Asbest in Spielsand entdeckt: Händler reagieren mit Rückrufen
In einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest wurden in mehreren Produkten für Spiel- und Dekosand teils hohe Anteile von Asbest nachgewiesen. Das krebserregende Material wurde in sechs von 18 getesteten Artikeln gefunden, darunter kinetischer Sand, Farbsand für Sandbilder, sandgefüllte Spielfiguren und Dekosand. Fünf dieser Produkte wiesen einen Asbestanteil von unter einem Prozent auf.
Seit Mitte Februar laufen daher Rückrufaktionen im stationären und Online-Handel. Asbesthaltige Spielzeuge und Bedarfsgegenstände sind in der Europäischen Union grundsätzlich verboten, wie Claudia Bendrat, Sprecherin des CRB Analyse Service in Hardegsen, betont. Das Labor warnt insbesondere vor losen, staubenden Sanden, da Kleinkinder beim Spielen Asbestfasern einatmen könnten.
Herkunft der belasteten Produkte
Viele der betroffenen Waren stammen laut Laborangaben aus China, wo Materialien mit unter fünf Massenprozent Asbest teilweise noch als asbestfrei gelten. Aber auch europäische Produkte sind vereinzelt betroffen, etwa wenn Marmormehl aus dem Alpenraum verwendet wird. Es handelt sich wahrscheinlich um natürlich im Ausgangsgestein vorkommenden Asbest, der unbeabsichtigt in die Produkte gelangt, so die Vermutung der Experten.
Rostocker Händler nehmen vorsorglich Produkte aus dem Sortiment
Auch in Rostock reagieren die Händler auf die besorgniserregenden Testergebnisse. Die Buchhandlungskette Thalia hat die betroffene Sandbilder-Serie des Herstellers Sentosphère aus ihrem Online-Shop entfernt und bietet Rückerstattungen an. In den stationären Filialen wurde das Produkt laut einer Sprecherin jedoch nicht angeboten.
Die Bauhaus AG hat einen pinkfarbenen Deko-Sand und vergleichbare Artikel des betreffenden Herstellers vorsorglich aus den Regalen genommen. Ein Sprecher erklärt: Das Prüfergebnis der Stiftung Warentest hat eine Konzentration von unter einem Prozent Asbest festgestellt. Das Unternehmen hat eigene Untersuchungen beauftragt, um die Art des Asbests und die konkrete Gefährdung zu klären. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden Kunden bei Vorlage des Kassenbons der Kaufpreis erstattet.
Entwarnung für klassischen Sandkastensand
Das Labor gibt indes Entwarnung für den herkömmlichen Sand in Sandkästen oder auf Baustellen. Dieser besteht überwiegend aus Quarz und bildet keine faserigen Brüche, die Asbestfasern freisetzen könnten. Die Problematik betrifft somit speziell verarbeitete Spiel- und Dekosandprodukte.
Rostocker Kita-Leiter zeigen sich unbesorgt
Während die Händler reagieren, bleiben die Leitungen von Kindertagesstätten in Rostock gelassen. Henrike Thaut, Sprecherin des Instituts Lernen und Leben (ILL), das mehrere Kitas in Rostock und insgesamt 70 in ganz Mecklenburg-Vorpommern betreibt, hat Kenntnis von der Rückrufaktion. Sie betont jedoch: Wir beziehen grundsätzlich keine Produkte, die nicht explizit für den Kita-Gebrauch ausgewiesen und entsprechend gekennzeichnet sind.
Ein wichtiges Kennzeichen ist das CE-Zeichen, das signalisiert, dass das Produkt die EU-Anforderungen erfüllt. Christine Runge, Kita-Ressortleiterin der Diakonie Rostocker Stadtmission, ergänzt: Wir beziehen unseren Spielsand ausschließlich über etablierte Großhändler und achten konsequent auf geprüfte Qualität. Alle Materialien stammen aus TÜV-geprüften Quellen und erfüllen die geltenden Sicherheitsstandards.
Empfehlungen für Verbraucher
Für den Hausgebrauch raten Experten, stets auf entsprechende Kennzeichnungen wie das CE-Zeichen zu achten. Stiftung Warentest empfiehlt Nutzern, möglicherweise unsichere Produkte luftdicht zu verschließen und als Sondermüll zu entsorgen. Wer ganz sichergehen möchte, kann Proben an akkreditierte Labore schicken lassen. Die regelmäßigen Überprüfungen der Händler und die strikten Bezugsquellen der Kitas sollen dabei helfen, böse Überraschungen zu vermeiden und die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten.



