Vom Senator zum Leuchtturmmann: Holger Matthäus' neues Leben in Rostock
Schlagzeilen, Scheinwerferlicht und plötzlich ist die politische Karriere vorbei. In unserer Serie „Was macht eigentlich …?“ beleuchten wir, was Rostocker Persönlichkeiten, die einst im Rampenlicht standen, heute tun. Dieses Mal steht Holger Matthäus im Fokus, der 14 Jahre lang als grüner Umwelt-, Bau- und Verkehrssenator die Geschicke der Hansestadt lenkte.
Ein Physiker mit Leidenschaft für die Umwelt
Auf seiner Visitenkarte steht es prägnant: „Physiker, Senator a.D. und Leuchtturmmann“. Der 62-jährige Holger Matthäus, der in Warnemünde aufwuchs und mit den Worten „Ich wurde mit Ostseewasser getauft“ seine Verbundenheit zur Region beschreibt, ist kein Mann mit Allüren. Nach seinem Physikstudium in Rostock arbeitete er zunächst als Konstrukteur im VEB Schiffselektronik Rostock. Nach der Wende baute er, als Sohn eines Ozeanografen, das Umweltamt und die Abteilung Immissionsschutz in der Rostocker Stadtverwaltung mit auf, später erweiterte um Umweltplanung und Klimaschutz.
Seine Amtszeit als Senator von 2008 bis 2022 war geprägt von seinem Wunsch, verschiedene Interessengruppen zu moderieren. „Ich durfte vermitteln zwischen dem, was die Bevölkerung braucht, was die Politik will und was die Verwaltung kann“, erklärt Matthäus. Dabei betont er, dass manche Prozesse einfach Zeit benötigen, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Nachhaltige Erfolge und ein Blick in die Zukunft
Zu seinen größten Errungenschaften zählt Matthäus alles, was die Energiewende in Rostock betrifft. „Die Umstellung auf regenerative Energie trägt meine Handschrift“, sagt er stolz. Konkret nennt er den Wärmespeicher, die Großwärmepumpen und die Klärschlammverbrennung, die nun in der Fernwärmeversorgung umgesetzt werden. Auch die renovierten Fußgängerzonen in Warnemünde und das ehemals erste Radschnellwegekonzept Deutschlands, das aktuell realisiert wird, gehen auf sein Engagement zurück.
Doch Holger Matthäus ist mehr als nur ein ehemaliger Politiker. Er sieht sich als jemanden, der „gern Menschen verbindet“ und Projekte für das Gemeinwohl gestaltet. Sein ehrenamtliches Engagement ist vielfältig: Bei der Rostocker Tafel hat er mitgearbeitet, im Forst- und Köhlerhof Wiethagen ist er im Vorstand tätig, und als stellvertretender Vorsitzender des Edvard-Munch-Haus e.V. in Warnemünde fördert er junge Künstler und stärkt die kulturellen Bindungen zwischen Norwegen und Deutschland. Zudem steht er dem DMB Mieterverein Rostock e.V. als Vorstand vor.
Der Leuchtturm als Symbol für menschliche Begegnungen
Eine besondere Bedeutung hat für ihn der Leuchtturm von Warnemünde, wie schon seine Visitenkarte verrät. Als Mitglied im Leuchtturmverein übernimmt Matthäus mehrmals wöchentlich Schichten, in denen er als „Leuchtturmmann“ Tickets an Touristen verkauft und mit ihnen plaudert. Dies passt perfekt zu seiner Philosophie: „Via Social Media verbreitet sich gerade ein Virus der Wut und des Hasses. Wenn die Menschen miteinander in der Realität zu tun haben, ist es viel friedlicher und harmonischer – deshalb ist das Engagement von und in Vereinen so wichtig.“
In seiner Freizeit verbringt der Ex-Senator viel Zeit mit Radfahren und Wandern, quer durch Mecklenburg. Er ist fasziniert von Karten und Reisebroschüren und hört gern Rockmusik der 70er-Jahre sowie entspannte Popmusik. Die konkrete Handwerksarbeit schätzt er im Kontrast zur manchmal abstrakten politischen Arbeit seiner Vergangenheit.
Immer noch mit Herz für Rostock
Doch wenn Holger Matthäus über Themen wie die drastisch gestiegenen Mieten in Rostock oder geplante Bauprojekte in Warnemünde spricht, wird deutlich, dass er die Anliegen, die ihn als Senator beschäftigt haben, weiterhin genau verfolgt und durchdenkt. Ohne ideologischen Eifer, der ihn nie antrieb, möchte er einfach, dass es den Menschen in Rostock gut geht und sie sich wohlfühlen. „Egal, ob es sich um Einheimische handelt, um Touristen oder um Migranten“, betont er abschließend.



