zu Warnstreiks, in Sachsen wurde der Nahverkehr bereits am Montag bestreikt.
Christine Behle, Vize-Vorsitzende von Verdi, kritisierte die Verhandlungssituation: "In vielen Ländern stehen wir – im vierten Monat der Tarifrunde – leider immer noch am Anfang. Die Zeiten seien schwierig, heißt es von den Arbeitgebern. Allerdings können wir uns Zögerlichkeit am Verhandlungstisch nicht leisten, es müssen dringend Lösungen her."
In den Tarifverhandlungen geht es in den meisten Bundesländern um bessere Arbeitsbedingungen im Rahmen der sogenannten Manteltarifverträge, die Arbeitszeit, Pausenlänge und freie Zeit zwischen den Schichten regeln. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Verschont von Arbeitskämpfen blieb bisher vor allem Niedersachsen, wo bis Ende März eine Friedenspflicht gilt. Die aktuellen Streiks treffen damit weniger Bundesländer als bei vorigen Ausständen, bei denen teils über mehrere Tage hinweg der kommunale Nahverkehr nahezu bundesweit zum Erliegen kam.



