Apothekerstreik in Neustrelitz: Rentnerin muss für dringende Medikamente weit fahren
Apothekerstreik: Rentnerin muss für Medikamente weit fahren

Apothekerstreik in Neustrelitz: Rentnerin muss für dringende Medikamente weit fahren

In Neustrelitz sind am Montag, dem Tag des bundesweiten Apothekerstreiks, alle Apotheken geschlossen. Für viele Patienten, insbesondere ältere Menschen, stellen die weiten Wege zu Notdienst-Apotheken ein erhebliches Problem dar. Die Rentnerin Liselotte Rogge ist an diesem Tag besonders genervt, da sie für dringend benötigte Medikamente nach einer Krankenhausentlassung wahrscheinlich nach Neubrandenburg fahren muss.

Notdienste nur in entfernten Städten verfügbar

Liselotte Rogge hatte nicht damit gerechnet, dass ihr dieser Ärger blüht. Als sie am Freitag aus dem DRK-Krankenhaus Neustrelitz entlassen wurde, erhielt sie Medikamente für lediglich drei Tage. Am Montag, dem Streiktag, erwies sich dies als großes Problem. Da sie am Freitag keinen Hausarzt mehr aufsuchen konnte, um ein Rezept zu erhalten, ging sie am Montag dorthin. Mit dem Rezept in der Hand stand sie jedoch vor verschlossenen Türen aller Neustrelitzer Apotheken.

Die Seniorin erfuhr, dass nur Notdienst-Apotheken in der Neubrandenburger Oststadt, in Fürstenberg oder in Malchow erreichbar sind. „Eine Notbesetzung für Neustrelitz sollte doch wenigstens da sein“, empört sich Liselotte Rogge. „Schließlich ist das kein kleiner Ort.“ Doch solche Situationen werden in Zukunft wohl häufiger auftreten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Neuregelung verschärft die Lage

Seit Jahresbeginn dürfen Not-Apotheken nach einer Neuregelung des Dienstsystems maximal 35 statt wie zuvor 25 Kilometer entfernt sein. Im Fall von Liselotte Rogge geht es um Medikamentenbedarf nach einem Krankenhausaufenthalt, was eindeutig zu den Notfällen zählt. Auch dringend benötigte Antibiotika oder Verordnungen von Bereitschaftsärzten gehören dazu.

Allerdings wird die Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit laut Erfahrungen vieler Apotheker auch für weniger dringende Mittel wie Hustensäfte und Nasentropfen genutzt. Ein weiteres Problem ist die rückläufige Zahl der Vor-Ort-Apotheken. Die Apotheker streiken am Montag auch, weil die Vergütung seit langem nicht mehr an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst wurde.

Hintergründe des Streiks

Die letzte Anpassung erfolgte vor 13 Jahren, was einer der Gründe für die sinkende Anzahl der Apotheken ist. Hinzu kommen Online-Apotheken mit Dumping-Preisen, die keine Beratung oder persönliche Leistungen am Patienten bieten. Diese Faktoren verschärfen die Situation für lokale Apotheken und ihre Kunden.

Für Liselotte Rogge bedeutet dies an diesem Montag, dass sie nach Neubrandenburg, Malchow oder Fürstenberg gelangen muss. Sie überlegt, ob sie noch am Nachmittag mit dem Auto nach Neubrandenburg fährt oder erst am nächsten Morgen eine Apotheke in Neustrelitz aufsucht. Doch wenn das benötigte Medikament dann nicht verfügbar ist, steht sie erneut vor einem Problem.

Der Apothekerstreik verdeutlicht die Herausforderungen im ländlichen Raum, wo die medizinische Versorgung zunehmend unter Druck gerät. Patienten wie Liselotte Rogge müssen weite Strecken zurücklegen, um an essentielle Medikamente zu gelangen, was besonders für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen eine Belastung darstellt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration