Augenarzt erklärt: Warum die Augen im Winter besonders trocken werden und was wirklich hilft
Gereizte, gerötete Augen sind im Winter für viele Menschen ein vertrautes Problem. Doch warum spielen die Augen gerade in der kalten Jahreszeit so häufig verrückt? Ein Augenarzt klärt über die Ursachen auf und verrät, welche Maßnahmen wirklich Linderung bringen können.
Typische Symptome trockener Augen erkennen
„Die Augen jucken oder brennen, sind gerötet und gereizt – manchmal kommt sogar eine vorübergehende Sehverschlechterung hinzu“, beschreibt Augenarzt Seleman Bedar die charakteristischen Anzeichen. Paradoxerweise können trockene Augen auch vermehrt tränen, was Betroffene oft irritiert. Doch genau das ist ein Hinweis auf ein gestörtes Gleichgewicht des Tränenfilms.
Der Tränenfilm: Eine komplexe Schutzschicht
Diese hauchdünne Feuchtigkeitsschicht befeuchtet und schützt Horn- und Bindehaut des Auges. Durch regelmäßiges Blinzeln wird sie gleichmäßig verteilt. Der Tränenfilm besteht jedoch nicht nur aus Wasser, sondern enthält auch Fette, die eine zu schnelle Verdunstung verhindern sollen. Wenn diese sensible Zusammensetzung gestört ist, kann selbst bei ausreichender Tränenproduktion ein Trockenheitsgefühl entstehen.
Risikogruppen für trockene Augen
Bestimmte Personengruppen sind besonders anfällig für dieses Problem:
- Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Schilddrüsenproblemen
- Ältere Personen, bei denen die Tränenproduktion natürlicherweise nachlässt
- Frauen, besonders während der Wechseljahre aufgrund hormoneller Veränderungen
- Langjährige Kontaktlinsenträger, deren Tränenfilm durch die Linsen geschwächt werden kann
Warum der Winter das Problem verschärft
Augenarzt Seleman Bedar identifiziert drei Hauptfaktoren, die im Winter besonders belastend wirken:
- Trockene Heizungsluft in Innenräumen beschleunigt die Verdunstung der Tränenflüssigkeit
- Zugluft und Temperaturwechsel zwischen kalter Außenluft und beheizten Räumen strapazieren den Tränenfilm
- Erhöhter Bildschirmkonsum führt zu seltenerem, unbewusstem Blinzeln und damit zu schlechterer Benetzung der Augenoberfläche
Praktische Maßnahmen für den Alltag
Bevor man zu Medikamenten greift, können bereits einfache Verhaltensänderungen helfen:
- Regelmäßige, bewusste Blinzelpausen bei Bildschirmarbeit einlegen
- Für ausreichende Luftfeuchtigkeit durch Lüften oder Luftbefeuchter sorgen
- Draußen eine Brille tragen, um die Augen vor Zugluft zu schützen
Wenn Hausmittel nicht ausreichen: Tränenersatzmittel
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, bieten frei verkäufliche Augentropfen – sogenannte Tränenersatzmittel – eine wirksame Unterstützung. „Diese Präparate ergänzen oder stabilisieren den natürlichen Tränenfilm“, erklärt Bedar. Die Anwendung erfolgt nach Bedarf bei auftretenden Beschwerden.
Da sich die Zusammensetzung der verschiedenen Präparate unterscheidet – manche stabilisieren eher die fettige, andere die wässrige Komponente des Tränenfilms – kann etwas Ausprobieren notwendig sein. „Bei einer augenärztlichen Untersuchung lässt sich häufig erkennen, welche Komponente des Tränenfilms gestört ist“, so der Experte.
Wann professionelle Hilfe notwendig wird
Wer sich durch trockene Augen im Alltag stark eingeschränkt fühlt, sollte keine Scheu haben, eine Augenarztpraxis aufzusuchen. In seltenen Fällen können verschreibungspflichtige Tropfen notwendig werden, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern und die Augengesundheit zu erhalten.



