Zuckerabgabe: Was bringt das Ostdeutschland?
Zuckerabgabe: Auswirkungen auf Ostdeutschland

Am Samstagmorgen sitze ich gern nach dem Frühstück mit der Zeitung oder dem Tablet in der Küche, und nebenbei läuft das Radio. Meistens höre ich eine Sendung mit Musik und Wissenschaftsbeiträgen. Überrascht hat mich zuletzt die Meldung, dass weltweit mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig als untergewichtig sind. Die Zahlen stammen aus dem Ernährungsbericht des UN-Kinderhilfswerks UNICEF. In Deutschland ist demnach jeder vierte Jugendliche im Alter von fünf bis 19 Jahren übergewichtig. Der Anteil der adipösen Kinder in dieser Altersgruppe liegt bei acht Prozent.

Ärzte befürworten Zuckerabgabe

Hausarzt Thomas Dörrer aus Teutschenthal bei Halle ist daher ein Befürworter der geplanten Zuckerabgabe auf Getränke in Deutschland, die ab 2028 eingeführt werden soll. „Zucker ist die Geißel unserer Gesellschaft. Wir leben viel zu süß, viel zu ungesund“, sagt der Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Die Folgen sehe er auch in seiner Praxis. „Ich habe mehr Patienten, die schon mit Ende 40 Diabetiker sind.“

Laut Gesetzentwurf soll die Zuckerabgabe gestaffelt werden. Vorgesehen sind 26 Cent pro Liter, wenn mehr als fünf Gramm Zucker auf 100 Milliliter enthalten sind, und 32 Cent bei mehr als acht Gramm. Eine Dose Cola zum Beispiel wäre dann etwa zehn Cent teurer.

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Sind die Kinder übergewichtig, weil sie zu viel Limonade trinken? Ich persönlich habe da meine Zweifel. Es mangelt wohl eher an Bewegung.

Kritik aus der Wirtschaft

Rund 2,5 Millionen Flaschen pro Jahr füllt der Zahnaer Mineralbrunnen im Landkreis Wittenberg ab. Das mittelständische Unternehmen mit einer 130-jährigen Historie produziert regional bekannte Marken wie Hit-Cola und Dino-Brause. Geschäftsführerin Susann Danneberg sieht die Zuckerabgabe als reine Symbolpolitik. „Natürlich ist übermäßiger Zuckerkonsum nicht gut“, sagt sie. „Doch ein großer Teil der Menschen bewegt sich unzureichend.“

Viele Menschen in der Region seien mit den Produkten groß geworden: Himbeer-, Waldmeister- oder Apfelsinenbrause. „Der Geschmack ist über die Jahre gleich geblieben, wird geschätzt“, sagt Danneberg. Mit der Zuckersteuer müsse womöglich die Rezeptur geändert werden. „Die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit und keine neuen Belastungen.“

Landwirte fürchten Nachteile

Auch die Zuckerrübe ist für die Landwirte in Sachsen-Anhalt wichtig. Es gibt drei große Zuckerfabriken. „Die geplante Zuckerabgabe ist ein weiterer Eingriff zulasten unserer Branche. Statt Probleme an der Wurzel zu lösen, greift der Staat erneut zu Verboten und Marktregulierung“, sagt Landwirt Martin Dippe. Der Präsident des Bauernbundes Sachsen-Anhalt sieht die Zuckerabgabe als willkommene neue Einnahmequelle für den Staat. Gleichzeitig werde über das Mercosur-Abkommen der Import von billigem Zucker aus Südamerika erleichtert.

Wie man die Zuckerabgabe bewertet, hängt also stark von der Perspektive ab, mit der auf das Thema geschaut wird. Das sollte jeder in der Diskussion beherzigen, bevor er Menschen mit anderen Ansichten in den Senkel stellt.

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