Jüngste Wirtschaftsprüferin Deutschlands: Clara Schüppens Blitzkarriere
Jüngste Wirtschaftsprüferin Deutschlands: Clara Schüppen

Clara Schüppen ist mit 23 Jahren die jüngste Wirtschaftsprüferin, die es in Deutschland je gegeben hat. Im Interview erzählt sie von ihrer Blitzkarriere, unangenehmen Situationen und wie sie mit Falschangaben umgeht. Das Gespräch führte Markus Sutera.

Der Weg zur jüngsten Wirtschaftsprüferin

Als die Wirtschaftsprüferkammer auf LinkedIn bekannt gab, dass Clara Schüppen mit 23 Jahren die jüngste Wirtschaftsprüferin Deutschlands ist, erhielt sie zahlreiche Glückwünsche. „Natürlich freue ich mich darüber, und ich bin stolz. Zudem hoffe ich, dass ich damit Neugier für unseren Berufsstand wecken konnte“, sagt sie. Möglich wurde dies unter anderem durch ihre verkürzte Schulzeit. Mit 14 Jahren besuchte sie ein Internat in Belfast, Nordirland. Da ihr der Stoff in Fächern wie Mathematik leicht fiel, wurde sie zwei Jahre hochgestuft und machte mit 16 ihre A-Levels, die Hochschulreife. Da sie als Minderjährige nicht allein reisen konnte, begann sie direkt mit dem Studium.

Studium und erster Job

Schüppen studierte International Business in Maastricht. Eigentlich wollte sie während des Bachelors nach Shanghai, was jedoch aufgrund der Coronapandemie nicht möglich war. 2021 schloss sie ihr Studium ab. Auch der Master im Ausland war pandemiebedingt schwierig, daher begann sie zunächst zu arbeiten. Im September 2021 zog sie nach Berlin und startete bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der klassischen Jahresabschlussprüfung. Parallel dazu absolvierte sie einen zweijährigen berufsbegleitenden Master an der Leuphana Universität Lüneburg mit dem Schwerpunkt „Audit Xcellence“, der speziell auf die Wirtschaftsprüfung zugeschnitten ist. „Vor dem Wirtschaftsprüfungsexamen braucht man einige Jahre Berufserfahrung, der berufsbegleitende Master passte also perfekt in meinen Plan“, erklärt sie.

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Wechsel zu KPMG und Fokus auf Nachhaltigkeit

Mit dem Masterabschluss wechselte Schüppen zu KPMG. Dort prüft sie vor allem Nachhaltigkeitsberichte. „Der Bereich hat mich interessiert, weil er noch relativ neu ist“, sagt sie. In diesen Berichten stehen Informationen zu Emissionskennzahlen oder Risiken in Lieferketten. „Wenn ein Konzern zum Beispiel 20 Produktionsstandorte hat, müssen wir verstehen: Wie werden dort Energiedaten gesammelt? Sind alle Standorte erfasst? Welche Emissionsfaktoren wurden genutzt, um aus Energieverbräuchen CO₂-Emissionen zu berechnen?“, erläutert sie. Die Prüfung umfasst nicht nur „grüne Zahlen“, sondern auch die dazugehörigen Aussagen. „Wenn jemand schreibt: ‚Wir sind das grünste Unternehmen der Welt‘, kann ich das ohne Beleg nicht bestätigen. Entscheidend ist am Ende, dass sich Kunden, Mitarbeitende und Investoren auf die Angaben im Nachhaltigkeitsbericht verlassen können. Die Infos dürfen kein Greenwashing sein.“

Herausforderungen im Berufsalltag

Als jüngste Wirtschaftsprüferin steht Schüppen auch vor besonderen Herausforderungen. Sie berichtet von unangenehmen Situationen, etwa wenn ältere Kunden ihr aufgrund ihres Alters zunächst skeptisch gegenüberstehen. „Man muss sich Respekt verschaffen, indem man kompetent und souverän auftritt. Am Ende zählt die fachliche Leistung“, sagt sie. Mit Falschangaben geht sie konsequent um: „Wenn wir Unstimmigkeiten feststellen, sprechen wir das klar an und fordern Korrekturen. Notfalls müssen wir den Bericht entsprechend qualifizieren.“

Zukunftsperspektiven

Schüppen sieht ihre Zukunft in der Wirtschaftsprüfung. Sie möchte sich weiter auf Nachhaltigkeitsberichte spezialisieren und hofft, dass ihr Werdegang andere junge Menschen für den Beruf begeistert. „Die Wirtschaftsprüfung ist viel spannender, als viele denken. Man bekommt Einblicke in unterschiedlichste Unternehmen und kann aktiv zur Transparenz beitragen“, betont sie.

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