Renten-Wahrheit: Merz' Aussage zur Basisabsicherung löst Debatte aus
Renten-Wahrheit: Merz' Aussage zur Basisabsicherung

Es ist ein Satz, der so lapidar daherkam wie die Wettervorhersage für Montag, aber einen Entrüstungs-Orkan ausgelöst hat. Gesagt hat ihn Kanzler Friedrich Merz: „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter.“ Das Wort „allenfalls“ – für mich der Sprengstoff in diesem Satz. Es ist die Bankrotterklärung eines Systems, das einst erfunden wurde, um den Lebensabend zu sichern. „Allenfalls“ heißt laut Duden: höchstens, im günstigsten Fall, wenn überhaupt. Das verheißt Schlimmeres als eine bloße Basisabsicherung. Schon bei diesem Wort zuckten die meisten. Auch ich habe am Anfang meines Berufslebens geglaubt, dass das wohl irgendwie funktionieren wird mit der Rente. Man zahlt ein, arbeitet jahrzehntelang, und am Ende kommt etwas heraus, wovon man leben kann. So wurde es uns erzählt, und so wollten wir es glauben.

Die Rentenrechnung geht nicht mehr auf

Aber irgendwann habe ich angefangen, selbst nachzurechnen. Und gemerkt: Das geht nicht mehr auf. Wie denn auch? Die Väter des Rentensystems hatten leider nicht damit kalkuliert, dass die Menschen immer älter werden und eines Tages nicht zehn Jahre die Rente beziehen, sondern 15, 20 oder eines Tages 25 Jahre. Alles nur eine Frage der Mathematik und Demografie – ich war wirklich schlecht in Mathe und konnte es trotzdem überreißen. Als Merz jetzt sagte, was Sache ist, dachte ich: Wow, das klingt hart. Aber es ist genau das, was ich seit Jahren befürchte. Die Frage ist doch nicht mehr, ob sich etwas ändert, sondern nur noch, wie heftig. Allerdings – und das muss man in der aufgeheizten Diskussion deutlich sagen: Niemand will den Menschen, die jetzt Rente beziehen, etwas wegnehmen. Die Rente wird nicht gekürzt.

Kann das Rentensystem gerettet werden?

Aber: Jahrzehntelang wurde die Renten-Schieflage weitgehend ignoriert. Hier mal eine Arbeitsgruppe, da mal eine hübsche Reform-Ankündigung. Das war’s. Bis Ende Juni wird eine Rentenkommission nun Vorschläge machen. Ich ahne, was kommt: Korrekturen, die das System stabilisieren sollen. Aber werden sie es retten können? Die Wahrheit ist brutal einfach: Entweder zahlen wir noch deutlich mehr in die Rentenkasse ein oder wir bekommen in Zukunft deutlich weniger raus. Ich glaube: beides. Die dritte Möglichkeit: Der Staat schießt deutlich mehr Steuergeld in die Rentenkasse ein. Aber der Staat ist aus Gründen, die wir kennen, chronisch klamm. Klar scheint mir: Das Renteneintrittsalter wird steigen, stufenweise bis 70. Die abschlagsfreie Rente mit 63 ist schön, aber nicht mehr finanzierbar. Und die Mütterrente? Wer sagt Söder, dass das kaum bezahlbar ist? Die Besteuerung der Renten (aktuell bei 84 Prozent) jenseits des Grundfreibetrags wird ohnehin weiter steigen. Und eines nicht so fernen Tages wird die staatliche Rente genau das sein, was Merz beschrieben hat: eine staatliche Grundsicherung, mehr nicht. Wer mehr will, muss selbst vorsorgen.

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Ein Satz, der 20 Jahre zu spät kommt

Der Gedanke, dass man sich selbst kümmern muss, ist ja vernünftig. Aber viele werden sich fragen: Wovon sparen? Die Wirtschaftskrise samt Inflation lässt grüßen. Ich finde: Nicht Merz und sein Satz von der „Basisabsicherung“ sind (dieses Mal) das Problem. Das Problem ist „allenfalls“, dass wir diesen Satz nicht schon vor 20 Jahren aus dem Mund von Kanzlerin Merkel gehört haben. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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