Klinik-Fehler bei Geburt: Kind sitzt im Rollstuhl – Familie fordert Millionen-Entschädigung
Klinik-Fehler bei Geburt: Kind im Rollstuhl – Millionen-Forderung

Schwerer Klinik-Fehler verändert Familienleben für immer

Ein medizinischer Fehler bei der Geburt hat das Leben einer Familie aus der Mecklenburgischen Seenplatte unwiderruflich verändert. Am Landgericht Neubrandenburg verhandelt die Familie aktuell gegen die Versicherung des verantwortlichen Krankenhauses – der Streitwert beläuft sich auf mehrere Millionen Euro.

„Es wäre eine normale Geburt gewesen“

„Es wäre eine normale Geburt gewesen, aber es kam zu einem schweren Sauerstoffmangel“, schildert die Mutter vor Gericht. Ihre heute sechsjährige Tochter musste damals reanimiert werden und sitzt seitdem im Rollstuhl. Zwei unabhängige medizinische Gutachten bestätigen laut Nordkurier-Berichten, dass die Klinik im Osten Mecklenburg-Vorpommerns „grob fahrlässig“ gehandelt habe.

Die Konsequenzen sind gravierend: Das schwerbehinderte Mädchen benötigt rund um die Uhr Betreuung, leidet unter unvorhersehbaren epileptischen Anfällen, kann nicht sprechen und muss künstlich ernährt werden. Trotz dieser Einschränkungen hat das Kind für jeden freundlichen Gruß ein bezauberndes Lächeln parat – auch im Gerichtssaal für Richter Christian Weidlich und seine Kollegen.

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Fünf Millionen Euro im Raum

Die Kammer des Landgerichts hat die Gutachten intensiv ausgewertet und einen Vergleichsvorschlag unterbreitet. „Wenn wir einen Vorschlag machen sollen, wären wir bei etwa fünf Millionen Euro, die noch zu zahlen wären“, erklärt Richter Weidlich. Diese Summe basiert auf Hochrechnungen des lebenslangen Pflegeaufwands bei einer geschätzten Lebenserwartung von etwa 40 Jahren.

Ein solcher Vergleich hätte einen entscheidenden Vorteil: Mit einer einmaligen Zahlung dieser Höhe – zusätzlich zu den bereits überwiesenen 500.000 Euro Schmerzensgeld – könnten alle Ansprüche der Familie an Klinik und Versicherung als „abgegolten“ vereinbart werden.

Versicherung bietet deutlich weniger

Die Anwältin der Klinikversicherung zeigt sich von der Forderung überrascht. Fünf Millionen Euro wären die höchste Schadensersatzsumme bei Medizinstreits seit Jahren am Landgericht Neubrandenburg. Die Haftpflichtversicherung der Klinik bevorzugt zwar grundsätzlich Einmalzahlungen gegenüber langwierigen, ungewissen Rentenzahlungen, kann jedoch maximal zwei Millionen Euro anbieten – inklusive des bereits gezahlten Schmerzensgeldes.

Familie im täglichen Kampf

Die Familie steht vor enormen Herausforderungen. „Wir wissen wegen der vielen Anträge und Probleme bald nicht mehr ein und aus“, schildert die Mutter, die selbst als Krankenschwester arbeitet. Der Vater musste aus gesundheitlichen Gründen seine Berufstätigkeit aufgeben.

Aufgrund von Platzmangel ist die Familie kürzlich von ihrer Wohnung in ein Haus in einem Dorf umgezogen, um allen drei Kindern gerecht zu werden. Das Mädchen im Rollstuhl versteht sich trotz der Einschränkungen ausgezeichnet mit seinen Geschwistern und ist der erklärte Liebling des Großvaters.

Erst nach langem Kampf erhielt die Familie vom Sozialamt eine Eins-zu-eins-Betreuung für sechs Stunden täglich genehmigt. „Wir wollen auf jeden Fall, dass unser Kind auch abgesichert ist, wenn wir mal nicht mehr da sind“, betont der Vater vor Gericht.

Gericht drängt auf Vergleich – Versicherung widerspricht

Das Landgericht regte einen Vergleich an: Die Versicherer des Krankenhauses sollten fünf Millionen Euro zahlen, wovon 300.000 Euro auf das Schmerzensgeld entfallen würden. Damit wären alle Ansprüche endgültig beglichen.

Die klagende Familie reagierte zunächst optimistisch auf diesen Vorschlag. „Damit wären ihnen zwar nicht alle Sorgen genommen, aber sie hätten eine Front weniger, an der sie kämpfen müssten“, kommentierte Richter Weidlich.

Doch die Kanzlei der beklagten Klinikversicherung hat inzwischen diesem Vergleich widersprochen. Das Landgericht muss nun Ende März eine Entscheidung fällen.

Alltag zwischen Hoffnung und Herausforderungen

In der Zwischenzeit versucht die Familie, ihr neues Haus behindertengerecht einzurichten und bewältigt täglich neue Herausforderungen bei der Betreuung der Sechsjährigen. Trotz aller Belastungen gibt das Mädchen der Familie auch Kraft. „Sie gibt uns aber auch viel Kraft“, sagt die Mutter beim Verlassen des Gerichtsgebäudes.

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Die Familie hofft auf eine gerechte Entschädigung, die ihrem Kind ein lebenslanges Auskommen sichert – unabhängig davon, ob die Eltern irgendwann nicht mehr für sie sorgen können.