Wittenberge beschließt dauerhafte Tempo-30-Regelung für Lastkraftwagen
Nach fast anderthalb Jahren intensiver Diskussionen haben die Stadtverordneten in Wittenberge am Mittwochabend eine wegweisende Entscheidung getroffen. Mit einer deutlichen Mehrheit und lediglich vier Gegenstimmen wurde der lang erwartete Lärmaktionsplan verabschiedet. Dieser sieht vor, dass auf vier ausgewählten Straßenabschnitten in der Stadt die bestehende Tempo-30-Regelung für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dauerhaft erhalten bleibt.
Die betroffenen Straßenabschnitte im Detail
Konkret betrifft die neue Regelung zwei Hauptverkehrsadern und zwei Nebenstraßen in Wittenberge. Auf der Perleberger Straße gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen dem Stern und der Hartwigstraße, während auf der Lenzener Straße der Abschnitt vom Stern bis zur Dr.-Wilhelm-Külz-Straße betroffen ist. Zusätzlich werden die Mohren- und Müllerstraße in den Beschluss mit einbezogen, obwohl sie formal nicht Teil des ursprünglichen Lärmaktionsplans waren.
Bauamtsleiter Martin Hahn erläuterte, dass aktuelle Verkehrszählungen und Lärmmessungen ähnliche Auffälligkeiten wie die ursprünglichen Hochrechnungen zeigen. Diese Daten bildeten die Grundlage für die nun getroffene Entscheidung. Die Regelung war zunächst nur befristet bis Ende April gültig, parallel zur Sperrung einer Bahnstrecke und der A14-Baustelle, die zu erhöhtem Lkw-Verkehr führten.
Ein Kompromiss zwischen verschiedenen Interessen
Sören Herms, Vorsitzender der CDU-Fraktion, betonte in einem Statement, dass der gefundene Kompromiss verschiedene Interessen vereine. „Wir bringen das Ruhebedürfnis der Anwohner mit den berechtigten Anliegen von Unternehmern und Autofahrern unter einen Hut“, so Herms. Besonders Anwohner in der Nähe des Sterns an der Lenzener Straße hatten sich wiederholt über Lkw-Lärm beschwert.
Die Diskussionen reichen bis in den Herbst 2024 zurück, als ein erster Entwurf des Lärmaktionsplans Tempo 30 für alle Fahrzeuge auf größeren Abschnitten der Perleberger und Lenzener Straße vorsah. Diese umfassendere Regelung fand jedoch keine Mehrheit unter den Abgeordneten, die daraufhin neue Messdaten anforderten.
Überprüfung nach zwölf Monaten vereinbart
Ein wichtiger Aspekt des Beschlusses ist die von der CDU durchgesetzte Änderung: Nach Ablauf von zwölf Monaten soll verbindlich überprüft werden, ob die Tempobegrenzung tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigt. Diese Evaluationsklausel war entscheidend für die mehrheitliche Annahme der Vorlage.
Gegen den Lärmaktionsplan stimmten die beiden AfD-Abgeordneten Mareen Hamel und Silvio Overlach. Overlach hatte stattdessen Tempo 30 für alle Fahrzeuge in ganz Wittenberge zwischen 22 und 6 Uhr gefordert – ein Vorschlag, der keine Mehrheit fand.
Debatte über weitergehende Maßnahmen
Die Diskussion um den Lkw-Verkehr in Wittenberge ist damit jedoch nicht beendet. In der Einwohnerfragestunde forderte Peter Lüdke, ein langjähriger Experte aus Spedition und Logistik, die Stadt auf, ein Durchfahrtsverbot für Lkw in der Innenstadt zu prüfen – mit Ausnahme von Anliegern.
Lüdke argumentierte, dass Lastkraftwagen nicht nur Lärm verursachen, sondern auch durch Reifen- und Bremsabrieb für Staub- und Geräuschentwicklung sorgen. Zudem sei der Spritverbrauch in der Stadt höher als auf der alternativen Route über die B189. Eigentlich sollten Lkw die Ausfahrt zum Weisener Kreisel nutzen und durch Waldhaus in Richtung Gewerbegebiet Süd fahren, wo sich unter anderem der Elbeport befindet.
Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos) verwies darauf, dass es nicht einfach möglich sei, Lkw komplett aus der Innenstadt zu verbannen. Die nun gefundene Regelung sei das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung verschiedener Interessen und stellt einen wichtigen Schritt zur Reduzierung von Lärmbelästigungen dar, während gleichzeitig die wirtschaftlichen Belange der Region berücksichtigt werden.



