Iran-Konflikt bedroht Medikamentenversorgung: Drei Arzneimittel besonders gefährdet
Iran-Krieg: Drei Medikamente könnten Millionen Deutschen fehlen (19.03.2026)

Iran-Konflikt bedroht Medikamentenversorgung: Drei Arzneimittel besonders gefährdet

Die gestiegenen Öl- und Spritpreise waren nur der Anfang. Der Krieg im Iran könnte nun auch die Arzneimittelversorgung in Deutschland massiv gefährden. Vor allem drei Medikamentengruppen – Antibiotika, Diabetesmittel und Schmerzmittel – könnten bald für Millionen Patienten knapp werden, wie Experten warnen.

Abhängigkeit von asiatischen Wirkstoffen

Viele Medikamente, die in Europa produziert werden, enthalten importierte Wirkstoffe aus China oder Indien. Laut einer Studie von Pro-Generika aus dem vergangenen Jahr enthalten rund 60 bis 80 Prozent der Medikamente in Europa Wirkstoffe aus diesen Ländern. Die EU-Gesundheitsministerinnen und -minister sprechen sogar von 80 bis 90 Prozent.

Bei Antibiotika ist die Abhängigkeit besonders groß: 47 Prozent der Produktionsstandorte für Antibiotika befinden sich in China, 27 Prozent in Indien, während in Europa nur rund 23 Prozent der Fabriken stehen. „Bei einem Ausfall chinesischer Lieferungen wäre bei mehr als einem Drittel der untersuchten versorgungskritischen Wirkstoffe die Versorgung in Deutschland gefährdet“, erklärt Pro Generika.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Transportprobleme durch den Iran-Krieg

Die Situation an der Straße von Hormus betrifft nicht nur Öltanker, sondern auch Schiffslieferungen von wichtigen Medikamenten-Rohstoffen. Wegen des Konflikts im Nahen Osten müssen Transportschiffe nun weite Umwege fahren – anstatt der üblichen Route über den Suez-Kanal und das Rote Meer wird ein langer Umweg um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas genommen.

Dies verlängert die Transportzeit um 10 bis 14 Tage und treibt zudem die Preise nach oben. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) spricht von einem „neuen Krisenherd“. „Jede politische Krise entlang der Handelsroute zwischen Asien und Europa ist ein Risikofaktor. Die aktuelle Eskalation erhöht das generelle Sicherheitsrisiko dramatisch“, erklärt BPI-Hauptgeschäftsführer Kai Joachimsen.

Forderung nach europäischer Produktion

Der Verband bezeichnet Deutschland sowie Europa als „verwundbar“ und „auf Krisen nicht ausreichend vorbereitet“. Gegenüber der „Pharmazeutischen Zeitung“ teilte der BPI mit: „Ein Risiko besteht, und es ist kein kleines.“

Daher fordert der BPI eine grundlegende Neuausrichtung der Arzneimittelpolitik. Mehr Medikamente sollen wieder in Europa produziert werden, statt sie von anderen Kontinenten importieren zu müssen. Dies könnte langfristig die Abhängigkeit von asiatischen Lieferungen verringern und die Versorgungssicherheit erhöhen.

Die aktuelle Krise zeigt, wie fragil globale Lieferketten sind – besonders bei lebenswichtigen Gütern wie Medikamenten. Patienten, Ärzte und Apotheken müssen sich auf mögliche Engpässe einstellen, während die Politik nach Lösungen sucht.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration