Dunkel-Duschen: Der neue Wellness-Trend für erholsamen Schlaf
Wasser anstellen, Duschgel bereitlegen, Handtuch in Reichweite positionieren – und dann das Licht ausschalten: Das sogenannte Dunkel-Duschen erfordert tatsächlich etwas Vorbereitung, könnte sich aber für Menschen mit Schlafproblemen als echter Game-Changer erweisen. Der Trend, der unter dem englischen Begriff "Dark Showering" vor allem auf TikTok boomt, verspricht besseren Schlaf, reduzierte Ängste und mehr Achtsamkeit im Alltag.
Wissenschaftliche Einschätzung zur Dunkel-Dusche
Zwar ist die Wirkung wissenschaftlich noch nicht vollständig belegt, doch die Allgemeinmedizinerin Dr. Suzanne Wylie äußert sich positiv zu dem Phänomen. Sie vermutet, dass Duschen im Dunkeln "das psychische Wohlbefinden durch die Reduzierung sensorischer Reize fördern kann". In unserer modernen Welt seien wir nahezu ständig sensorischen und kognitiven Belastungen ausgesetzt: "Helles Licht, Bildschirme, Lärm und permanente Informationsflut halten das Gehirn in einem Zustand erhöhter Wachsamkeit und Stressreaktion", erklärt die Ärztin gegenüber dem britischen Newsportal "Metro".
Eine dunkle, ruhige Dusche am Abend könne daher "eine positive Wirkung auf das Nervensystem haben". Besonders relevant ist dabei der Zusammenhang mit dem Schlafhormon Melatonin: "Helles Licht unterdrückt Melatonin, das Hormon, das den Körper auf den Schlaf vorbereitet" – mit möglichen negativen Auswirkungen auf Schlafqualität und natürlichen Tagesrhythmus.
Psychologische Mechanismen hinter der Dunkel-Dusche
Die Psychologin Zoe Gotts bestätigt diesen Ansatz und erklärt, dass helles Badezimmerlicht nachts dem Gehirn ein subtiles Signal senden könne, dass es noch Tag sei. Duschen bei gedämpftem oder sogar komplett ausgeschaltetem Licht helfe, zusätzliche "alarmierende Reize" zu vermeiden und unterstütze den Körper dabei, sich auf den Nachtmodus einzustellen.
Besonders Menschen, denen es abends schwerfällt, ihr Gedankenkarussell zu stoppen, berichten von positiven Erfahrungen. Viele geben an, nach einer "Dunkel-Dusche" am Abend deutlich schneller eingeschlafen zu sein. "Eine dunkle oder schwach beleuchtete Dusche reduziert visuelle Reize", so Gotts. "In Kombination mit der Wärme und dem gleichmäßigen Rhythmus des Wassers kann dies helfen, sich in seinem Körper wohler zu fühlen."
Mehr als nur Biologie: Die Macht der Routine
Die Psychologin betont jedoch, dass es bei manchen Menschen weniger um biologische Mechanismen gehe als vielmehr um psychologische Faktoren: "Für manche könnte die reduzierte Reizüberflutung bereits ausreichen. Für andere geht es jedoch weniger um Biologie als vielmehr um die etablierte Routine."
Eine ruhige, reizarme Dusche könne als klares Signal dafür dienen, dass der Tag ausklingt. "Das kann die Angst vor dem Schlafengehen verringern, unter der so viele Menschen mit Schlafstörungen leiden", erklärt Gotts. Dieser ritualisierte Abschluss des Tages helfe dabei, mentale Grenzen zu ziehen und den Übergang in die Nachtruhe zu erleichtern.
Obwohl wissenschaftliche Studien zur Dunkel-Dusche noch ausstehen, scheint der Trend vielen Menschen subjektiv zu helfen. Die Kombination aus reduzierter sensorischer Stimulation, wohltuender Wärme und der etablierten Abendroutine könnte tatsächlich eine einfache, aber effektive Methode für besseren Schlaf darstellen.



