Apotheken-Notdienste in Brandenburg: Längere Wege für Patienten ab März
Brandenburg: Längere Wege zu Apotheken-Notdiensten

Apotheken-Notdienste in Brandenburg: Längere Wege für Patienten ab März

In Brandenburg steht eine bedeutende Umstellung der Apotheken-Notdienste bevor, die ab dem 1. März 2026 als Testphase startet. Während die Neuregelung für Apotheker eine spürbare Entlastung bringen soll, müssen sich Patienten in Notfällen auf längere Wege einstellen. Dies betrifft insbesondere ländliche Regionen wie die Uckermark, wo die Versorgungssicherheit im Fokus steht.

Neuer Rhythmus und größere Radien

Bisher folgten die Apotheken-Notdienste in Brandenburg einem 13-Tage-Rhythmus, der für eine gerechte Verteilung sorgte und die Wahrscheinlichkeit kurzer Wege für Kunden erhöhte. Mit der Einführung eines 20-Tage-Rhythmus werden die Dienstradien erweitert, was im Ernstfall zu weiteren Fahrten führen kann. Sabine Trautwein, Inhaberin der Sonnenapotheke in Templin, berichtet von einem aktuellen Fall: Eine junge Mutter benötigte nachts Medikamente für ihr fieberndes Kind. „Hätte sie keine Apotheke in der Stadt Notdienst gehabt, dann wäre sie wohl in die Notaufnahme gefahren“, so Trautwein. Solche Szenarien könnten künftig häufiger auftreten.

Hintergrund: Schließungen und Ressourcenknappheit

Die Landesapothekerkammer Brandenburg begründet die Reform mit der veränderten Apothekenlandschaft. Seit 2022 haben im Land 47 Apotheken geschlossen, und 11 Orte verloren ihre einzige Apotheke. Jens Dobbert, Präsident der Kammer, betont: „Unser Anspruch ist es, Versorgungssicherheit und Belastbarkeit der Apotheken gleichermaßen im Blick zu behalten.“ Der neue Rhythmus ziele darauf ab, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen und die Teams zu entlasten. Sabine Trautwein unterstützt dies, warnt jedoch: „Kritisch wird es für Kunden, wenn sie nicht mobil sind.“

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Reaktionen aus der Praxis

Michael Krenz, Inhaber der Grünen Apotheke in Prenzlau, begrüßt die Neuorganisation als notwendigen Schritt. Er erklärt: „Persönlich weiß ich aus vielen eigenen Nachtdiensten, wie fordernd diese Bereitschaften sind – organisatorisch wie menschlich.“ Die erhöhte Planbarkeit könne die Versorgungsqualität stärken. Allerdings betont Krenz, dass dies allein nicht ausreicht: „Wenn wir die flächendeckende Versorgung sichern wollen, braucht es jetzt auch eine spürbare Honorarerhöhung durch Ministerin Nina Warken.“ Die Testphase läuft bis Ende 2026, mit dem Ziel, die Strukturen nachhaltig zu stabilisieren.

Probleme bei der Apothekensuche

Ein weiteres Problem betrifft die Online-Suche nach Notdienst-Apotheken. Die Apothekerkammer verweist auf ihre Website und das Portal Aponet.de, doch letzteres ist nicht aktuell. Bei einer Recherche für Templin werden sechs Apotheken angezeigt, obwohl es nur fünf gibt – ein Fehler, der auf die Übernahme der Delphin Apotheke im Jahr 2023 zurückgeht. Dies unterstreicht die Notwendigkeit zuverlässiger Informationsquellen in der neuen Notdienst-Organisation.

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