Für viele Hundehalter ist es ein schleichender Schock: Im Laufe der Jahre altert nicht nur der Körper des geliebten Vierbeiners, sondern auch sein Geist. Ältere Hunde schlafen mehr, reagieren langsamer und lernen schlechter. Bei manchen verschlimmert sich der Zustand jedoch: Sie verlieren die Orientierung, wirken verwirrt und vergessen sogar Gewohntes. Dieses Phänomen wird von Tierärzten als Canine Cognitive Dysfunction (CCD) bezeichnet, eine Form der Demenz bei Hunden. Doch eine neue Studie gibt Hoffnung: Hundehalter können aktiv vorbeugen.
Können Hunde Demenz bekommen?
Canine Cognitive Dysfunction ist eine kognitive Funktionsstörung, die der Alzheimer-Krankheit beim Menschen ähnelt, aber nicht identisch ist. Betroffene Hunde laufen ziellos umher, schlafen unruhig oder reagieren plötzlich anders auf vertraute Menschen. Manche sind nicht mehr stubenrein, obwohl sie es jahrelang waren. Die Symptome sind vielfältig und können das Zusammenleben stark belasten.
Bewegung hält den Kopf wach
Bereits beim Menschen ist bekannt, dass körperliche Aktivität das Demenzrisiko senken kann. Da die Alterungsprozesse von Hunde- und Menschengehirn ähnlich sind, liegt der Verdacht nahe, dass Bewegung auch bei Hunden positive Effekte hat. Eine Studie der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest liefert nun konkrete Hinweise. Die Forscher werteten Fragebögen zu 858 Hunden aus, die alle älter als sieben Jahre waren. Die Halter machten Angaben zu Lebensstil, Aktivität und Verhalten ihrer Tiere. Den geistigen Zustand bewerteten die Wissenschaftler mit einem standardisierten Bewertungsbogen.
Das Ergebnis: Hunde, die regelmäßig aktiv waren – sei es sportlich oder als Arbeitspartner – zeigten im Alter weniger Anzeichen geistigen Abbaus. Besonders deutlich war der Unterschied bei Hunden, die mindestens einmal pro Woche mit ihrem Besitzer spielten oder trainierten.
Gemeinsame Zeit zählt doppelt
Nicht nur Bewegung allein war entscheidend, sondern auch die gemeinsame Zeit mit dem Halter. Hunde ohne gemeinsame Aktivitäten wiesen die schlechtesten Werte auf. Es scheint, dass gemeinsame Erlebnisse den Hund geistig fit halten. Die Herkunft des Hundes hatte dagegen keinen klaren Einfluss auf das Demenzrisiko. Wichtiger war, wie der Hund lebt: Tiere, die gefordert werden und Aufgaben haben, schnitten besser ab. Reine Haus- oder Zuchthunde zeigten häufiger schlechtere Werte.
Diese Hunde profitieren besonders
Besonders spannend sind die Ergebnisse für kleine Hunde und Mischlinge. Sie werden oft älter und tragen damit ein höheres Risiko für geistigen Abbau. Gerade sie profitieren laut Studie stark von Aktivitäten. Aber auch Arbeitshunde hatten Vorteile, selbst ohne intensives Training. Neben dem Alter spielt auch das Gewicht eine Rolle: Übergewichtige Hunde zeigten häufiger Auffälligkeiten als schlanke Vierbeiner. Zudem machte die Wohnumgebung einen Unterschied: Hunde mit Garten schnitten besser ab, wobei unklar ist, ob dies an zusätzlicher Bewegung oder anderen Faktoren liegt.
Das können Sie jetzt tun
Die Studie liefert keine Garantie, das Demenzrisiko zu senken, sondern zeigt lediglich Zusammenhänge, keine eindeutigen Ursachen. Die Daten basieren auf Einschätzungen der Halter, und die Teilnehmer wurden über soziale Medien rekrutiert, was zu einer Überrepräsentation engagierter Halter führen könnte. Trotz dieser Einschränkungen ist die Botschaft klar: Ein aktives Leben könnte dem Hund helfen, geistig länger fit zu bleiben. Bewegung, Spiel und Training stärken nicht nur den Körper, sondern möglicherweise auch das Gehirn.



