Magnesium-Präparate: Wann die Extra-Portion wirklich sinnvoll ist
Brausetabletten, Kapseln oder Granulat – in den Regalen deutscher Apotheken und Drogerien finden sich zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium. Viele Verbraucher schwören auf ihre tägliche Extra-Portion des Mineralstoffs. Doch Experten wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geben Entwarnung: In den meisten Fällen sind solche Präparate überflüssig und können bei Überdosierung sogar unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen.
Magnesiummangel ist bei normaler Ernährung selten
Unbestritten ist, dass unser Körper Magnesium benötigt. Das Mineral ist essenziell für die Funktion von Nerven und Muskeln, unterstützt den Energiestoffwechsel und trägt zur Knochengesundheit bei. Die gute Nachricht: Bei üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten kommt ein Magnesiummangel nur selten vor, wie die DGE betont. Unser Körper wird in der Regel ausreichend über die tägliche Nahrung versorgt.
Zu den natürlichen Magnesiumlieferanten zählen:
- Vollkornprodukte wie Haferflocken und Vollkornbrot
- Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen
- Grünes Blattgemüse wie Spinat und Mangold
- Nüsse und Samen, insbesondere Mandeln und Sonnenblumenkerne
- Fisch und Meeresfrüchte
- Auch tierische Produkte wie Milch und Fleisch enthalten Magnesium
Wann Magnesium-Präparate tatsächlich notwendig sind
In bestimmten Situationen kann der Körper jedoch Schwierigkeiten haben, Magnesium aus der Nahrung aufzunehmen oder scheidet es übermäßig aus. Laut der Apothekerkammer Niedersachsen besteht ein erhöhtes Risiko für einen Mangel unter folgenden Umständen:
- Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Während der Einnahme entwässernder Medikamente (Diuretika), etwa bei Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen
- Bei Verwendung von Protonenpumpenhemmern gegen Sodbrennen (z.B. Omeprazol, Pantoprazol)
- Bei starkem Schwitzen, etwa durch intensive körperliche Belastung oder Hitze
- Im Falle einer Alkoholabhängigkeit
In diesen Fällen können Magnesium-Präparate sinnvoll sein, um einen diagnostizierten Mangel auszugleichen. Vor der Einnahme sollte jedoch immer eine ärztliche Beratung erfolgen, um die individuelle Notwendigkeit zu klären.
Die Risiken einer Überdosierung
Während eine übermäßige Magnesiumzufuhr durch Lebensmittel praktisch unmöglich ist, sieht das bei Nahrungsergänzungsmitteln anders aus. Die Verbraucherzentrale warnt: Bereits ab einer zusätzlichen Tagesdosis von 300 Milligramm können unerwünschte Magen-Darm-Beschwerden auftreten, insbesondere Durchfall.
Ein weiterer wichtiger Hinweis betrifft die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die Apothekerkammer weist darauf hin, dass Magnesium die Aufnahme bestimmter Antibiotika verlangsamen kann. Ihr Rat: Zwischen der Einnahme von Magnesium und Antibiotika sollten mindestens zwei Stunden liegen.
Magnesium gegen Wadenkrämpfe: Kein wissenschaftlicher Beleg
Viele Sportler nehmen Magnesium-Präparate in der Hoffnung ein, damit schmerzhafte Wadenkrämpfe zu verhindern. Doch diese Erwartung erfüllt sich laut wissenschaftlicher Erkenntnis oft nicht. Die Verbraucherzentrale stellt klar: Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Magnesium bei Muskelkrämpfen oder anderen Muskelproblemen hilft.
Der Grund: Hinter Muskelkrämpfen steckt nur selten ein Magnesiummangel. Häufigere Ursachen sind:
- Fehlbelastungen oder Überlastungen der Muskulatur
- Flüssigkeitsmangel
- Elektrolytstörungen
- Neurologische Faktoren
Fazit: Magnesium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff, den der Körper in der Regel aus einer ausgewogenen Ernährung erhält. Nahrungsergänzungsmittel sind nur in spezifischen medizinischen Situationen sinnvoll und sollten nie ohne professionelle Beratung eingenommen werden. Bei Verdacht auf einen Mangel oder bei anhaltenden Beschwerden ist der Gang zum Hausarzt der richtige erste Schritt.



