Ärztemangel in Wesenberg spitzt sich dramatisch zu
In der idyllischen Urlaubsstadt Wesenberg verschärft sich die Lage bei der medizinischen Grundversorgung erheblich. Demnächst schließt die Hausarztpraxis in der Lindenstraße, sodass der Ort nur noch über einen einzigen Hausarzt verfügen wird. Für die Patienten bedeutet dies eine weitere Verschlechterung der ohnehin schon angespannten Versorgungssituation.
Bürgermeister warnt vor kritischen Folgen
Bürgermeister Steffen Rißmann (CDU) bestätigte dem Nordkurier, dass das Thema bereits Stadtgespräch sei. Bisher konnte kein Nachfolger für die schließende Praxis gefunden werden, was die Situation zusätzlich verkompliziert. Rißmann führte bereits Gespräche mit dem verbliebenen Hausarzt und der örtlichen Apothekerin, da der Wegfall einer Hausärztin auch Umsatzeinbußen für die Apotheke nach sich zieht.
Der noch praktizierende Hausarzt stößt laut Rißmann an seine Kapazitätsgrenzen und müsste in Zukunft priorisieren, welche Patienten er noch behandeln kann. Mobilität wird zum entscheidenden Faktor: Wer noch fahren kann, muss im Notfall nach Neustrelitz oder Mirow ausweichen. Für immobile Patienten, darunter Bewohner des örtlichen Pflegeheims, wird die Suche nach sozialer Absicherung dringend notwendig.
Kassenärztliche Vereinigung bietet Unterstützung an
Die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) setzt auf ein umfangreiches Förderpaket, um Ärzte in unterversorgte Regionen wie Wesenberg zu locken. Sprecherin Grit Büttner erläuterte die Maßnahmen:
- Förderung beginnt bereits im Studium und setzt sich in der Facharztweiterbildung fort
- Unterstützung bei der Nachbesetzung von Praxen, Niederlassung oder Anstellung von Ärzten
- Finanzielle Zuschüsse: bis zu 2.500 Euro für den privaten Umzug und bis zu 10.000 Euro für den Praxistransfer
Zudem betreibt die KVMV eine Praxisbörse, die über ärztliche Tätigkeitsmöglichkeiten in ganz Mecklenburg-Vorpommern informiert. In Gesprächen mit interessierten Ärzten werden gezielt Regionen mit Versorgungsengpässen angesprochen. Die endgültige Entscheidung über den Niederlassungsort liegt jedoch bei den Ärzten selbst, betonte Büttner. Daher seien die Kommunen gefordert, attraktive Angebote für Ärzte und ihre Familien zu schaffen.
Zukunft der Gesundheitsversorgung ungewiss
Die Hausärztin, die ihre Praxis in Wesenberg aufgibt, äußerte sich auf Nachfrage des Nordkuriers nicht zu den Gründen. Die oberste Priorität bleibt die schnelle Suche nach einem Nachfolger, da die Praxis nicht unbegrenzt offengehalten werden kann. Die Situation verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen im ländlichen Raum, wo der Ärztemangel zunehmend zu einer Gefahr für die flächendeckende Gesundheitsversorgung wird.



