Klinik-Streit eskaliert – Kreis setzt auf Zwang gegen Ameos
Trotz mehrfacher Gerichtsurteile zahlt der Schweizer Gesundheitskonzern Ameos nicht vollständig für den Kauf der ehemaligen Salzlandkliniken. Der Salzlandkreis hat nun die Zwangsvollstreckung eingeleitet, um seine finanziellen Ansprüche durchzusetzen. Die langjährige Auseinandersetzung erreicht damit eine neue Eskalationsstufe, die die Zukunft der Krankenhausversorgung in der Region Sachsen-Anhalt in Frage stellt.
Jahrelanger Finanzstreit eskaliert
Der Konflikt zwischen dem Salzlandkreis und dem Schweizer Konzern Ameos zieht sich bereits seit Jahren hin und hat jetzt eine kritische Phase erreicht. Nachdem mehrere Gerichtsinstanzen die Ansprüche des Landkreises bestätigt haben, liegt seit August ein vollstreckbarer Titel vor. Der Salzlandkreis fordert die Zahlung einer zweiten Kaufpreisrate in Höhe von 3,8 Millionen Euro zuzüglich Zinsen, was inzwischen eine Gesamtsumme von mehr als sechs Millionen Euro ergibt. Täglich kommen mehr als 1.000 Euro Zinsen hinzu, was die finanzielle Belastung kontinuierlich erhöht.
Bei der Übernahme der Kliniken in den Jahren 2011 und 2012 hatte Ameos zwar einen Großteil des Kaufpreises von 26 Millionen Euro gezahlt. Die zweite Rate war jedoch vom Jahresergebnis der Kliniken im Jahr 2011 abhängig gemacht worden. Weil Konzern und Landkreis unterschiedliche Auffassungen zur Höhe dieses Ergebnisses hatten, entwickelte sich daraus der langwierige Rechtsstreit, der nun in die Zwangsvollstreckung mündet.
Drohende Pfändung von Vermögenswerten
Der Salzlandkreis hat eine Schweizer Kanzlei beauftragt, die finanziellen Ansprüche gegenüber dem Mutterkonzern in Zürich durchzusetzen. Das zuständige Betreibungsamt in der Schweiz kann dafür einen Zahlungsbefehl ausstellen. Zahlt Ameos nicht, könnten Vermögenswerte des Konzerns gepfändet werden, was die Situation weiter verschärfen würde.
In den vergangenen Monaten hatte Ameos nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mit Einschränkungen in der medizinischen Versorgung im Salzlandkreis gedroht, falls der Landkreis weiter auf der Zahlung besteht. Der Konzern hatte auch um eine Ratenzahlung gebeten, was der Salzlandkreis jedoch aus kommunalrechtlichen Gründen ablehnt. Eine Stundung der zweiten Kaufpreisrate wäre nach EU-Recht eine unzulässige Beihilfe, wie der Kreis mitteilte.
Unzufriedenheit mit Ameos-Führung wächst
Ameos betreibt im Salzlandkreis mehrere Standorte, darunter Kliniken in Aschersleben, Bernburg und Schönebeck. In Politik und Verwaltung herrscht seit Jahren Unzufriedenheit über die Entwicklung seit dem Verkauf an den Schweizer Konzern. Der Streit beschränkt sich nicht nur auf die ausstehende Kaufpreisrate – auch um Investitionszusagen wird heftig gestritten.
Im Zuge des Kaufs hatte Ameos zugesichert, rund 144 Millionen Euro in die Kliniken zu investieren. Wie viel Geld tatsächlich geflossen ist, bleibt unklar, da das Unternehmen entsprechende Anfragen der Presseagentur nicht beantwortete. Auch zu anderen Aspekten des Konflikts machte der Konzern keine konkreten Angaben und verwies lediglich auf das laufende Verfahren.
Rückkehr in öffentliche Trägerschaft möglich
Landrat Markus Bauer (SPD) schließt inzwischen nicht mehr aus, dass die Kliniken zurück in eine öffentliche Trägerschaft kommen könnten. Einen ähnlichen Fall gab es bereits in Sachsen-Anhalt: Seit dem 1. März 2026 wird die Klinik in Zerbst nicht mehr von Helios betrieben, sondern vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Bauer führte bereits erste Gespräche mit Vertretern der Landesregierung.
Der SPD-Politiker betonte, man habe Ameos jederzeit die Hand gereicht und sich für Rahmenbedingungen eingesetzt, die für eine nachhaltige Krankenhausversorgung notwendig seien. „Sollte es Hinweise geben, dass die Vorgaben nach der Krankenhausplanung auf Basis des Krankenhausgesetzes Sachsen-Anhalt im Salzlandkreis nicht länger erfüllt werden, steht der Salzlandkreis zu seiner gesetzlichen Verpflichtung und wird die Aufgabe der stationären Gesundheitsversorgung wieder selbst übernehmen“, erklärte Bauer.
Finanzielle Herausforderungen bleiben bestehen
Wie der Landkreis eine solche Rückübernahme finanziell schultern würde, bleibt jedoch offen. Die Situation ist angespannt: Es bestehen Altschulden in Höhe von rund 17 Millionen Euro, und für dieses Jahr liegt das Defizit laut Plan bei 35,8 Millionen Euro. Dennoch machte Bauer deutlich, dass es im Fall der Fälle einen Weg geben müsse. „Es darf keine Einschränkung in diesem Bereich der Daseinsversorgung geben. Eine stabile, zukunftsfähige Krankenhausversorgung ist eine gesellschaftliche Verpflichtung“, betonte der Landrat.
Die Frage, ob Ameos die stationäre Versorgung in den Kliniken im Salzlandkreis im Jahr 2026 aufrechterhalten wird, ließ das Unternehmen ebenfalls offen. Damit bleibt die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region ungewiss, während der finanzielle und rechtliche Konflikt zwischen Kreis und Konzern weiter eskaliert.



