Thüringer Apothekerkammer warnt vor Folgen der Rückkehrdebatte für syrische Fachkräfte
Die Diskussion über eine mögliche Rückkehr syrischer Geflüchteter in ihr Heimatland sorgt im Thüringer Gesundheitswesen für erhebliche Besorgnis. Die Landesapothekerkammer des Bundeslandes betont eindringlich die zentrale Bedeutung syrischer Pharmazeuten für die flächendeckende Arzneimittelversorgung, insbesondere in strukturschwachen Regionen.
Versorgungslücken drohen bei Rückkehr syrischer Apotheker
„Wenn sich Kolleginnen und Kollegen für eine Rückkehr entscheiden, verdient das großen Respekt“, erklärt Danny Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen. „Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, dass jede einzelne Rückkehr für unser Versorgungssystem eine spürbare menschliche und fachliche Lücke bedeutet.“ Bereits jetzt stehe die Versorgungsstruktur im ländlichen Raum unter erheblichem Druck.
Seit dem Jahr 2010 haben 27 Orte in Thüringen ihre Apotheke verloren, häufig wegen fehlender Nachfolger. Andererseits haben Pharmazeuten mit internationalem Hintergrund durch die Übernahme von Apotheken maßgeblich zur Stabilisierung der Versorgung beigetragen. Neidel zufolge sind derzeit 57 in Thüringen lebende Apotheker in Syrien geboren, was etwa drei Prozent der hiesigen Pharmazeuten entspricht.
Ärztekammer unterstützt die Kritik
Bereits die Landesärztekammer hatte die Rückkehrdebatte mit Blick auf die vielen in Thüringen tätigen syrischen Mediziner kritisiert. Zum Jahreswechsel arbeiteten in Thüringen 372 syrische Ärzte, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitssystem leisten. Bei zahlreichen bereits in Apotheken tätigen Pharmazeuten und pharmazeutisch-technischem Personal laufen derzeit noch die beruflichen Anerkennungsverfahren.
Die politische Debatte wurde durch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestoßen, der nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa als Zielmarke nannte, dass in den nächsten drei Jahren 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Im Anschluss gab es jedoch widersprüchliche Angaben dazu, ob Merz oder al-Scharaa diese Zahl im Gespräch als konkretes Ziel genannt hatten.
Die Thüringer Apothekerkammer betont abschließend, dass ohne die Fachkräfte aus Syrien in mancher Apotheke kaum noch ein regulärer Betrieb möglich wäre. Die Diskussion über Rückkehr müsse daher die praktischen Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung in den ländlichen Regionen Thüringens berücksichtigen.



