Langstreckenflüge: Der Alltag der Piloten über den Wolken
Haben Sie sich jemals gefragt, was Piloten während eines Langstreckenflugs eigentlich tun? Während Passagiere hinten im Flugzeug Filme schauen oder schlafen, herrscht im Cockpit ein durchdachter Arbeitsablauf mit klaren Regeln und notwendigen Pausen.
Strenge Arbeitszeitregeln bestimmen die Crew-Größe
Ob Piloten während des Flugs Pausen haben, hängt maßgeblich von der Fluglänge und der Größe der Besatzung ab. Je länger die Strecke, desto mehr Kollegen sind an Bord, was auf die strengen Arbeitszeitvorschriften in der Luftfahrt zurückzuführen ist. Lars Frontini, Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit, erklärt: „Die Verstärkung um einen weiteren Piloten ergibt sich meist dadurch, dass sich ein Flug aufgrund der Länge nicht innerhalb der zulässigen maximalen Flugdienstzeit durchführen lässt.“ Diese darf inklusive Vor- und Nacharbeiten elf Stunden nicht überschreiten. Ein zusätzlicher Pilot kann die Einsatzzeit verlängern, wobei auch Zeitverschiebungen eine Rolle spielen, da sie den Biorhythmus belasten.
Drei oder vier Piloten an Bord
Auf Langstreckenflügen sind in der Regel drei Piloten im Einsatz: ein Kapitän, ein Senior First Officer und ein Erster Offizier. Bei besonders langen Flügen können es sogar vier Piloten sein. Während der Reiseflugphase sitzen typischerweise zwei Piloten im Cockpit, wo sie folgende Aufgaben überwachen:
- Technische Systeme des Flugzeugs
- Treibstoffverbrauch und -reserven
- Wetterlage entlang der Flugroute
Der dritte Pilot hat in dieser Zeit Pause – außerhalb des Cockpits.
Pausenlösungen: Von Schlafräumen bis Business Class
Für die Pausen der Piloten gibt es verschiedene Lösungen. Manche Airlines verfügen über abgetrennte Schlafräume, sogenannte „Crew Rests“. Falls diese nicht vorhanden sind, wird ein Sitzplatz in der Business Class freigehalten und mit einem Vorhang abgeschirmt. Bei einem zehnstündigen Flug hat jeder Pilot etwa zweieinhalb bis drei Stunden Pause. Wer wann pausiert, regelt die Crew untereinander. Besonders auf Nachtflügen wird diese Zeit zum Schlafen genutzt, während auf Tagesflügen auch Entspannung oder das Schauen eines Films vorkommen kann.
Der Pilot als Manager des Flugs
Pilot Patrick Biedenkapp beschreibt den Alltag während eines Langstreckenflugs treffend: „Während des Langstreckenflugs bist du eigentlich nur noch der Manager des Flugs.“ Der Autopilot ist eingeschaltet, und der Pilot überwacht kontinuierlich Systeme, Route und Treibstoff. „Vom Pilotensitz klappe ich auch mal die Lehne zurück und mache die Augen zu“, so Biedenkapp. Dabei gilt jedoch immer die wichtige Regel: Ein Pilot ist jederzeit einsatzbereit, um im Notfall sofort reagieren zu können.
Diese Struktur gewährleistet nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Effizienz und Erholung der Besatzung auf langen Reisen über den Wolken.



