Apotheker warnen vor weiteren Streiks: „Geringe Wertschätzung“ der Regierung spürbar
Apotheker warnen vor weiteren Streiks: „Geringe Wertschätzung“

Apotheker in Deutschland fühlen sich von der Regierung nicht wertgeschätzt

Der Neubrandenburger Apotheker Erik Schumacher äußert sich deutlich kritisch zur aktuellen Situation in der Apothekenlandschaft. Wie viele seiner Kollegen hält er eine dringende Honorarerhöhung für unverzichtbar, um die Zukunft der Apotheken in Deutschland zu sichern. Seit dem letzten bundesweiten Protesttag im März hat sich aus seiner Sicht kaum etwas verbessert.

„Geringe Wertschätzung“ von der Bundesregierung

Erik Schumacher, der seit mehr als einem Jahrzehnt die Marien-Apotheke in der Waagestraße führt, spürt eine deutliche Geringschätzung seitens der Politik. „Man hat das Gefühl, dass die Regierung möchte, dass es weniger Apotheken gibt“, spekuliert der erfahrene Unternehmer im Gespräch. Diese Wahrnehmung wird durch die aktuellen Zahlen untermauert: Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ist die Anzahl der Apotheken in Deutschland zum Jahreswechsel auf nur noch 16.601 gesunken – ein Jahr zuvor waren es noch 17.041.

Auch in Neubrandenburg selbst sind in den vergangenen Jahren Apotheken geschlossen worden. Die Ravensburg-Apotheke in der Ihlenfelder Vorstadt steht seit gut zwei Jahren leer. Schumacher betont, dass vieles, was Apotheker im Alltag leisten, im Verborgenen geschieht. „Vieles geschieht hinten in der Apotheke, was keiner sieht“, erklärt er und verweist auf logistische Arbeiten und andere wichtige Tätigkeiten.

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Honorarerhöhung als dringende Notwendigkeit

Für rezeptpflichtige Medikamente ist das Honorar über die Arzneimittelpreisverordnung festgelegt. Diese Honorare wurden seit über einem Jahrzehnt nicht angepasst, während gleichzeitig die Kosten für Apotheken stark gestiegen sind. „Die notwendige Honorarerhöhung wäre ein Notdeckel für alles, was die letzten 20 Jahre nicht gemacht wurde“, stellt Schumacher klar. Diese Anpassung sei nicht nur für die bestehenden Apotheken wichtig, sondern auch für die Planungssicherheit künftiger Apothekenleiter.

Der Apotheker betont den Wunsch, dass in jedem Stadtteil von Neubrandenburg eine Apotheke erhalten bleibt. Allerdings könne die Stadt selbst hier nicht eingreifen, da sie keine eigene Gesundheitspolitik betreiben dürfe. Die Hauptverantwortung sieht Schumacher eindeutig bei der Bundesregierung. „Wir sind immer sehr abhängig von dem, was die Politik macht“, resümiert er.

Weitere Streiks werden als realistisch eingeschätzt

Der zuletzt durchgeführte bundesweite Streik war aus Sicht der Branche ein notwendiges Mittel, um Gehör zu finden. „Anders kriegen wir keinen an den Tisch und kein Gehör, habe ich das Gefühl“, erläutert Schumacher. Die Kunden seiner Apotheke in der Neubrandenburger Innenstadt hätten für die Proteste viel Verständnis gezeigt.

Weitere Streikaktionen hält der Apotheker für durchaus realistisch. „Man streikt ja nicht und gleich am nächsten Tag scheint wieder die Sonne. Das ist ein Signal, das wir setzen“, macht er deutlich. Allerdings müssten solche Proteste von den Apotheken gemeinsam vorangetrieben werden, da Streiks einzelner Apotheken nicht die gleiche Wirkung entfalten würden wie ein großer gemeinsamer Streik.

Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen betont Erik Schumacher, dass Apotheken grundsätzlich immer noch ein toller Arbeitsort seien. Der Job bereite ihm nach wie vor Freude und werde nie langweilig. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, wäre es noch cooler für alle“, fügt er mit einem Blick in die Zukunft hinzu.

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