Interview mit Catrin Steiniger: „Das Problem ist das fehlende Angebot in den Kliniken“
Potsdam • Lesedauer: 3 min
Catrin Steiniger ist die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. (Foto: KVVB/Archiv)
Brandenburg verzeichnet die niedrigste Facharztdichte in ganz Deutschland: Auf 100.000 Einwohner kommen lediglich 200 Ärztinnen und Ärzte. Benjamin Lassiwe hat mit der Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Catrin Steiniger, über diese besorgniserregende Situation gesprochen.
Veröffentlicht: 24.03.2026, 09:59
Von: Benjamin Lassiwe
Frau Steiniger, wie ist die aktuelle Situation bei der ärztlichen Versorgung in Brandenburg?
In Brandenburg existiert ein grundsätzlich guter Versorgungsrahmen. Allerdings gibt es spezielle Fachrichtungen, für die an Brandenburger Kliniken kaum Facharztausbildungen angeboten werden können. Dies führt dazu, dass wir in bestimmten medizinischen Disziplinen relativ wenige junge Ärzte haben, die eine Facharztausbildung absolvieren. Parallel dazu gehen die Babyboomer-Generationen auch in unserem Berufsfeld in den Ruhestand.
Insgesamt verfügen wir mit 18 Millionen Behandlungsfällen pro Jahr und 580.000 Hausbesuchen über ein leistungsfähiges ambulantes System in Brandenburg. Die bestehenden Probleme sind jedoch lösbar, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.
Welche Fachrichtungen sind besonders von diesem Mangel betroffen?
Besonders betroffen sind die Dermatologie und die Augenheilkunde. Das Kernproblem liegt hier tatsächlich im fehlenden Ausbildungsangebot in den Kliniken. Die Nachwuchsgewinnung muss daher verstärkt in den ambulanten Praxen stattfinden. Dies fördern wir seitens der Kassenärztlichen Vereinigung mit beachtlichem Erfolg: Allein im Jahr 2025 haben wir dafür rund 18,8 Millionen Euro investiert.
Aber zu jeder Facharztausbildung gehört auch ein klinischer Teil in einem Krankenhaus...
Den klinischen Teil ihrer Ausbildung müssen angehende Fachärzte häufig in einem anderen Bundesland absolvieren, beispielsweise in Berlin oder in Sachsen-Anhalt. Dabei besteht die Gefahr, dass die jungen Mediziner nach ihrer Ausbildung dort bleiben und nicht nach Brandenburg zurückkehren.
Aus diesem Grund arbeiten wir mit speziellen Ausbildungsnetzwerken zusammen. Dort erhalten junge Ärzte einen detaillierten Ausbildungsplan, der genau festlegt, wann sie sich in welcher Ausbildungsphase befinden und wo sie eingesetzt werden. Insgesamt bilden wir derzeit 468 Fachärzte aus, doch in manchen Fachrichtungen reicht diese Zahl leider nicht aus.
Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang von der Politik?
Wir benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, die es auch in Zukunft ermöglichen, sich in einer Einzelpraxis niederzulassen. Zudem muss die sektorübergreifende Versorgung, also die Kombination aus ambulanten und stationären Angeboten, angemessen finanziert werden – und zwar so, dass nicht nur die stationären Anbieter davon profitieren.
Und was ist Ihr Rat für Patienten, die einen Facharzttermin suchen?
Die sicherste Methode, um zügig einen Termin zu erhalten, ist die Terminservice-Stelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Dort kann man anrufen und einen Termin vereinbaren. Alternativ kann man sich an seinen Hausarzt wenden, der einen Vermittlungsfall mit einem Dringlichkeitscode einleiten kann.
Allerdings sollte man wissen: Diese Wege sind primär für akute und dringende Krankheitsfälle reserviert. Dass Termine für Vorsorgeuntersuchungen, die nicht unbedingt heute oder morgen stattfinden müssen, auch mehrere Wochen oder Monate im Voraus vergeben werden, ist eine Realität, mit der man leben muss.
Wir danken für das aufschlussreiche Gespräch.



