Nordwestmecklenburg startet geteilte Famulatur gegen Ärztemangel im ländlichen Raum
Geteilte Famulatur gegen Ärztemangel in Nordwestmecklenburg

Nordwestmecklenburg kämpft mit innovativem Konzept gegen Ärztemangel

Der akute Ärztemangel hat längst auch den ländlichen Raum Nordwestmecklenburgs erreicht. Viele ältere Mediziner stehen in den kommenden Jahren vor dem Ruhestand, was die medizinische Versorgungssituation zusätzlich verschärft. Lange Wartezeiten bei Fachärzten und weite Wege zu Praxen oder Apotheken gehören für viele Bewohner bereits zum Alltag.

Besorgniserregende Bewertung der Gesundheitsversorgung

Beim großen Heimatcheck der regionalen Zeitung wurde die Gesundheitsversorgung in Nordwestmecklenburg von den Teilnehmern mit einem Durchschnittswert von nur 5,33 von 10 möglichen Punkten bewertet. Diese ernüchternde Einschätzung unterstreicht die Dringlichkeit des Problems. Patienten beklagen regelmäßig monatelange Wartezeiten für Facharzttermine und müssen teils weite Strecken zurücklegen, um medizinische Einrichtungen zu erreichen.

Geteilte Famulatur als innovativer Lösungsansatz

Das Gesundheitsamt Nordwestmecklenburg hat nun ein gezieltes Projekt gegen den Ärztemangel gestartet. Kernstück ist eine geteilte Famulatur für Medizinstudenten. Dabei absolvieren die angehenden Ärzte ihr verpflichtendes Praktikum nicht nur an einem Ort, sondern teilen ihre Zeit zwischen einer klassischen Arztpraxis oder Klinik und dem Gesundheitsamt auf.

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Saban Omer Oglou, Fachdienstleiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes im Landkreis Nordwestmecklenburg, erklärt das Konzept: „Bei einer geteilten Famulatur verbringen Studierende zwei Wochen in einer Arztpraxis oder Klinik und zwei weitere Wochen im Gesundheitsamt. Gerade im ländlichen Raum wollen wir damit zeigen, wie vielfältig medizinisches Arbeiten sein kann.“

Praktische Einblicke und frühzeitige Bindung

Die Studenten werden aktiv in den Arbeitsalltag eingebunden – von Patientengesprächen und Untersuchungen über Diagnostik und Behandlungsabläufe bis hin zu präventiven Aufgaben des Gesundheitsamtes. „Ziel ist es, medizinisches Wissen aus dem Studium in der Praxis anzuwenden und den Alltag eines Arztes in verschiedenen Einrichtungen kennenzulernen“, so Oglou.

Der Landkreis setzt auf frühzeitige Bindung: „Zahlreiche Studien belegen, wer die Region kennt und sich hier wohlfühlt, kommt später eher zurück, um eine Praxis zu übernehmen oder in einer Klinik zu arbeiten.“ Den Studierenden soll gezeigt werden, dass ländliche Medizin in Nordwestmecklenburg attraktiv und abwechslungsreich ist.

Umfassende Unterstützung für Nachwuchsmediziner

Die Perspektiven für junge Ärzte bewertet Oglou als ausgesprochen positiv. Neben dem hohen Bedarf durch den Generationswechsel in den Praxen nennt er weitere Vorteile: hohe Lebensqualität, moderate Lebenshaltungskosten, gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie umfangreiche Unterstützungsprogramme.

Der Landkreis Nordwestmecklenburg kooperiert dabei mit Kommunen, regionalen Kliniken, Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Gesundheitsnetzwerken. Das Welcome Service Center unterstützt angehende Ärzte beispielsweise bei der Wohnungssuche oder der Suche nach Kindergartenplätzen. Diese ganzheitliche Herangehensweise soll Nordwestmecklenburg als attraktiven Standort für Mediziner etablieren und langfristig die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern.

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