Archäologische Sensation in Woldegk: Skelette und Artefakte enthüllen 800 Jahre Stadtgeschichte
Archäologie in Woldegk: Skelette und Artefakte aus 800 Jahren

Archäologische Sensation in Woldegk: Skelette und Artefakte enthüllen 800 Jahre Stadtgeschichte

Archäologen haben bei umfangreichen Ausgrabungen in Woldegk faszinierende Einblicke in die 800-jährige Stadtgeschichte gewonnen. Unter der Leitung von Dr. Heike Kennecke entdeckte das Team der Fachfirma Archäologische Dienste Nordost mittelalterliche Funde, Gebäudereste, Skelette und jahrhundertealte Alltagsgegenstände. Die Untersuchungen fanden im vergangenen Jahr auf einer Fläche von etwa 700 Quadratmetern zwischen Klosterstraße und Ernst-Thälmann-Straße statt.

Mittelalterliche Funde und rätselhafte Skelette

Zu den bedeutendsten Entdeckungen zählen zwei Skelette, die in einer Brandschuttgrube aus dem 16. Jahrhundert gefunden wurden. Eines davon gehörte zu einer erwachsenen Frau, die in seitlicher Position mit angewinkelten Beinen bestattet war. Das zweite Skelett wies keinen Schädel auf, was vermutlich auf spätere Bauarbeiten zurückzuführen ist. Die Archäologen vermuten, dass es sich um Opfer des Stadtbrandes von 1547 oder der Pest-Epidemie von 1549 handeln könnte. Diese Funde werfen ein neues Licht auf die turbulenten Zeiten in Woldegks Vergangenheit.

Darüber hinaus stieß das Team auf mittelalterliche Müllgruben, in denen Keramikmaterial wie ein Grapenfuß – Teil eines historischen Kochkessels – und ein doppelkonischer Spinnwirtel gefunden wurden. Gebäudereste aus dem 14. Jahrhundert, darunter ein Holzkeller, konnten durch Holzanalysen auf die Jahre um 1249 bis 1263 datiert werden. Weitere Artefakte wie Kugeltopfkeramik, eine Kanne und eine Scherbe niedersächsischen Steinzeugs bestätigen diese Datierung und bieten Einblicke in das tägliche Leben der damaligen Zeit.

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Historische Rätsel und widersprüchliche Pläne

Interessanterweise wurden bei den Ausgrabungen keine baulichen Überreste der mittelalterlichen Heiligegeistkirche gefunden, abgesehen von einem möglichen Formstein. Dies liegt vermutlich an den tiefgreifenden Neubebauungen im frühen 20. Jahrhundert. Ein Stadtplan aus dem Jahr 1580 zeigt die Kirche, ein Armenhaus, einen Kirchhof und eine geschlossene Häuserzeile, doch die archäologischen Befunde deuten auf Brandschuttschichten aus dieser Epoche hin. Heimatforscher Hermann Schüßler vermutet, dass es sich bei dem Plan um einen Bebauungsplan handelte, der nach dem Stadtbrand von 1547 erstellt wurde, aber aufgrund des Dreißigjährigen Krieges nie umgesetzt wurde.

Aus späteren Jahrhunderten fanden die Archäologen zahlreiche Artefakte, darunter Porzellanscherben, eine fast vollständige Weinflasche und Reliefkacheln aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ein besonders bemerkenswerter Fund war ein Eiskeller, der wahrscheinlich zu einem Schlachtbetrieb gehörte und sich in einem Gebäude entlang der Ernst-Thälmann-Straße befand. Diese Entdeckungen zeigen die kontinuierliche Nutzung des Areals über die Jahrhunderte hinweg.

Bedeutung der Funde für die Öffentlichkeit

Der archäologische Bericht von Dr. Heike Kennecke bietet eine umfassende Dokumentation dieser bedeutenden Entdeckungen. Anja Nachtigall, Geschäftsführerin der Woldegker Wohnungsverwaltung, schlägt vor, die Ergebnisse durch Schautafeln zu präsentieren, die in der Nähe des Ausgrabungsareals oder auf Grünflächen der neuen Wohnanlage aufgestellt werden könnten. Diese Tafeln könnten auch im Schulunterricht verwendet werden, um die lokale Geschichte lebendig zu vermitteln. Damit wird sichergestellt, dass diese wertvollen Zeugnisse der Woldegker Geschichte nicht in Vergessenheit geraten, sondern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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