Hausärztemangel in Niedersachsen: Hunderte Praxen unbesetzt – Aktionsplan zeigt erste Wirkung
Hausärztemangel in Niedersachsen: Hunderte Praxen unbesetzt

Hausärztemangel in Niedersachsen bleibt akut – ländliche Regionen besonders betroffen

Der Hausärztemangel in Niedersachsen hält weiter an. Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) waren im Dezember vergangenen Jahres 447 Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte im Bundesland unbesetzt. Diese Zahl bewegt sich auf dem Niveau der Vorjahre, zeigt jedoch keine Entspannung der kritischen Situation.

Regionale Unterschiede bei der Versorgung

Besonders dramatisch stellt sich die Lage in ländlichen Regionen Niedersachsens dar. Im Nordwesten und Osten des Bundeslandes fehlen überdurchschnittlich viele Hausärzte. Die Städte und Gemeinden mit den meisten unbesetzten Hausarztsitzen sind:

  • Delmenhorst (19,5)
  • Salzgitter (19,5)
  • Papenburg (16)
  • Wolfsburg (16)
  • Cloppenburg (15,5)
  • Syke (14)

Gemessen an der Einwohnerzahl ist die hausärztliche Versorgung in und um Sulingen im Landkreis Diepholz mit einem Versorgungsgrad von nur 60 Prozent am geringsten. Auch im Umland von Bremerhaven (70 Prozent) sowie in den Regionen um Munster, Stolzenau und Wolfsburg (jeweils etwa 80 Prozent) besteht erheblicher Nachholbedarf.

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Städtische Zentren besser versorgt

Im Kontrast dazu stehen größere Städte wie Hannover, Hildesheim, Oldenburg und Lüneburg, wo ausreichend Hausärzte praktizieren. Insgesamt waren zuletzt 34 von 105 Planungsbereichen in Niedersachsen für weitere Zulassungen gesperrt, da dort der Bedarf bereits gedeckt ist.

Ein Sprecher der KVN erklärt die Diskrepanz zwischen Stadt und Land: „Junge Ärztinnen und Ärzte zieht es oft in städtische Zentren, wo es eine bessere Infrastruktur, attraktivere Arbeitsbedingungen und ein vielfältigeres Kulturangebot gibt.“

Demografische Entwicklung verschärft das Problem

Derzeit arbeiten insgesamt 5.241 Hausärztinnen und Hausärzte in Niedersachsen. Doch die Situation droht sich weiter zu verschärfen: Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Hausärzte liegt bei 55,6 Jahren. Nach Prognosen der KVN werden bis 2035 etwa 1.300 Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen, was den Mangel zusätzlich verschärfen würde.

Landesregierung setzt auf Zehn-Punkte-Plan

Seit Jahren beschäftigt der Ärztemangel die Landespolitik in Niedersachsen. Vor etwa einem Jahr legte die Landesregierung einen Zehn-Punkte-Plan vor, um mehr Hausärzte für das Bundesland zu gewinnen. Der Aktionsplan umfasst Maßnahmen in den Bereichen Studium und Forschung, Weiterbildung und Versorgung.

Das Gesundheitsministerium zeigt sich zufrieden mit der bisherigen Umsetzung: „Die im vergangenen Jahr angestoßenen Maßnahmen des 10-Punkte-Aktionsplans sind sehr gut angenommen worden, auch für die Landarztquote besteht weiterhin hohes Interesse.“ Erste Verbesserungen seien bereits „im Kleinen“ spürbar.

Erste Erfolge und langfristige Perspektiven

Zu den positiven Entwicklungen zählen laut Ministerium viele Interessenten für einen Quereinstieg in die Allgemeinmedizin sowie zahlreiche Bewerbungen für Förderungen im Praktischen Jahr. Allerdings werden viele Maßnahmen erst langfristig Wirkung zeigen. Die ersten Studierenden der Landarztquote werden beispielsweise erst 2030 ihr Studium abschließen.

Thorsten Schmidt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVN, bewertet die Fortschritte zurückhaltend: „Die Arbeit an dem Aktionsplan kommt gut voran. Aber eins ist sicher: Um die Pläne umzusetzen, brauchen wir den Gesetzgeber auf Bundesebene und da gibt es nicht so viel Bewegung.“

Notwendige Veränderungen im Gesundheitssystem

Schmidt fordert konsequente Veränderungen: „Die Politik muss konsequent mehr Patientensteuerung umsetzen. Dass Patientinnen und Patienten alles und das jederzeit an Versorgung in Anspruch nehmen könnten, wird perspektivisch nicht mehr leistbar sein. Dazu fehlt die Arztzeit.“

Der Hausärztemangel in Niedersachsen bleibt somit eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitswesen im Bundesland. Während erste Maßnahmen des Aktionsplans Früchte tragen, wird es noch Jahre dauern, bis sich die Versorgungslücke in den ländlichen Regionen spürbar schließt.

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