München nur auf Platz 28: Barrierefreier Wohnraum bleibt Mangelware in der Landeshauptstadt
München nur Platz 28 bei barrierefreiem Wohnraum

München nur auf Platz 28: Barrierefreier Wohnraum bleibt Mangelware in der Landeshauptstadt

Der demografische Wandel hat Deutschland fest im Griff und stellt insbesondere den Wohnungsmarkt vor immense Herausforderungen. Eine aktuelle Untersuchung des Seniorendienstes Eli die Fee offenbart nun, wie schlecht die bayerische Landeshauptstadt München im Vergleich zu anderen deutschen Städten bei der Verfügbarkeit barrierefreier Wohnungen abschneidet.

Die Studie im Detail: 100 Städte im Vergleich

Der Seniorendienst Eli die Fee hat das Angebot an barrierefreien Immobilien in den 100 größten deutschen Städten analysiert. Grundlage der Untersuchung bildeten 94.658 Online-Immobilieninserate für Wohnungen, die am 2. März 2026 öffentlich verfügbar waren. Als barrierefrei wurden dabei Wohnungen mit stufenlosem Zugang gewertet.

Im bundesweiten Durchschnitt verfügen lediglich 11,7 Prozent aller untersuchten Wohnungen über diese wichtige Eigenschaft. Die Spitzenreiter sind dabei Paderborn mit 30,1 Prozent, gefolgt von Gütersloh (27,2 Prozent) und Konstanz (25,6 Prozent).

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Münchens enttäuschende Platzierung

München, als drittgrößte Stadt Deutschlands, landet in diesem Ranking nur auf dem enttäuschenden 28. Platz. Die bayerische Landeshauptstadt kommt bei barrierefreien Mietwohnungen auf lediglich 10,1 Prozent und bei barrierefreien Eigentumswohnungen auf 19,3 Prozent.

Verglichen mit anderen bayerischen Städten schneidet München dabei besonders schlecht ab: Würzburg erreicht mit 21,5 Prozent barrierefreien Wohnungen immerhin einen Platz unter den Top Ten. Erlangen (Platz 19 mit 11,7 Prozent), Augsburg (Platz 25 mit 16 Prozent) und Regensburg (Platz 26 mit 15,8 Prozent) liegen ebenfalls vor der Landeshauptstadt.

Kauf-Objekte deutlich häufiger barrierefrei als Mietwohnungen

Ein auffälliges Ergebnis der Studie: In den meisten Städten sind barrierefreie Wohnungen deutlich häufiger im Kaufsegment zu finden als auf dem Mietmarkt. In 74 von 100 analysierten Städten ist der Anteil an barrierefreien Kauf-Objekten höher als am Mietmarkt.

Besonders extrem zeigt sich dieser Unterschied in Oberhausen: Während nur 4,9 Prozent der Mietwohnungen barrierefrei sind, gilt dies für 30,3 Prozent der Kauf-Objekte – eine Differenz von 24,4 Prozentpunkten. Ähnliche Diskrepanzen finden sich in Salzgitter (22,7 Prozentpunkte) und Gütersloh (20 Prozentpunkte).

München taucht in diesem Negativ-Ranking auf Platz 22 auf – mit einer Differenz von 9,2 Prozentpunkten zwischen barrierefreien Mietwohnungen und barrierefreien Kauf-Objekten. Unter den bayerischen Städten stehen hier nur Würzburg (Platz 11 mit 12,8 Prozent) und Regensburg (Platz 16 mit 11,2 Prozent) noch schlechter da.

Die demografische Herausforderung

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts (Stand Dezember 2025) verdeutlichen die Dringlichkeit des Themas: Heute ist bereits jede zweite Person in Deutschland älter als 45 Jahre und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Nach Angaben der Bundesregierung fehlen derzeit rund 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen.

Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte, betont: "Deutschland muss endlich barrierefreier werden, etwa im Gesundheitswesen, beim Wohnraum oder bei Kultur- und Freizeitangeboten. Das ist nicht nur menschenrechtlich, sondern auch wirtschaftlich erforderlich. Angesichts des demografischen Wandels können wir uns Barrieren nicht länger leisten."

Rechtliche Rahmenbedingungen und Reformbedarf

Seit dem 26. März 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft und sichert Menschen mit Behinderungen ihre Rechte zu. Doch bei der Umsetzung bleibt viel zu tun. Das Deutsche Institut für Menschenrechte fordert deshalb von Politik und Wirtschaft mehr Einsatz für Barrierefreiheit und Inklusion.

Besonders bei der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), die bis Sommer 2026 abgeschlossen werden soll, sieht das Institut dringenden Verbesserungsbedarf. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung vom Februar 2026 erkennt zwar erstmals an, dass auch private Unternehmen Barrierefreiheit gewährleisten müssen, bleibt aber nach Ansicht von Experten weit hinter den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention zurück.

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Die Schlusslichter des Rankings

Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach barrierefreiem Wohnraum in Gelsenkirchen, Chemnitz und Zwickau, wo jeweils nur 2,8 Prozent der angebotenen Wohnungen barrierefrei sind – der niedrigste Wert im bundesweiten Vergleich. Auch in Witten (3,3 Prozent), Kiel (3,6 Prozent) oder Recklinghausen (4,1 Prozent) ist das Angebot an Wohnraum mit stufenlosem Zugang besonders gering.

Die Studie zeigt deutlich: Während einige Städte wie Paderborn und Gütersloh vorbildliche Werte erreichen, hinken Metropolen wie München bei der Barrierefreiheit von Wohnraum deutlich hinterher – eine Situation, die angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels dringend verbessert werden muss.