Wohnungsbau in Thüringen: Abwärtstrend hält an
Wohnungsbau in Thüringen: Abwärtstrend hält an

Die Wohnungssuche in vielen Thüringer Städten bleibt angespannt. Laut dem Statistischen Landesamt werden im Freistaat immer weniger neue Wohnungen gebaut. Der Thüringer Wohnungswirtschaftsverband erwartet angesichts hoher Bau- und Kreditkosten sowie einer noch ausstehenden Förderrichtlinie des Infrastrukturministeriums keine Trendwende in diesem Jahr.

Deutlicher Rückgang bei Baugenehmigungen

Im ersten Quartal wurden landesweit Baugenehmigungen für 400 Neubauwohnungen und 91 Umbauvorhaben erteilt. Das entspricht einem Rückgang von fast einem Drittel (29,5 Prozent) im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen ist der Geschosswohnungsbau, in dem üblicherweise Miet- und Eigentumswohnungen entstehen: Hier gingen die Genehmigungen um fast 44 Prozent auf 211 Wohnungen zurück.

Kosten steigen weiter

Die Baukosten für neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern beliefen sich auf durchschnittlich 2.070 Euro pro Quadratmeter – ein Anstieg von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Regional wurden die meisten Neubauvorhaben im Eichsfeld (104 Genehmigungen) genehmigt, gefolgt von Erfurt (63) und Jena (48). In 13 Landkreisen und kreisfreien Städten gab es hingegen gar keine Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser.

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Förderrichtlinie lässt auf sich warten

Frank Emrich, Direktor des Thüringer Wohnungswirtschaftsverbandes, führt die Zurückhaltung der Wohnungsunternehmen vor allem auf die angekündigte Neuregelung des sozialen Wohnungsbaus zurück. Die Förderrichtlinie soll laut Infrastrukturministerium im Frühjahr veröffentlicht werden. Emrich befürchtet, dass in diesem Jahr kaum noch Projekte realisiert werden können: „Vielleicht gibt es eine Reihe von Bewilligungen bis Jahresende. Wir verschenken 2026 wahrscheinlich für die Wohnraumförderung, das ist ärgerlich“, sagte er kürzlich auf dem Verbandstag in Suhl.

Sozialwohnungsbestand sinkt

Die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen verwalten rund 261.000 Wohnungen – jeder zweite Mieter in Thüringen wohnt in einer solchen. Jährlich fallen im Durchschnitt 800 Wohnungen aus der Mietpreisbindung. Der Bestand an Sozialwohnungen wird vom Infrastrukturministerium mit rund 11.000 beziffert, während der Bedarf laut der Studie „Sozial-Wohn-Monitor 2026“ bei 20.000 Sozialwohnungen liegt.

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