Paartherapeutin erklärt: Warum selektives Scheitern und Me-Time für eine gesunde Beziehung entscheidend sind
Selektives Scheitern und Me-Time: Schlüssel für gesunde Beziehung

Paartherapeutin Sonja Bröning: Selektives Scheitern als Schlüssel zu gesunden Beziehungen

In der heutigen schnelllebigen Welt kann es leicht passieren, dass wir in einer Beziehung unsere eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Die Paartherapeutin Sonja Bröning erklärt in der fünfteiligen Sonderserie "Social Therapy – was braucht die Liebe von uns?" des SPIEGEL-Podcasts "Smarter leben", warum es normal ist, in der Verliebtheitsphase alles andere zu vergessen, aber langfristig gefährlich werden kann.

Die Gefahr der Selbstaufgabe in Partnerschaften

Besonders in der Anfangsphase einer Beziehung neigen viele Menschen dazu, sich vollständig auf ihren Partner zu konzentrieren. Freundschaften, Hobbys und sogar die eigene Selbstfürsorge geraten in den Hintergrund. Bröning vergleicht diesen Zustand mit einer Art Rausch: "Verliebtheit setzt uns wie unter Drogen." Unsere Gedanken kreisen nur um die geliebte Person, und wir verlieren oft den Blick für das Wesentliche.

Doch unsere Ressourcen sind begrenzt. Nicht für alles und jeden können wir Zeit aufbringen. Hier kommt das Konzept des selektiven Scheiterns ins Spiel. Bröning empfiehlt, zu akzeptieren, dass wir nicht immer allen Anforderungen gerecht werden können. "Langfristig geht es darum, mein Leben so zu balancieren, dass nichts von mir verloren geht."

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Me-Time und klare Kommunikation als Fundament

Um eine gesunde Balance zu finden, sind bewusste Auszeiten – sogenannte Me-Time – unerlässlich. Bröning betont: "Jede Partnerschaft braucht Räume ohne den anderen. Sonst richte ich mich nur wie ein Kompass nach meinem Partner aus und forme mich nur nach ihm." Im Idealfall stützen mehrere Säulen unser Leben, wie Freundschaften, Hobbys und persönliche Interessen, die uns ausmachen.

Für die Selbstreflexion schlägt Bröning drei zentrale Fragen vor:

  • Wo finde ich meine eigene gelernte Hilflosigkeit okay – und wo nicht? Was macht den Unterschied?
  • Sprechen Sie mit Ihrem Partner über die Beziehung Ihrer Eltern. Was würden Sie beibehalten, was anders machen?
  • Erzählen Sie einander, wo Ihre inneren Kinder zusammen lachen und weniger ernst sein können.

Problematisch wird es, wenn wir uns in einer Beziehung komplett selbst aufgeben und dauerhaft miteinander verschmelzen. "Manche Menschen passen sich sehr an, bis hin zum Verbiegen. Schwierig wird es, wenn ich mit der Zeit merke: Das Leben, das ich führe, das ist gar nicht mehr meins." Um dies zu verhindern, sollten wir regelmäßig hinterfragen, was uns wirklich glücklich macht.

Gebrauchsanleitung für den Partner und echte Kompromisse

Bröning plädiert für klare Kommunikation: "Ich bin ein großer Fan von klaren Ansagen. Eigentlich müssten wir unserem Partner, wenn wir frisch zusammengekommen sind, eine Gebrauchsanleitung für uns geben." Dies hilft dem Partner zu verstehen, was uns wichtig ist, und fördert ein tieferes Verständnis.

Bei unterschiedlichen Bedürfnissen sind echte Kompromisse gefragt – keine faulen, bei denen beide unzufrieden sind. Bröning erläutert: "Ich rücke ab von meiner Lieblingslösung, um dir zu geben, was du brauchst." Kreative Lösungen, die alle Bedürfnisse berücksichtigen, sind der Schlüssel zu einer ausgeglichenen Beziehung.

Weitere Themen der Podcast-Serie

In der dritten Folge der Serie geht es unter anderem darum, warum wir uns auch in glücklichen Beziehungen fremdverlieben können und wieso die Zufriedenheit in einer Partnerschaft im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes am stärksten sinkt. Die Serie bietet tiefe Einblicke in die Dynamiken moderner Liebe und Beziehungen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration