Apotheken in Vorpommern-Greifswald warnen vor Versorgungskollaps: Fixum-Erhöhung dringend benötigt
Apotheken in Vorpommern-Greifswald warnen vor Versorgungskollaps

Apotheken in Vorpommern-Greifswald warnen vor Versorgungskollaps

Die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Mecklenburg-Vorpommern steht auf der Kippe. Apotheker in der Region Vorpommern-Greifswald schlagen Alarm: Das seit Jahren stagnierende Apothekenpackungsfixum gefährdet die Existenz vieler Betriebe und damit die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung.

Fixum-Erhöhung: Dringender Appell an die Politik

Apotheker Florian Köster, der mit seiner Ehefrau mehrere Apotheken in Anklam, Wolgast, Lassan, Ahlbeck, Usedom und Greifswald betreibt, erklärt die prekäre Situation: „Die Kosten explodieren uns unter dem Hintern.“ Das aktuelle Fixum von 8,35 Euro pro Packung verschreibungspflichtiger Medikamente wurde seit 2004 nur einmal angehoben. Davon gehen noch 1,77 Euro als Zwangsrabatt an die Krankenkassen.

„Inflationsbereinigt müssten wir eigentlich um die 12,40 Euro fordern. Wir fordern allerdings nur 9,50 Euro und haben es mit dieser Forderung auch in den Koalitionsvertrag geschafft“, so Köster, der auch Vorsitzender des Ausschusses für Zukunft der Apothekerkammer MV ist.

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Versorgungssicherheit in ländlichen Regionen gefährdet

Markus Oelze, Vorsitzender des Apothekerverbandes MV, warnt vor den langfristigen Folgen: „Wenn sich jetzt nicht grundlegend etwas ändert, dann haben wir nach den nächsten fünf bis zehn Jahren Probleme, die Versorgung flächendeckend aufrechtzuerhalten.“ Besonders betroffen ist die dünn besiedelte Region Vorpommern-Greifswald, wo die Nachfrage nach Arzneimitteln demografisch bedingt hoch ist.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

  • In den letzten zehn Jahren sind etwa 50 Apotheken in ganz Mecklenburg-Vorpommern geschlossen
  • Der Weg zur nächsten Notdienstapotheke wird für Patienten außerhalb der Städte immer weiter
  • Im Versorgungsnetz bleiben mehr Lücken als tragfähige Strukturen

Zwei-Säulen-Vergütungssystem unter Druck

Apotheken verdienen an verschreibungspflichtigen Medikamenten auf zwei Wegen:

  1. Durch das feste Apothekenpackungsfixum
  2. Durch drei Prozent des Arzneimittelpreises

Doch gerade bei kostengünstigen Medikamenten, die in ländlichen Regionen besonders häufig verordnet werden, sind die drei Prozent auf niedrige Preise verschwindend gering. „Das relevante Einkommen entsteht durch das Apothekenpackungsfixum“, betont Oelze. Sein Kollege Köster ergänzt: „Da geht es um das Fixum.“

Modernisierung braucht finanzielle Perspektive

Die Apotheker betonen ihren Versorgungswillen, sehen aber die Grenzen der Belastbarkeit: „Wir stehen bereit und wir wollen versorgen und wollen alle Wege gehen, die in die Modernisierung, in die Versorgungssicherheit und zum Patientenwohl führen“, sagt Markus Oelze. Doch dafür müssten Mitarbeiter geschult, Software angeschafft und Standorte gesichert werden.

„Dafür brauchen wir ganz kurzfristig die im Koalitionsvertrag festgehaltene Honorar-Anpassung“, appelliert Oelze. Florian Köster spitzt zu: „Wir brauchen die 9,50 Euro, am besten gestern.“ Beide Apotheker mussten bereits Standorte schließen, die sich finanziell nicht mehr tragen ließen.

Der Apothekerverband MV vertritt in Vorpommern-Greifswald 53 Mitgliedsapotheken und damit nahezu alle Apotheken der Region. Ihre Botschaft ist klar: Ohne eine zeitnahe Anpassung des Apothekenpackungsfixums droht der Kollaps der flächendeckenden Versorgung in ländlichen Regionen.

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