Brandenburgs Apotheken-Notdienste: Ab März längere Wege für Patienten in der Prignitz
Apotheken-Notdienste in Brandenburg: Wege werden länger

Apotheken-Notdienste in Brandenburg: Neue Regelung verlängert Wege für Patienten

Ab dem 1. März 2026 wird das System der Apotheken-Notdienste im Land Brandenburg grundlegend umgestellt. Eine Testphase mit einem neuen 20-Tage-Rhythmus tritt in Kraft, die bis zum Jahresende andauern soll. Diese Veränderung bringt für Apotheker eine gewisse Entlastung, für Patienten in strukturschwachen Regionen wie der Prignitz können sich im Ernstfall jedoch deutlich längere Anfahrtswege ergeben.

Von 13 auf 20 Tage: Größere Radien und weniger Dienste

Bislang waren Apotheken in Brandenburg alle 13 Tage für den Notdienst an der Reihe. Diese ungerade Zahl sorgte für eine gerechte Verteilung, sodass jede Apotheke regelmäßig ein Wochenende übernahm. Mit dem neuen System wird der Turnus auf 20 Tage ausgeweitet, und die geografischen Radien, innerhalb derer die Notdienst-Apotheken liegen, werden vergrößert. Für mobile Patienten mag dies verkraftbar sein, für ältere oder nicht mobilisierte Bürger stellt die Neuregelung eine echte Belastung dar.

Christian Richter, Betreiber der Stadt-Apotheke in Bad Wilsnack, äußert sich kritisch: „Der Notdienst ist ein wichtiges Instrument. Ich bin nicht so glücklich über die Regelung. Wir hier in der Prignitz sind eine strukturschwache Region. Für einen Patienten, der nicht mobil ist, ist die neue Regelung wirklich belastend.“ Richter, der seinen Notdienst persönlich übernimmt, betont jedoch auch die wirtschaftliche Seite: „Der Notdienst ist ein Zuschussgeschäft für uns Apotheker.“

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Finanzielle Herausforderungen und schwindende Apothekenlandschaft

Die Apotheker erhalten ihre Vergütung aus dem Notdienstfonds, der nach Ansicht vieler Fachleute dringend erhöht werden müsste. Jan-Christoph Grimm von der Nordapotheke in Pritzwalk erklärt: „Für uns sind auch die Energie- und Personalkosten gestiegen. Unser Honorar wurde dem aber bei Weitem nicht angepasst.“ Die finanzielle Lage vieler Apotheken ist angespannt; allein seit Beginn des Jahres 2022 haben in Brandenburg 47 Apotheken geschlossen, und elf Orte haben ihre letzte Apotheke verloren.

Alexander Roth, Inhaber der Adler Apotheke in Lenzen, begrüßt die neue Regelung dennoch: „Alles, was uns Erleichterung bringt, ist gut.“ Er weist aber auf das zweischneidige Schwert hin: Während Apotheker seltener im Einsatz sind, werden die Wege für Patienten länger. Roth betreibt zusätzlich eine Apotheke in Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern, wo er alle neun Tage Notdienst hat – im Vergleich dazu empfindet er den 20-Tage-Rhythmus in Brandenburg als Erleichterung.

Praktische Auswirkungen und organisatorische Hürden

Ein konkretes Beispiel für die neuen Herausforderungen nennt Jan-Christoph Grimm aus Pritzwalk: „Ich habe in dem neuen Rhythmus ab 1. März gleich wieder vom 4. den 5. März Notdienst. Bin ich am Sonnabend noch mit meinen Kollegen aus Bad Wilsnack und Lenzen dran, muss ich von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen allein den Notdienst für die gesamte Prignitz machen.“ Diese Situation stellt nicht nur für den Apotheker, sondern auch für Patienten eine erhebliche Belastung dar.

Die Landesapothekerkammer Brandenburg reagiert mit der Neuregelung im Einvernehmen mit dem Gesundheitsministerium auf die veränderte Apothekenlandschaft. Jens Dobbert, Präsident der Kammer, erläutert: „Unser Anspruch ist es, Versorgungssicherheit und Belastbarkeit der Apotheken gleichermaßen im Blick zu behalten. Der 20-Tage-Rhythmus schafft eine gerechtere Verteilung der Dienste und entlastet viele Apothekenteams spürbar.“

Versorgungssicherheit trotz längerer Wege

Dobbert betont, dass Apotheken weiterhin verlässlich erreichbar bleiben, auch wenn sich die Wege im Einzelfall verlängern können. Patienten, die den nächsten Notdienst suchen, werden auf die Internetseite der Landesapothekerkammer (www.lakbb.de) und das Portal Aponet.de verwiesen. Allerdings ist die Apothekensuche des Portals derzeit nicht auf dem neuesten Stand, was die Orientierung zusätzlich erschweren kann.

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Für die Prignitz bedeutet die Umstellung konkret: Anstatt wie bisher alle 13 Tage sind Apotheken nun nur noch alle 20 Tage im Notdienst eingesetzt. Die verbleibenden Standorte – wie Bad Wilsnack, Lenzen und Pritzwalk – müssen größere Gebiete abdecken. Ein Patient aus Krampfer in der Gemeinde Plattenburg muss beispielsweise bereits jetzt 15 Kilometer nach Bad Wilsnack oder Pritzwalk fahren; nach Lenzen wären es sogar rund 35 Kilometer. Mit der neuen Regelung könnten solche Distanzen in Zukunft noch häufiger anfallen.

Die Testphase bis Ende des Jahres soll zeigen, ob der neue Rhythmus tatsächlich zu einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Ressourcen führt oder ob die Belastungen für Patienten in ländlichen Regionen überwiegen. Apotheker wie Christian Richter bleiben skeptisch, während die Landesapothekerkammer auf eine gerechtere Verteilung und Entlastung der Apothekenteams hofft.