Krankenkassen übernehmen Kosten für vier Medikamente bei Long Covid
Krankenkassen zahlen vier Medikamente bei Long Covid

Erleichterung für Long-Covid-Patienten: Vier Medikamente werden künftig von Krankenkassen bezahlt

Erschöpfung, Müdigkeit, Schmerzen und kognitive Beeinträchtigungen – für viele Betroffene von Long Covid bedeuten diese Symptome eine enorme Belastung im Alltag. Bisher mussten Patienten häufig selbst für ihre medikamentöse Therapie aufkommen, doch nun gibt es eine wichtige Veränderung: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat erstmals vier Arzneimittel zur Behandlung von Long Covid freigegeben, deren Kosten künftig von den Krankenkassen übernommen werden.

Off-Label-Einsatz mit klaren Indikationen

Bei der Freigabe handelt es sich um einen sogenannten Off-Label-Einsatz. Das bedeutet, dass die Medikamente eigentlich für andere Krankheitsbilder zugelassen sind, jedoch wissenschaftliche Hinweise darauf hindeuten, dass sie auch bei Long-Covid-Symptomen wirksam sein können. Eine Heilung der Erkrankung bringen auch diese Präparate nicht, doch sie können die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

Die vier freigegebenen Medikamente im Überblick:

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  • Agomelatin: Dieses Antidepressivum soll gegen die lähmende Fatigue helfen, unter der zahlreiche Long-Covid-Patienten leiden.
  • Vortioxetin: Ein weiteres Antidepressivum, das kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsprobleme mildern und depressiven Symptomen entgegenwirken soll.
  • Ivabradin: Dieses Herzmedikament ist speziell für Patienten mit Pots-Syndrom vorgesehen, bei denen es beim Aufstehen zu stark erhöhtem Herzschlag mit Schwindel und Ohnmachtsgefahr kommt.
  • Metformin: Anders als die anderen Präparate wirkt dieses Diabetesmedikament vorbeugend und ist für übergewichtige Patienten mit akuter Coronainfektion gedacht.

Expertin begrüßt Entscheidung als wichtiges Signal

Carmen Scheibenbogen, Leiterin der Immundefekt-Ambulanz an der Berliner Charité, kommentierte die Entscheidung gegenüber dem Science Media Center positiv: „Die Entscheidung des G-BAs hat eine wichtige Signalwirkung und kann die Versorgung der Betroffenen verbessern.“ Gleichzeitig betonte sie, dass weiterhin Medikamente fehlen, die die Ursache der Beschwerden bekämpfen. Auch einen eindeutigen Nachweistest für Long Covid gibt es bislang nicht.

Scheibenbogen forderte: „Oberstes Ziel muss es sein, Therapien zu entwickeln, die nicht nur Symptome lindern, sondern eine Heilung ermöglichen.“ Dafür seien weitere Studien notwendig, um die Ursachen der Beschwerden zu klären und neue Medikamente zu entwickeln.

Long Covid und ME/CFS: Chronische Erkrankungen mit hoher Belastung

Long Covid bezeichnet Beschwerden, die nach einer Coronainfektion mindestens vier Wochen anhalten oder neu auftreten und nicht anderweitig erklärt werden können. Nach zwölf Wochen spricht die Fachwelt von Post Covid. Ein Teil der Patienten entwickelt dabei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), eine schwere chronische Multisystemerkrankung mit post-exertioneller Malaise als zentralem Symptom.

Wie viele Menschen in Deutschland genau an Long Covid erkrankt sind, bleibt unklar. Schätzungen gehen von etwa einer Million Betroffenen aus, von denen viele seit Monaten oder Jahren unverändert schwer krank sind.

Langzeittrend: Erkrankungsrate sinkt, aber frühe Fälle bleiben

Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, gibt eine vorsichtig positive Entwicklung bekannt: „Erfreulicherweise nimmt die Rate von Long-Covid-Beschwerden ab.“ Dies liege sowohl an den neueren Virusvarianten als auch an der Durchseuchung und den Impfungen. Während in der Anfangsphase der Pandemie bis zu zehn Prozent der Infizierten Langzeitbeschwerden entwickelt hätten, seien es jetzt nur noch etwa zwei Prozent. „Aber es gibt immer noch Langzeiterkrankte aus der Anfangszeit der Pandemie,“ so Berlit.

Die Kostenübernahme für die vier Medikamente markiert somit einen wichtigen Schritt in der Versorgung von Long-Covid-Patienten, auch wenn weiterhin großer Forschungsbedarf zur Ursachenbekämpfung besteht.

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