Alkohol in Bayern: 255.000 Menschen abhängig – Ministerin warnt
Alkohol in Bayern: 255.000 Menschen abhängig

Alkohol in Bayern: 255.000 Menschen abhängig – Ministerin warnt vor Verharmlosung

Alkohol wird in Bayern nach wie vor häufig verharmlost, obwohl die Zahlen alarmierend sind: Rund 255.000 Menschen im Freistaat gelten als alkoholabhängig. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass ein stärkeres Bewusstsein für den eigenen Alkoholkonsum entwickelt werden müsse. „Alkohol wird viel zu häufig verharmlost“, sagte die CSU-Politikerin.

Männer häufiger betroffen, aber Frauen holen auf

Laut Angaben des Gesundheitsministeriums sind Männer deutlich häufiger von einer Alkoholsucht betroffen als Frauen. Bundesweit liegt bei 3,1 Prozent der 18- bis 64-Jährigen eine Alkoholabhängigkeit vor. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung beim Rauschtrinken: Während dieser Anteil bei Männern in Bayern relativ konstant geblieben ist, hat er sich bei Frauen in den letzten zwanzig Jahren annähernd verdoppelt. „Das ist besorgniserregend und zeigt: Wir sind noch lange nicht am Ziel“, so Gerlach.

Alkoholatlas belegt hohe Todeszahlen

Wie gefährlich Alkohol sein kann, zeigt der Alkoholatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Demnach gab es in Bayern 2022 bei Männern pro 100.000 Einwohner 20,7 Todesfälle durch alkoholbedingte Erkrankungen, bei Frauen waren es 7 Todesfälle. Der Konsum riskanter Alkoholmengen betrifft rund ein Viertel der Erwachsenen, wobei junge Erwachsene die höchsten Raten aufweisen.

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Kulturgut Bier versus Gesundheitsrisiko

Trotz der Risiken ist Alkohol – insbesondere Bier und Wein – in Bayern gesellschaftlich tief verwurzelt. Während in den USA der öffentliche Konsum vielerorts verboten ist, ist das Oktoberfest ohne Bier für viele unvorstellbar. Rechtlich ist der Konsum von Bier, Wein und Schaumwein in Deutschland bereits ab 14 Jahren erlaubt, während in anderen Ländern das Mindestalter bei 21 Jahren liegt. Die Brauer feiern jährlich am 23. April das Reinheitsgebot von 1516 und würdigen Bier als Kulturgut. Politiker meiden Fotos mit Zigaretten, doch ein Bier in der Hand ist parteiübergreifend akzeptiert.

Keine risikofreie Menge – Prävention für Jugendliche

„Aus medizinischer Sicht ist klar: Es gibt keine risikofreie Menge an Alkohol“, betonte Gerlach. Besonders für Kinder und Jugendliche sei der Konsum gefährlich, da er die Entwicklung des Gehirns und anderer Organe nachhaltig beeinträchtigen könne. Daher seien in Bayern viele Präventionsangebote speziell für junge Menschen etabliert, um Alkoholmissbrauch vorzubeugen.

Positiver Trend bei Jugendlichen, aber nicht beim Rauschtrinken

Insgesamt ist der Alkoholkonsum bei Jugendlichen und Erwachsenen in Bayern in den vergangenen Jahren zurückgegangen. „Das ist ein erfreulicher Trend und zeigt, dass Präventions- und Aufklärungsangebote wirken“, sagte Gerlach. Allerdings gelte dies nicht für das besonders gefährliche Rauschtrinken, das bei Frauen stark zugenommen habe. Die Ministerin fordert daher weitere Anstrengungen in der Suchtprävention.

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