Cottbus erreicht symbolträchtige Marke: 100. Stolperstein für NS-Opfer verlegt
In einer bewegenden Zeremonie hat die Stadt Cottbus einen bedeutenden Meilenstein im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erreicht. Mit der Verlegung des 100. Stolpersteins und drei weiterer Gedenksteine erinnert die Stadt nun offiziell an insgesamt 103 Menschen, die während der NS-Diktatur verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Der renommierte Künstler Gunter Demnig, der das europaweite Stolperstein-Projekt ins Leben gerufen hat, übernahm persönlich die feierliche Verlegung der Messingblöcke.
Der 100. Stolperstein: Ein Ingenieur und sein tragisches Schicksal
Der historisch bedeutsame 100. Stolperstein wurde vor dem Haus in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 13 in das Straßenpflaster eingelassen. Dieser Messingblock gedenkt des Ingenieurs Eugen Heilbrun, der seit dem Jahr 1902 in Cottbus lebte und nach den menschenverachtenden nationalsozialistischen Rassegesetzen als Jude klassifiziert wurde. Im Jahr 1941 wurde Heilbrun in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, wo er am 12. März 1942 unter grausamen Umständen ums Leben kam. Der Stolperstein holt seinen Namen symbolisch an den Ort zurück, an dem er einst freiwillig lebte, und bewahrt so sein Andenken vor dem Vergessen.
Drei weitere Steine für die Familie Kaczka
Unmittelbar im Anschluss wurden drei weitere Stolpersteine vor dem Wohnhaus in der Klosterstraße 25 verlegt, die an Mitglieder der Familie Kaczka erinnern. Diese Familie lebte dort seit dem Jahr 1919 mit insgesamt fünf Kindern. Die Eltern Fischel und Malka Ides Kaczka wurden bereits Ende Oktober 1938 an die polnische Grenze deportiert. Später führte ihr Leidensweg sie nach Poznan und ab 1940 in das berüchtigte Ghetto von Lodz, wo sie vermutlich ermordet wurden. Ihr Sohn Gustav befand sich laut städtischen Aufzeichnungen bereits vor 1938 aufgrund schwerer Depressionen in einer Berliner Heilanstalt. Im Jahr 1943 wurde auch er nach Auschwitz deportiert und dort brutal ermordet.
Stolpersteine als lebendige Erinnerungskultur
Die Stolpersteine dienen als einzigartige und berührende Form des Gedenkens an Menschen, die während der NS-Zeit verhaftet, deportiert und ermordet wurden. Jeder dieser Messingblöcke wird vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort der Opfer in das Pflaster eingelassen und trägt deren Namen, Geburts- und Todesdaten. Diese Initiative wird ausschließlich durch private Spenden finanziert, was die breite gesellschaftliche Unterstützung für dieses wichtige Erinnerungsprojekt unterstreicht. Die Steine laden Passanten zum Innehalten ein und machen die abstrakten Zahlen der NS-Opfer auf persönlicher Ebene greifbar.
Die Stadt Cottbus demonstriert mit dieser Verlegung nicht nur ihr anhaltendes Engagement für die Aufarbeitung der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, sondern setzt auch ein starkes Zeichen gegen das Vergessen. Jeder dieser 103 Stolpersteine erzählt eine individuelle Geschichte von Verlust, Unrecht und menschlichem Leid – und erinnert uns daran, dass hinter jeder Statistik einzigartige Menschenleben stehen, die es zu ehren gilt.



