Expertin erklärt: So lässt sich Scheidentrockenheit in den Wechseljahren gezielt behandeln
Viele Frauen erleben während der Wechseljahre plötzlich unangenehme Symptome wie Trockenheit, Brennen oder Schmerzen im Intimbereich. Oft werden diese Beschwerden nur kurzfristig behandelt, doch dabei handelt es sich um ein medizinisches Problem, das einer gezielten Therapie bedarf. Die hormonell bedingte Scheidentrockenheit verschwindet in der Regel nicht von allein, weshalb eine fachärztliche Abklärung und Behandlung dringend empfohlen wird.
Die zentrale Ursache: Sinkender Östrogenspiegel
„Die Hauptursache für Scheidentrockenheit in den Wechseljahren ist der sinkende Östrogenspiegel“, erläutert Frauenärztin Dr. Heidi Gößlinghoff im Gespräch mit FITBOOK. „Wenn der Östrogenspiegel abnimmt, kommt es zu einer regelrechten Kettenreaktion. Die Schleimhaut wird dünner, die natürliche Befeuchtung nimmt ab und das Scheidenmilieu wird anfälliger für Keime.“
Die Expertin betont, dass es sich hierbei nicht um ein vorübergehendes Trockenheitsgefühl handelt, sondern um messbare und medizinisch relevante strukturelle Veränderungen des Gewebes. Diese Veränderungen sind hormonell bedingt und erfordern daher eine spezifische medizinische Behandlung.
Warum die Ursache entscheidend ist
Viele Betroffene greifen zunächst zu Gleitgelen oder Feuchtigkeitscremes, die die Schleimhaut kurzfristig befeuchten und Beschwerden lindern können. Diese Produkte setzen jedoch nicht an der eigentlichen Ursache an: dem Östrogenmangel. Daher gelten lokale Östrogenpräparate als medizinischer Standard.
Diese Präparate werden direkt in der Vagina angewendet – beispielsweise als Creme, Zäpfchen oder Vaginalring – und können die Schleimhaut nachweislich wieder aufbauen. Gleichzeitig sinkt das Risiko für Infektionen, während die Hormonbelastung für den restlichen Körper gering bleibt. Wichtig ist, dass die Anwendung ärztlich abgeklärt wird, insbesondere bei Vorerkrankungen.
Welche Alternativen es gibt
Für Frauen mit leichteren Beschwerden können hormonfreie Produkte wie Cremes oder Zäpfchen mit Hyaluronsäure eine sinnvolle Ergänzung sein. Diese pflegen die Schleimhaut und halten die Feuchtigkeit länger. Bei stärkeren Symptomen reichen sie jedoch oft nicht aus.
Weitere Optionen wie eine systemische Hormonersatztherapie kommen eher infrage, wenn zusätzlich andere Wechseljahresbeschwerden bestehen. Auch Laserbehandlungen werden angeboten, doch die Studienlage dazu ist laut Expertin uneinheitlich und sollte kritisch betrachtet werden.
Warum eine frühe Behandlung wichtig ist
Ohne geeignete Therapie bildet sich die hormonbedingte Trockenheit in der Regel nicht zurück. Stattdessen kann sich die Schleimhaut weiter verändern, die Beschwerden nehmen zu und Infektionen treten häufiger auf. Deshalb gilt: Anhaltende Scheidentrockenheit sollten Frauen unbedingt gynäkologisch abklären lassen.
Je früher die passende Behandlung beginnt, desto besser lässt sich die Schleimhaut stabilisieren und die Beschwerden können deutlich gelindert werden. Eine frühzeitige Therapie trägt somit wesentlich zur Lebensqualität und Gesundheit bei.



