Cannabis-Evaluation nach zwei Jahren: Schwarzmarkt schrumpft, Kritik bleibt laut
Cannabis-Evaluation: Schwarzmarkt schrumpft, Kritik bleibt

Cannabis-Evaluation nach zwei Jahren: Schwarzmarkt schrumpft, Kritik bleibt laut

Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis für Erwachsene in Deutschland unter bestimmten Bedingungen legal. Nun liegt ein erster wissenschaftlicher Zwischenbericht vor, der die Entwicklungen im Gesundheitsschutz und im Kampf gegen den Schwarzmarkt analysiert. Die Forscherinnen und Forscher der Universitäten Düsseldorf, Hamburg und Tübingen ziehen eine gemischte Bilanz und sehen sowohl Fortschritte als auch deutliche Fehlentwicklungen.

Legaler Markt wächst, Schwarzmarkt wird verdrängt

Der Bericht zeigt, dass der legale Cannabiskonsum langsam zunimmt und der Schwarzmarkt schrittweise durch legale Angebote verdrängt wird. Deutschland hat sich zum größten legal-kommerziellen Cannabismarkt Europas entwickelt, mit einem Import von 200 Tonnen medizinischem Cannabis im Jahr 2025 – ein Anstieg von 198 Prozent gegenüber 2024. Der Import erfolgt vorwiegend aus Kanada und ist privatwirtschaftlich organisiert.

Dennoch bleiben Fragen offen: Ob und in welchem Umfang kriminelle Gruppen in die Herstellung involviert sind und was mit den gestiegenen Mengen geschieht, ist unklar. Es fehlt an Transparenz, und es gibt Hinweise, dass Deutschland auch als Verteilzentrum dient.

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Gesundheitsrisiken und Jugendschutz als kritische Punkte

Die Analyse identifiziert mehrere problematische Entwicklungen:

  • Für therapeutische Zwecke wird häufig Medizinalcannabis mit zu hohem Wirkstoffgehalt verschrieben, was Gesundheitsrisiken erhöht.
  • Frühinterventionen zur Suchtvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen sind zurückgegangen.
  • Die Polizei beklagt Schwierigkeiten bei der Verfolgung des fortbestehenden illegalen Handels.

Der Suchtforscher Daniel Kotz aus Düsseldorf erklärt, dass bei Cannabis-Auffälligkeiten bei Jugendlichen nun seltener Strafanzeigen erstattet werden, was zu weniger verpflichtenden Zuweisungen in Frühinterventionskurse führt.

Politische Reaktionen und Forderungen nach Korrekturen

Aus dem Unionsteil der Bundesregierung kam scharfe Kritik. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bezeichnete die Legalisierung als Fehler und kritisierte die verschwommene Grenze zwischen Konsum- und Medizinalcannabis. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) nannte das Gesetz einen „vollkommenen Rohrkrepierer“ und warnte vor einem boomenden Schwarzmarkt und steigender Kriminalität. Familienministerin Karin Prien (CDU) forderte Nachsteuerungen bei der Suchtprävention.

Das Bundeskabinett hat bereits strengere Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht. Die Ampel-Koalition hatte die Legalisierung durchgesetzt, die den Anbau von bis zu drei Pflanzen und den Besitz von bis zu 50 Gramm erlaubt. Nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen mit bis zu 500 Mitgliedern sind zulässig, spielen aber bisher eine untergeordnete Rolle.

Ausblick und weitere Evaluierung

Für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh, betonen die Forscher. Ob die Organisierte Kriminalität geschwächt wurde, lasse sich aus den aktuellen Daten nicht ablesen. Der Gesamtbedarf an Cannabis in Deutschland wird auf 670 bis 823 Tonnen pro Jahr geschätzt. Ein Anstieg des Konsums, der direkt auf die Reform zurückzuführen ist, sei bisher nicht erkennbar.

Der Abschlussbericht der Evaluation soll im April 2028 vorgelegt werden. Bis dahin bleiben Fragen zur Transparenz, zum Jugendschutz und zur Effektivität der Strafverfolgung offen. Die politischen Debatten um Korrekturen am Cannabisgesetz werden voraussichtlich weiter anhalten.

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