Hormonchaos bei Frauen: Das PCO-Syndrom verstehen und behandeln
Wenn der weibliche Körper aus dem Takt gerät, kann das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) die Ursache sein. Viele Frauen erleben unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation, Hautprobleme und ungewollte Gewichtszunahme – oft ohne zu wissen, was dahintersteckt. Diese häufige hormonelle Störung bleibt häufig lange unerkannt, obwohl sie etwa jede achte Frau im gebärfähigen Alter betrifft.
Was genau ist das PCO-Syndrom?
Nicole Reisch, Leiterin der Endokrinologie am LMU Klinikum München, erklärt: „PCOS ist die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter.“ Der Name ist etwas irreführend, wie Sita Arjune vom Universitätsklinikum Köln betont: „Nicht zwingend müssen viele Zysten vorhanden sein, um die Diagnose zu stellen.“ Entscheidend ist vielmehr ein hormonelles Ungleichgewicht, insbesondere eine Überproduktion männlicher Hormone (Androgene).
Vielfältige Symptome und Auswirkungen
Die Anzeichen von PCOS sind breit gefächert und individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Typische Beschwerden umfassen:
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation
- Vermehrte Körperbehaarung im Gesicht, auf der Brust oder am Bauch
- Akne oder Haarausfall
- Ungewollte Gewichtszunahme trotz gesunder Ernährung
„Gleichzeitig bestehen Veränderungen im Stoffwechsel“, ergänzt Sita Arjune. „Oft tritt eine Insulinresistenz auf, was das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 erhöht.“
Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung von PCOS ist multifaktoriell. Genetische Veranlagung spielt eine Rolle, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Welche Gene genau beteiligt sind, wird noch erforscht. Wichtige Einflussfaktoren sind:
- Stoffwechselveränderungen wie Insulinresistenz
- Übergewicht, insbesondere Bauchfett
- Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, Ernährung, Schlaf und Stress
Nicole Reisch betont: „PCOS kann auch bei Normalgewicht vorkommen, aber Symptome verschlimmern sich oft durch vermehrtes Bauchfett.“
Diagnose nach Rotterdam-Kriterien
Die Diagnose erfolgt in Frauenarztpraxen anhand der Rotterdam-Kriterien. Mindestens zwei von drei Kriterien müssen erfüllt sein, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden:
- Seltene oder ausbleibende Eisprünge (erkennbar an Zyklusstörungen)
- Anzeichen eines Androgenüberschusses
- Nachweis von mindestens 12 Follikeln pro Eierstock im Ultraschall
Laut neuen Leitlinien kann auch die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons im Blut den Ultraschall ersetzen, was für Patientinnen eine einfachere Diagnostik bedeutet.
Therapieansätze und Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern und langfristige Risiken wie Diabetes zu minimieren. Nicole Reisch empfiehlt: „Vielen Betroffenen hilft aktives Management durch Information, realistische Ziele und individuelle Pläne mit dem Behandlungsteam.“ Primär steht eine Lebensstiländerung im Vordergrund:
- Kalorienreduzierte, ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Psychologische Unterstützung bei Bedarf
Medikamentös kommen unter anderem die Antibabypille zur Zyklusregulation und Cremes gegen vermehrte Behaarung zum Einsatz.
Schwangerschaft mit PCOS
Ein Kinderwunsch ist mit PCOS nicht ausgeschlossen. „Häufig kann eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg oder mit Unterstützung erreicht werden“, so Nicole Reisch. Der erste Schritt ist meist Gewichtsreduktion, da Übergewicht die Chancen verringert. Spezielle Medikamente und reproduktionsmedizinische Unterstützung können helfen. Sita Arjune rät: „Bei Problemen sollten Frauen keine Scheu haben, eine Kinderwunschklinik aufzusuchen.“
Das PCO-Syndrom erfordert somit eine umfassende Betrachtung und individuelle Therapie, um Betroffenen langfristig Lebensqualität zu erhalten.



