Krankentransporte in MV in Gefahr: Taxiunternehmen drohen mit Fahrten-Stopp ab 1. April
Krankentransporte in MV: Taxiunternehmen drohen mit Stopp (25.03.2026)

Krankentransporte in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Kollaps

Die Versorgung tausender Patienten in Mecklenburg-Vorpommern, die auf Krankentransporte angewiesen sind, steht auf der Kippe. Zahlreiche Taxiunternehmen des Landes haben für den 1. April einen kompletten Fahrten-Stopp bei sogenannten unqualifizierten Krankentransporten angekündigt. Hintergrund ist der gescheiterte Tarifstreit zwischen dem Landesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes MV (LVTM) und den Krankenkassen über eine angemessene Vergütung.

Verhandlungen enden ohne Einigung

Nach monatelanger Funkstille und mehreren Verhandlungsrunden konnten sich die Vertreter des Taxiverbands sowie der Kranken- und Ersatzkassen nicht auf eine bessere Vergütung für tausende Krankenfahrten in MV einigen. Die letzte Verhandlungsrunde am 23. und 24. März endete ergebnislos. Beide Seiten hatten zuvor zwar von einer Annäherung gesprochen, doch eine Einigung blieb aus.

DAK setzt auf Einzelverträge

Die DAK-Gesundheit verfolgt bereits seit zwei Jahren einen Sonderweg. Anstatt landesweiter Kollektivverträge mit dem LVTM setzt die Krankenkasse auf direkte Einzelverträge mit Transportunternehmen. „Unsere Versicherten werden weiterhin von ihrem Wohnort zu ihren Behandlungsorten gefahren und wieder zurück“, erklärt DAK-Sprecher Stefan Poetig. Aktuell habe die DAK in Mecklenburg-Vorpommern rund 350 ungekündigte gültige Einzelverträge mit Taxi- und Mietwagenunternehmen.

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Kritik an Einzelverträgen und zu niedrigen Vergütungen

Der Vorsitzende des LVTM, Guido Sembach, warnt jedoch vor den Einzelverträgen: „Bei Einzelverträgen könnten Preise unterhalb der Wirtschaftlichkeitsgrenze verhandelt werden. Einzelbetriebe haben in Verhandlungen weniger Gewicht.“ Colin Schwebke von Taxi Rostock konkretisiert die Kritik: „2,50 Euro auf den laufenden Kilometer sind die absolute Untergrenze, aktuell sind es 1,55 Euro, die die DAK zahlen will.“

Steigende Kosten bei stagnierenden Pauschalen

Die Unternehmen klagen über explodierende Betriebskosten bei gleichzeitig stagnierenden Vergütungen. Ronald Millich, Inhaber einer Ambulanz, erklärt: „Man kann das nicht mehr kalkulieren bei den unqualifizierten Transporten. Die Steigerungen tragen die Krankenkassen nicht mit, dabei explodieren die Kosten an allen Ecken und Enden.“ Hinzu kommen hohe Spritpreise und das Fehlen von Subventionen, die andere Teile des öffentlichen Personennahverkehrs erhalten.

Ost-West-Gefälle und massive finanzielle Einbußen

Colin Schwebke rechnet vor: „Nehmen wir einen schlechten Krankenkassenvertrag aus dem Westen mit 2,25 Euro und rechnen die Differenz zu dem, was wir bekommen haben (1,75 Euro/1,55 Euro), dann komme ich bei unseren Unternehmen auf eine Differenz von 300.000 Euro im Jahr 2025.“ Dieses Ost-West-Gefälle verschärft die Situation für die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich.

Folgen für Patienten ab April

Für viele Patienten, insbesondere in ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns, könnten die gescheiterten Verhandlungen ab April ernste Konsequenzen haben. Wenn die Taxiunternehmen ihre angekündigten Fahrten-Stopps umsetzen, droht eine Unterbrechung der regelmäßigen Transporte zu Arztpraxen und Kliniken. Die Versorgungssicherheit für chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen steht damit auf dem Spiel.

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