Ver.di-Warnstreiks legen den öffentlichen Nahverkehr lahm
Seit den frühen Morgenstunden des 27. Februar 2026 kommt der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland nahezu zum Erliegen. Die Gewerkschaft Ver.di hat in fast allen Bundesländern zu Warnstreiks aufgerufen, die je nach Betriebsstart in den Städten zu unterschiedlichen Zeiten begannen. Beim größten deutschen Nahverkehrsunternehmen, den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), wurde bereits um 3:00 Uhr die Arbeit niedergelegt.
Massive Einschränkungen für Pendler und Schüler
In den allermeisten Regionen fahren heute kaum Busse, Straßenbahnen oder U-Bahnen. Pendler sowie Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule müssen sich alternative Transportmöglichkeiten suchen, um rechtzeitig ans Ziel zu gelangen. Einige Nahverkehrsunternehmen haben Notfahrpläne aufgestellt, doch diese bieten nur eingeschränkte Verbindungen. Die Deutsche Bahn und damit auch die S-Bahnen sind von dem Ausstand nicht betroffen, da sich die Tarifrunde nicht auf den Konzern bezieht. In manchen Regionen hat die Bahn angekündigt, das S-Bahn-Angebot aufgrund der Warnstreiks auszuweiten.
Regionale Unterschiede und Dauer der Streiks
Die Warnstreiks dauern in den meisten Regionen bis in die Nacht auf Sonntag an. In Bremen werden Streiks bis in die Nacht auf Montag angekündigt, während sie in Mecklenburg-Vorpommern nur am Freitag stattfinden. In einem Landkreis in Sachsen-Anhalt erstrecken sich die Arbeitsniederlegungen von Donnerstag bis einschließlich Sonntag, also über vier Tage. In Niedersachsen gilt aufgrund einer Friedenspflicht bis Ende März kein Streikrecht im ÖPNV, sodass dort keine Einschränkungen zu erwarten sind. Ob es in Baden-Württemberg zu neuen Warnstreiks kommt, hat Ver.di zunächst offen gelassen und wird am Montag entscheiden.
Hintergrund: Tarifverhandlungen stocken
Die Warnstreiks sind die zweite groß angelegte Aktion in der laufenden ÖPNV-Tarifrunde. Bei der ersten Aktion am 2. Februar kam der Nahverkehr bereits in großen Teilen des Landes zum Erliegen. In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Ver.di deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehören kürzere Wochenarbeitszeiten und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn werden zusätzlich höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Kritik von Arbeitgebern und fehlende Einigung
Nach Ansicht von Ver.di kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Die Arbeitgeber beklagten ebenfalls fehlenden Fortschritt. Die Berliner Verkehrsbetriebe kritisierten, dass Ver.di bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft priorisiert. Kommunale Arbeitgeber und Nahverkehrsunternehmen reagierten mit Unverständnis auf die angekündigten Warnstreiks. Carola Freier, Verbandsgeschäftsführerin, bezeichnete die Streiks als Ergebnis einer von der Ver.di-Bundesleitung diktierten Dramaturgie, die zu Lasten der Fahrgäste gehe. Wann es zu Tarifeinigungen kommen könnte, ist derzeit völlig offen, da die Verhandlungen regional sehr unterschiedlich verlaufen und nirgends kurz vor einem Abschluss zu stehen scheinen.



