Drogenbeauftragter kämpft um Rettung von Kinder-Entzugsklinik in Niedersachsen
Kampf um Kinder-Entzugsklinik: Streeck will Schließung verhindern

Existenzbedrohung für spezialisierte Einrichtung: Drogenbeauftragter will Kinder-Entzugsklinik retten

Die Versorgungslage für suchtkranke Kinder und Jugendliche in Deutschland droht sich dramatisch zu verschärfen. Die Dietrich Bonhoeffer Klinik in Ahlhorn, Niedersachsen, eine der wenigen spezialisierten Einrichtungen für junge Abhängige, muss zum 30. Juni 2026 schließen. Grund für diese drastische Maßnahme ist eine chronische Unterfinanzierung, die einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich macht.

60 Therapieplätze stehen auf dem Spiel

Mit der Schließung der Klinik würden bundesweit 60 dringend benötigte Rehabilitationsplätze wegfallen. Derzeit existieren in ganz Deutschland nur noch 25 vergleichbare Kombi-Plätze, die sowohl Entzugsbehandlung als auch Psychotherapie für junge Suchtkranke anbieten. Bislang finanzierte die Rentenversicherung die Rehabilitation, die sich an einen Entzug anschließt, doch die Mittel reichen nicht aus, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Wolfgang Vorwerk, Vorstand des Klinik-Betreibers Leinerstift, erklärt die prekäre finanzielle Situation: „Zuletzt erhielten wir lediglich 319,94 Euro inklusive Zulage pro Tag und Patient. Um kostendeckend arbeiten zu können, benötigen wir jedoch mindestens 500 bis 550 Euro.“ Bereits im Jahr 2025 verzeichnete die Einrichtung ein Defizit von 1,5 Millionen Euro.

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Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck greift ein

Angesichts dieser alarmierenden Entwicklung hat sich Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (CDU) eingeschaltet. Der 48-Jährige will die Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik mit allen Mitteln verhindern. „Die Schließung wäre ein schwerer Verlust für unser Gesundheitssystem“, betont Streeck. „Gerade für junge Menschen mit Suchterkrankungen benötigen wir dringend solche spezialisierten Therapieangebote.“

Streeck kündigte an, als Vermittler zwischen den Betreibern und der Deutschen Rentenversicherung aufzutreten, um den Erhalt der Therapieplätze zu sichern. Sein Engagement kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, denn der Bedarf an entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten steigt kontinuierlich.

Besorgniserregende Entwicklung bei Jugendlichen

Der Drogenbeauftragte warnt vor einer besorgniserregenden Zunahme von Suchtproblemen bei jungen Menschen. „Sucht und Abhängigkeit bei Jugendlichen nehmen deutlich zu“, so Streeck. „Der Mischkonsum wird gefährlicher, die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren steigt, und der Zugang zu Drogen ist durch das Internet so leicht wie nie zuvor.“

Vor diesem Hintergrund betont Streeck die Notwendigkeit, „alles daranzusetzen, junge Abhängige frühzeitig in Therapie zu bringen“. Die Dietrich Bonhoeffer Klinik spielt dabei eine zentrale Rolle, wie das Beispiel des 18-jährigen Nikita zeigt, der seit vier Monaten in der Einrichtung lebt und mit 14 Jahren mit dem Drogenkonsum begann.

Deutsche Rentenversicherung weist Verantwortung von sich

Die Deutsche Rentenversicherung sieht die Ursache für die Schließung nicht bei sich. Eine Sprecherin erklärte auf Nachfrage: „Mit der Dietrich Bonhoeffer Klinik wurde eine höhere Vergütung verhandelt, die den Besonderheiten der Einrichtung und ihren finanziellen Bedarfen entspricht.“ Warum ein wirtschaftlicher Betrieb dennoch nicht möglich sei, könne „die Einrichtung oder ihr Träger nur selbst beantworten“.

Diese unterschiedlichen Positionen verdeutlichen die komplexe Herausforderung, vor der das deutsche Gesundheitssystem steht. Während die Rentenversicherung auf vertraglich vereinbarte Leistungen verweist, kämpft die Klinik um ihr finanzielles Überleben.

Bundesweite Konsequenzen drohen

Die mögliche Schließung der Dietrich Bonhoeffer Klinik hätte weitreichende Konsequenzen für die Versorgung suchtkranker Kinder und Jugendlicher in ganz Deutschland. Familien müssten noch weitere Wege in Kauf nehmen, um geeignete Therapieplätze für ihre Kinder zu finden. Die bereits angespannte Situation würde sich weiter verschärfen, während gleichzeitig die Zahl der betroffenen Jugendlichen steigt.

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Die Vermittlungsbemühungen von Drogenbeauftragter Hendrik Streeck stehen daher im Fokus der Gesundheitspolitik. Gelingt es nicht, eine tragfähige Finanzierungslösung zu finden, droht ein wichtiger Baustein im Hilfesystem für suchtkranke Jugendliche dauerhaft verloren zu gehen.