Klinik am Bodensee schließt nach Skandal um Suizid einer Ärztin endgültig
Klinik am Bodensee schließt nach Ärztin-Suizid

Klinik am Bodensee schließt nach Skandal um Suizid einer Ärztin endgültig

Der Medizin Campus Bodensee (MCB) am Standort Tettnang in Baden-Württemberg wird zum 31. Mai 2026 endgültig geschlossen. Diese Entscheidung folgt auf einen tiefgreifenden Skandal, der durch den Suizid der Oberärztin Elke K. im Dezember 2023 ausgelöst wurde. Die 46-Jährige hatte sich das Leben genommen, nachdem sie aufgrund ihrer Kritik an den Praktiken der Klinik gekündigt worden war.

Vertrauensverlust nach Vorwürfen gegen Chefarzt

Die verstorbene Ärztin hatte dem Chefarzt vorgeworfen, den Profit über das Wohl der Patienten zu stellen. Sie behauptete, dass einige Herz-Patienten Operationen deshalb nicht überlebt hätten. Obwohl der Chefarzt diese Vorwürfe bestritt, war das Vertrauen der Patienten nachhaltig zerstört. Die Stadt Friedrichshafen räumte in einer offiziellen Ratsvorlage ein, dass die Patientenzahlen aufgrund der Schlagzeilen über fehlerhafte Behandlungen, Mobbing und möglichen Abrechnungsbetrug dramatisch eingebrochen seien.

Der zunächst im Amt verbliebene Chefarzt wurde ein halbes Jahr später doch entlassen. Doch die Reputation der Klinik war bereits irreparabel beschädigt. Detlef Kröger, der Anwalt der verstorbenen Ärztin, kommentierte: „Das Misstrauen ist geblieben. Man hätte reinen Tisch machen müssen, stattdessen haben die da weiter herumgemauschelt.“

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Insolvenz und finanzielle Konsequenzen

Die wirtschaftlichen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Im vergangenen Jahr traf die Insolvenz bereits das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Krankenhaus Friedrichshafen, das MVZ Tettnang und dessen Zweigpraxis in Kressbronn. Zuvor hatte auch die Zeppelin-Stiftung ihre finanzielle Unterstützung reduziert.

In einer internen MCB-Mitteilung vom vergangenen Dienstag heißt es bezüglich des Standorts Tettnang: „(...) an der endgültigen Schließung zum 31. Mai 2026 führt leider kein Weg vorbei.“ Zwei verbliebene Investoren im Insolvenz-Bieterverfahren sahen keine Zukunft für den Standort als vollwertiges Krankenhaus. Stattdessen wird möglicherweise ein ambulantes Operationszentrum in Betracht gezogen.

Personalnot und regionale Versorgungsprobleme

Die Schließung betrifft 325 Mitarbeiter, und die Personalnot könnte den Zeitpunkt sogar vorverlegen. Geschäftsführer Jan-Ove Faust warnte: „Sollte in den kommenden Wochen nicht mehr ausreichend Personal in der Klinik Tettnang im Dienst sein, müssen wir die Schließung möglicherweise vorziehen.“ Die Mitarbeiter seien bereits über die prekäre Finanzlage informiert worden, und Gespräche über einen Sozialplan mit dem Betriebsrat werden vorbereitet.

Bereits im Januar wurde die Innere Medizin geschlossen, und mittlerweile gibt es auch keine Geburtsstation mehr in Tettnang. Das Aus der Klinik trifft nicht nur die Belegschaft, sondern gefährdet auch die medizinische Versorgung der gesamten Region.

Ungewisse Zukunft des MCB-Verbunds

Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des gesamten MCB-Verbunds soll erst Mitte Mai fallen. Ob das Krankenhaus in Friedrichshafen weitergeführt wird, hängt auch von gesetzlichen Vorgaben zur regionalen klinischen Versorgung ab. MCB-Sprecherin Suann Ganzert äußerte sich auf Nachfrage zurückhaltend: „Detaillierte Fragen können wir im laufenden Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung und Markterkundungsverfahren nicht beantworten.“

Der Skandal um den Suizid der Ärztin Elke K. hat somit nicht nur tragische persönliche Konsequenzen, sondern auch weitreichende strukturelle Auswirkungen auf das Gesundheitswesen am Bodensee.

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