Umfrageergebnis: Deutsche unterstützen Steuererhöhungen für Tabak und Alkohol
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer massiven Finanzierungslücke. Nach aktuellen Prognosen fehlen bereits im Jahr 2027 rund 15 Milliarden Euro, bis zum Jahr 2040 könnte sich das Defizit auf 40 Milliarden Euro ausweiten. Eine Expertenkommission hat nun konkrete Vorschläge zur Rettung des maroden Systems vorgelegt, darunter signifikante Erhöhungen der Tabak- und Spirituosensteuern.
Mehrheit der Bevölkerung befürwortet Maßnahmen
Eine aktuelle INSA-Umfrage im Auftrag von BILD zeigt, dass eine knappe Mehrheit von 51 Prozent der Deutschen diese Steuererhöhungen unterstützt – unter der Bedingung, dass die zusätzlichen Einnahmen direkt dem Gesundheitssystem zugutekommen. Lediglich 43 Prozent der Befragten lehnen höhere Abgaben auf Tabak und Schnaps ab.
Konkrete Preiserhöhungen für Zigaretten und Spirituosen
Die Expertenkommission schlägt vor, die Tabaksteuer zwischen 2027 und 2031 jährlich um 2,3 bis 3 Cent pro Zigarette anzuheben. Bei losem Tabak wäre sogar eine Erhöhung von rund 18,5 Prozent geplant. Konkret bedeutet dies: Eine Packung mit 20 Zigaretten, die derzeit etwa neun Euro kostet, würde bis 2031 um 2,68 Euro teurer werden und dann 11,68 Euro kosten. Selbstgedrehte Zigaretten würden im gleichen Zeitraum um 3,46 Euro teurer werden.
Bei Spirituosen soll die Steuer von 2027 bis 2029 schrittweise erhöht werden. Dies würde zunächst zu Preisaufschlägen von etwa 17 Prozent auf den reinen Alkoholgehalt führen, gefolgt von weiteren Erhöhungen um jeweils rund 10 Prozent. Beispiele verdeutlichen die Auswirkungen:
- Jägermeister 0,7 Liter (aktuell 13 Euro, 35% Vol.): Ab 2027 etwa 1,35 Euro teurer, ab 2029 insgesamt 3,19 Euro teurer.
- Asbach Uralt 0,7 Liter (aktuell 13 Euro, 36% Vol.): Ab 2027 etwa 1,39 Euro teurer, ab 2029 insgesamt 3,28 Euro teurer.
Umstrittene Zuckersteuer und Einheitsversicherung
Neben Tabak und Alkohol schlagen die Experten auch eine Steuer auf besonders zuckerhaltige Getränke wie Cola, Fanta oder Eistee vor. Diese ist jedoch umstritten: 48 Prozent der Deutschen befürworten sie, 47 Prozent lehnen sie ab. Für eine generelle Zuckersteuer, die auch Lebensmittel umfasst, sprechen sich 52 Prozent aus – allerdings nur unter der Bedingung, dass im Gegenzug die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel (derzeit 7 Prozent) abgeschafft wird. 39 Prozent sind dagegen.
Ein weiterer Vorschlag betrifft die Struktur des Gesundheitssystems: Aktuell existieren 93 Krankenkassen mit eigenen Vorständen und Verwaltungen, was die Beitragszahler im Jahr 2024 knapp 13 Milliarden Euro kostete – etwa 4 Prozent aller Ausgaben. 49 Prozent der Befragten befürworten eine große Einheitsversicherung für gesetzlich Versicherte, während die private Krankenversicherung erhalten bleiben soll. 37 Prozent lehnen dies ab, und 14 Prozent sind unentschieden.
Politische Reaktionen und nächste Schritte
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU, 46) plant, aus den Vorschlägen der Expertenkommission ein umfassendes Sparpaket zu schnüren. Die Maßnahmen zielen nicht nur auf neue Einnahmen, sondern auch auf Einsparungen innerhalb des Systems ab. Die Diskussion über die Zukunft der Gesundheitsfinanzierung wird in den kommenden Monaten voraussichtlich an Intensität gewinnen, da die finanziellen Herausforderungen drängender werden.



