Krankentransporte in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Kollaps
Patientinnen und Patienten in Mecklenburg-Vorpommern, die auf unqualifizierte Krankentransporte angewiesen sind, müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Ab dem 1. April 2026 droht zahlreichen Betroffenen der Weg zum Arzt oder zur Behandlung zu versperren, da viele Taxiunternehmen des Landes ihre Fahrten einstellen wollen.
Verhandlungen zwischen LVTM und Krankenkassen entscheidend
Im Zentrum der Krise steht ein seit Langem schwelender Vergütungskonflikt zwischen dem Landesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes Mecklenburg-Vorpommern (LVTM) und den gesetzlichen Krankenkassen. Nach monatelanger Funkstille haben sich die Verhandlungspartner am 12. März zu ersten Sondierungsgesprächen getroffen, die nach Angaben des Verbands Deutscher Ersatzkassen zu einer gewissen Annäherung führten.
Entscheidend werden die weiteren Gespräche am 23. und 24. März sein, bei denen beide Seiten zuversichtlich sind, eine Einigung zu erzielen. Bis dahin wollen die Beteiligten keine weiteren Auskünfte an die Presse geben, was die Unsicherheit bei den Betroffenen weiter erhöht.
DAK geht Sonderweg mit Einzelverträgen
Während die meisten Krankenkassen auf landesweite Kollektivverträge setzen, hat die DAK-Gesundheit bereits vor zwei Jahren einen eigenen Weg eingeschlagen. Die Kasse ist aus den gemeinsamen Verträgen ausgestiegen und verhandelt stattdessen direkt mit einzelnen Transportunternehmen.
Laut DAK-Sprecher Stefan Poetig sind aktuell rund 350 ungekündigte Einzelverträge in Kraft, die eine flächendeckende Versorgung sicherstellen sollen. „Unsere Versicherten werden weiterhin von ihrem Wohnort zu ihren Behandlungsorten gefahren und wieder zurück“, betont Poetig.
Kritik an Einzelverträgen und zu niedrigen Vergütungen
Der Vorsitzende des LVTM, Guido Sembach, warnt jedoch vor den Risiken von Einzelverträgen. „Bei Einzelverträgen könnten Preise unterhalb der Wirtschaftlichkeitsgrenze verhandelt werden“, erklärt Sembach. Einzelbetriebe hätten in solchen Verhandlungen deutlich weniger Gewicht als ein großer Verband.
Besonders kritisch sieht Colin Schwebke von Taxi Rostock die Vergütungspraxis der DAK. „2,50 Euro auf den laufenden Kilometer sind die absolute Untergrenze, aktuell sind es 1,55 Euro, die die DAK zahlen will“, so Schwebke. Dabei orientieren sich genehmigte regionale Taxi-Tarife an Mindestaufwendungen, die deutlich höher liegen.
Steigende Kosten bei stagnierenden Pauschalen
Ronald Millich, Inhaber einer Ambulanz, die sowohl qualifizierte als auch unqualifizierte Transporte anbietet, beschreibt die Situation drastisch: „Man kann das nicht mehr kalkulieren bei den unqualifizierten Transporten. Die Steigerungen tragen die Krankenkassen nicht mit, dabei explodieren die Kosten an allen Ecken und Enden.“
Die Probleme verschärfen sich durch mehrere Faktoren:
- Hohe Spritpreise setzen die Unternehmen unter Druck
- Taxiunternehmen erhalten im Gegensatz zum öffentlichen Nahverkehr keine Subventionen
- Ein Ost-West-Gefälle bei den Vergütungen belastet die Betriebe zusätzlich
Colin Schwebke rechnet vor: „Nehmen wir einen schlechten Krankenkassenvertrag aus dem Westen mit 2,25 Euro und rechnen die Differenz zu dem, was wir bekommen haben (1,75 Euro/1,55 Euro), dann komme ich bei unseren Unternehmen auf eine Differenz von 300.000 Euro im Jahr 2025.“
Folgen für Patienten und Unternehmen
Für viele Taxiunternehmen stellen Krankentransporte die verlässlichste Einnahmequelle dar. Gleichzeitig sind zahlreiche Patienten in der ländlich geprägten Region Mecklenburg-Vorpommern auf diese Dienstleistungen angewiesen, um medizinische Behandlungen wahrnehmen zu können.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob eine Einigung zwischen den Verhandlungspartnern möglich ist oder ob ab April tatsächlich viele Transporte ausfallen werden. Für beide Seiten gilt: Die Zeit drängt, und die Konsequenzen eines Scheiterns wären für alle Beteiligten gravierend.



