Eine Müllkippe am anderen Ende der Welt rückt ins Zentrum eines internationalen Virus-Dramas. Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Luxus-Expeditionsschiff MV „Hondius“ mit drei Toten könnte genau hier alles begonnen haben. Das berichtet unter anderem die britische Zeitung „The Sun“.
Der Verdacht: Zwei niederländische Touristen, leidenschaftliche Vogelbeobachter, besuchten vor ihrer Kreuzfahrt eine Deponie in Ushuaia – und brachten das Virus möglicherweise mit an Bord.
Vogel-Hotspot auf einer Müllkippe
Was zunächst absurd klingt, ist für Naturfreunde ein besonderer Ort: Auf der Müllkippe von Ushuaia lassen sich große Andenkondore beobachten – gewaltige Aasvögel mit bis zu drei Metern Flügelspannweite. Auch Karakaras, eine in Südamerika weitverbreitete Greifvogelart, suchen dort nach Nahrung. Gerade weil die Vögel an der Deponie aus nächster Nähe zu sehen sind und sich um Essensreste streiten, gilt der Ort unter Vogelbeobachtern als ungewöhnlicher, aber spektakulärer Beobachtungspunkt. Genau dort soll das niederländische Ehepaar vor seiner Kreuzfahrt Halt gemacht haben.
Das Hantavirus wird vorwiegend durch den Kontakt mit infizierten Nagetieren und deren Ausscheidungen übertragen. Dachböden, Schuppen, aber auch Mülldeponien sind potenzielle Infektionsorte.
Erste Todesfälle auf dem Schiff
Der 70-jährige Vogel-Liebhaber starb am 11. April an Bord der „Hondius“, seine 69-jährige Ehefrau zwei Wochen später. Zuvor hatten beide laut WHO bei einer Rundreise mehrere Orte in Argentinien und Chile bereist.
Das Schiff hatte wochenlang in Ushuaia gelegen, einem beliebten Ausgangspunkt für Antarktis-Reisen. Ob sich das Paar auf der Müllhalde, bei anderen Stopps oder erst an Bord infizierte, ist unklar. Die Inkubationszeit des Virus liegt zwischen einer und acht Wochen.
Virus am „Ende der Welt“
Brisant: Argentinien zählt zu den Ländern mit hoher Hantavirus-Rate – doch Ushuaia hatte bislang keinen dokumentierten Fall. Jetzt steht ausgerechnet die Deponie der Stadt im Fokus der Ermittlungen.
Zusätzlich machen jene rund 40 Passagiere Sorgen, die das Schiff vorzeitig auf St. Helena verließen. Laut „The Sun“ reisten sie weiter in verschiedene Länder – darunter auch Großbritannien. Experten versuchen nun herauszufinden, ob und wo sich das Virus noch verbreitet haben könnte.



